Western: „Made in Germany and DDR“

Western: „Made in Germany and DDR“
Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
15. Juni 2002
Abgelegt unter:
Special

In der Geschichte des europäischen Westerns haben einige der westdeutschen Karl-May-Verfilmungen (siehe hierzu das Karl-May-Special) einen recht hohen Stellenwert. Nicht allein im deutschsprachigen Raum überaus erfolgreich, sondern dazu in den anderen europäischen Ländern mindestens vergleichbar gut gelaufen, erregten die Filme sogar in den USA einiges Aufsehen. Innerhalb Europas dürfte der Überraschungserfolg von Der Schatz im Silbersee und die sehr guten Einspielergebnisse von Winnetou I aber auch als Konjunktur-Motor nicht allein für den „Spaghetti-Western“ gewirkt haben. Dies rief nicht nur amerikanische Produzenten auf den Plan, sich in Italien finanziell zu engagieren, sondern ließ die Politprominenz auf der anderen Seite des „Eisernen Vorhangs“ ebenfalls nicht ruhen. So produzierte in Folge auch die DEFA ihre Indianerfilme — die Bezeichnung dieser Produktionen als „Western“ blieb lange verpönt. Als Pendant zum „bundesrepublikanischen“ Winnetou Pierre Brice kam der Jugoslawe Gojko Mitic (bereits ein Nebendarsteller in den Karl-May-Verfilmungen Horst Wendlandts) zum Einsatz. Der erste DEFA-Film dieses Genres, Die Söhne der großen Bärin (1965), kam zu einer Zeit in die Kinos, als die westdeutsche Karl-May-Welle mit Winnetou III ihren letzten Höhepunkt erreichte. (Karl-May-Stoffe mussten bei der DEFA allerdings bis Ende der 80er Jahre infolge politischer Restriktion ausgespart bleiben.)

Natürlich drehten die DDR-Streifen das gängige US-Western-Klischee des barbarischen Ureinwohners als Feind der Zivilisation herum und ließen den guten roten Mann zum Kampf gegen den (US-)Kolonialismus antreten. Voll im sozialistischen Trend einer mehr oder weniger subtilen Imperialismuskritik schneiden die DEFA-Western im Vergleich zu den Karl-May-Filmen aber keinesfalls grundsätzlich qualitativ besser ab. In Sachen Ausstattung und Inszenierung sind manche der Filme sogar noch ein gutes Stück dilettantischer als ihre BRD-Pendants geraten — standen bei ihrem Publikum aber in ähnlich hoher Gunst wie die westdeutschen Karl-May-Verfilmungen.

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