Die Söhne der großen Bärin

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
14. Juni 2002
Abgelegt unter:
DVD

DEFA-Western auf DVD

Von der Berliner Firma „Icestorm Entertainment“ (www.icestorm.de) wird das DEFA-Spielfilm-Archiv videotechnisch aufgearbeitet und vermarktet. Neben dem (noch) überwiegenden Anteil an VHS-Produktionen sind inzwischen unter anderem auch eine Reihe der DEFA-Western auf DVD erhältlich.

Die Söhne der großen Bärin (1966), der Erstling der ostdeutschen Western-Welle thematisiert etwas langatmig und vor allem unbeholfen den Freiheitskampf der Dakota-Indianer in Anlehnung an eine Romanvorlage von Liselotte Welskopf-Heinrich.

1391Chingachgook, die große Schlange (1967) ist die ostdeutsche Adaption von Fenimore Coopers Lederstrumpf-Roman „Wildtöter“ und lehnt sich recht stark an die Vorlage an. Der sozialistische Einschlag tritt hier am Beispiel des arrogant-korrupten britischen Fort-Kommandeurs hervor, der seinem (noch) wenig verdorbenen idealistischen jungen Leutnant zeigt, wie die britische Kolonialmacht mit Rothäuten umgeht.

Apachen (1973) basiert auf historischen Ereignissen in der Auseinandersetzung zwischen Weiß und Rot im heutigen New Mexico um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Gewissenlose Yankees wollen die großen Edelmetallvorkommen ungestört ausbeuten und richten unter den Indianern ein Blutbad an. Abseits von rein nostalgischer Betrachtung sind die Apachen in den geschichtlichen Betrachtungen und Schlüssen deutlich stimmiger als in ihrer mitunter recht laienhaft und holprig wirkenden Inszenierung. Abgesehen von einigen stimmungsvollen Indianerszenen leidet der Film unter den beträchtlichen Mängeln an historischer Genauigkeit in seiner teilweise grotesk zusammengewürfelten Ausstattung.

Die Produktion der in vielem märchenhaften und unrealistischen Karl-May-Western kam bereits 1968 zum Erliegen, die Karl-May-Welle dauerte also gerade einmal sechs Jahre. Die DEFA-Indianer-Filme hingegen wurden bis Mitte der 80er Jahre produziert. Unter diesem Gesichtspunkt entlarven sich gerade die Apachen (und auch der Nachfolge-Film Ulzana aus dem Jahr 1974) als doch recht hausbackene, biedere Westernkost für Teenager. Etwas, das der Vergleich mit dem etwa zeitgleichen, recht realistischen US-Pendant Ulzana’s Raid • Keine Gnade für Ulzana (1972) unterstreicht.

Die DVD-Präsentation der Filme ist durchaus passabel. Die Produktionen basieren offenbar auf technisch verbesserten Videomastern des DDR-Fernsehens. Bildschärfe, Kontrast und Farben können überwiegend als gut eingestuft werden. Das Wermutströpfchen ist das an den Seiten deutlich beschnittene Scope-Bild (Seitenverhältnis etwa 1: 1,85). Der Ton kommt in sauberem Mono daher und als Zusatzmaterial gibt’s neben Bilder-Galerien jeweils Infos zu Gojko Mitic (Bio- und Filmografie) sowie recht amüsante Produktionsberichte aus DDR-Wochenschauen wie „Begegnung mit Gojko“.

Regisseur*in:
Mach, Josef

Erschienen:
2001
Vertrieb:
Icestorm Entertainment
Kennung:
DVD 19027
Zusatzinformationen:
DDR 1966

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