Old Shatterhand

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
17. Juli 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Als früher Teen war ich von Atze Brauners Old Shatterhand (1964) begeistert die Filmmusik gab es damals leider ebenfalls nicht zu kaufen. Immerhin handelt es sich hier um eine für europäische Verhältnisse aufwändige und in schönen Bildern gehaltene Produktion, die sogar in 70-mm gedreht worden ist. In den folgenden Jahren verblasste der ursprüngliche Reiz des Kampfes um Fort Grant allerdings rasch, nachdem ich über das Fernsehen verstärkt mit klassischen Western, hier nicht zuletzt mit denen von John Ford, in Berührung kam. Zwar ist z. B. in Fords Höhepunkt der Kavallerie-Trilogie She Wore a Yellow Ribbon • Der Teufelshauptmann (1949) die Filmhandlung auch nicht in allem überzeugend, aber die Karl-May-Filme sind nicht ansatzweise so sorgfältig in der Ausstattung und auch nicht annähernd so genau im historischen Detail. Die besseren Filme der Serie (z. B. Der Schatz im Silbersee, Winnetou-Trilogie) sind von Harald Reinl realisiert worden und haben trotz der zum Teil grotesk stilisierten Westernatmosphäre immerhin eine noch einigermaßen stimmige, wenn auch nur frei an der betreffenden Romanvorlage orientierte Handlung. Hingegen findet die zusammengestoppelte Geschichte von Old Shatterhand selbst bei Karl-May-Filmfans wenig Beifall. Atze Brauner, der unbedingt auf den Winnetou-Erfolgszug aufspringen wollte, war, da sämtliche Buchstoffe und auch der Komponist der Serie Martin Böttcher rechtlich blockiert waren, zu Kompromissen gezwungen. So wurde der Italiener Riz Ortolani für die Musik verpflichtet. Ortolani zählte zwar nie zu den Großen des Metiers, er hat aber durchaus einige sehr ansprechende Filmmusiken fertig gestellt. Seine Tonschöpfung zu Old Shatterhand war und ist ein netter musikalischer Kontrast zum gewohnten Martin-Böttcher-Standard. In den achtziger Jahren erschienen zum ersten Mal große Teile der Musik auf einer lange vergriffenen CELINE-LP; Cobra-Records hat nun die wohl vollständige Musik auf einer ebenfalls liebevoll editierten CD vorgelegt.

Riz Ortolanis Tonschöpfung macht auch nach der langen Zeit von 36 Jahren immer noch einen soliden Eindruck und hat einen gewissen Charme; die Qualität der besprochenen Wilhelm-Kompositionen erreicht sie aber nicht: Dafür ist das Ganze doch etwas zu simpel gestrickt, die meisten Actionmusiken sind mehr Geräusch als Musik, und auch das schöne epische Hauptthema wird allzu oft kaum abgewandelt wiederholt. Das gegenüber der alten LP-Version zusätzlich gehobene Musik-Material enthält neben einer bislang unbekannten Song-Version des Hauptthemas ein paar nette, zum Teil allerdings auch belanglose Stücke; einige Tracks sind offenbar direkt von der Film-Tonspur transferiert worden. Trotz einiger Schwächen bleibt ein Platz im soliden Mittelfeld und damit eine kleine Empfehlung, nicht allein für Nostalgiker.

Fazit: Lieb gewordene Kindheitserinnerungen spiegeln sich in den Rolf-Wilhelm-Musiken zu den Heimatfilmen Und ewig singen die Wälder (1959) und der Fortsetzung Das Erbe von Björndal (1960). Dank der Privatinitiative eines Esseners kann der Interessierte die stimmungsvolle und auch melodisch eingängige Musik jetzt in einer gelungenen CD-Produktion daheim zum Klingen bringen. Wem dieser nostalgische Bezug fehlt, braucht nicht zu befürchten, dass es hier nur säuselnden Kitsch zu hören gäbe. Nein, Rolf Wilhelms Filmmusik erweist sich als handwerklich überaus solide, gut instrumentierte und emotionale Klangschöpfung deutlich über dem Durchschnitt, die auch abseits der Filmbilder eigenständig und gut anhörbar bleibt. Für die auch liebevoll ausgestattete CD gibt es daher eine eindeutige Empfehlung.

Nicht ganz so viel, aber immerhin drei Sterne bekommt Riz Ortolanis nette, aber schlichte Komposition zum einzigen in 70-mm produzierten relativ aufwendigen Karl-May-Western Old Shatterhand (1964). Die Ausstattung und der saubere Mono-Klang der ebenfalls liebevoll editierten Produktion lassen wenig Wünsche offen. Die Old-Shatterhand-CD bietet somit ordentliche, für manch einen sicher auch nostalgisch-charmante Unterhaltung.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Rolf-Wilhelm-Specials.

Komponist*in:
Ortolani, Riz

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
61:11 Minuten
Sampler:
Cobra
Kennung:
CR 002

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