CD

Veröffentlicht am 21.05.2006 | von Michael Boldhaus

Annapolis

Annapolis Michael Boldhaus
Bewertung

Annapolis

Im Jahr 2003 schien ein neuer Stern am filmmusikalischen Komponistenhimmel aufzugehen. Dem Newcomer Tyler gelang es, mit zwar nicht großartig eigenständigen aber handwerklich nicht ohne Pfiff komponierten Scores zum Horror-Thriller Darkness Falls sowie zum Action-Thriller The Hunted auf Anhieb Eindruck zu machen und Hoffnungen zu wecken. Mit gewissen Einschränkungen kann man das Signum der soliden Machart auch noch der recht liebevoll gestalteten Musik zur TV-Mini-Serie Children of Dune (trotz ihrer ausgeprägten Nähe zu Gladiator) und ebenso der soliden Vertonung des Kino-Sci-Fi-Thriller-Epos’ Timeline attestieren. Aber bereits im darauf folgenden Jahr 2004 verursachten Godsend und Paparazzi (deutscher Kinostart: 23.3.2006) bereits beträchtliche Ermüdungserscheinungen, die 2005 mit den Arbeiten zu Constantine und The Greatest Game ever played endgültig in pure Langeweile umschlugen.

Und nun? Was gilt für Brian Tyler (auf CD) im Jahr 2006, mit der Musik zu Annapolis? Das Ergebnis ist niederschmetternd! Die Story des im Kadettenmilieu angesiedelten Streifens spielt in der Militärakademie von Annapolis. Laut Vorabinfo zum Film handelt es sich um eine lupenreine Underdog-Story über einen jungen Kadetten aus einfachsten Verhältnissen, der bei der Erfüllung seines Lebenstraums über sich selbst hinauswachsen muss. Das riecht kräftig nach „wohlwollender“ Unterstützung des Pentagons, das Dreharbeiten in der auf eine langjährige Tradition zurückblickenden Militärakademie wohl nur allzu gern ermöglichte. Als Film scheint Annapolis ein ziemlich patriotisch-triefiger Mist zu sein, der hierzulande wohl wenig ankommen dürfte. Beim Abspielen des Varèse-Albums bekommt der Hörer zum Teil den Eindruck: So klingt’s, wenn die US-Army für sich wirbt.

Ein nicht allein banales, sondern schlichtweg nur hohles Heroenthema kombiniert mit Zimmer-typischem soßigen Pathos (ehedem Media Ventures) ist von ausgetretenster Machart und soll offenbar exakt den Nerv des anvisierten Nachwuchses treffen. Was daraus entsteht, besitzt nur in der gebotenen Ausführlichkeit von rund 65 Minuten, einen, wenn auch arg zweifelhaften Pluspunkt. Rockige Einschübe mit lauten E-Gitarren und synthetischen Beats von der Stange besorgen den Rest — David Arnolds Action-Schreibweise lässt hier, allerdings arg flau, grüßen. Das Resultat wirkt in seinen simplen Strickmustern und der aufgepfropften Emphase auf mich nicht nur arg belanglos, sondern ob seiner reinen Vordergründigkeit fast schon ärgerlich. Und der Komponist Brian Tyler? Dieser scheint über ein entlang komponieren an vorgegebenen Temptracks oder im Nachahmen der von den Produzenten gewünschten musikalischen Stilvorbilder einfach nicht hinauszukommen. Mit dem in Teilen allein hohl-bombastisch scheppernden Patriotismus-Action-Gebräu zu Annapolis erreicht er dabei allerdings handwerklich einen Tiefstand, für den ich nach zähem Ringen selbst eher bescheidene zwei Sterne denn doch nicht mehr herausrücken mochte.

Titel: Annapolis
Erschienen: 2006

Laufzeit: 64:24 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: VSD-6709

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