Special

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Kleine Klassikwanderung 8: Richard Strauss


CD

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Der Rosenkavalier

Musik zum Stummfilm Der Rosenkavalier

Die Entstehungsgeschichte der Musik zum gleichnamigen Stummfilm nach der Erfolgsoper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss ist bereits ein Kuriosum, bei dem die bekannte Profitgier des großen Komponisten hervorsticht. Regie bei Der Rosenkavalier führte übrigens Robert Wiene, der sich mit Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) einen Namen gemacht hatte.

Strauss überließ das Arrangieren und Einrichten der Filmmusik Otto Singer und Karl Alwin. Seine Arbeit dürfte sich dabei im Wesentlichen auf die Festlegung der Nummernreihenfolge beschränkt haben — es gibt Stimmen, die behaupten, er sei an der Verknüpfung der Filmbilder mit seiner Musik zuvor schier verzweifelt. Für im Film enthaltene Szenen, die über die Handlung der Oper hinausgehen, musste zusätzliches musikalisches Material bereitgestellt werden. Strauss ließ zwei eigene frühe Werke recyceln, die Schlachtmusik „Kampf und Sieg“, den „Königsmarsch“ in Es-Dur und für eine höfische Ballszene orchestrierte er den „Wirbeltanz“ von Couperin. Eigens für den Film komponierte er noch einen zusätzlich benötigten „Militärmarsch“ in F-Dur.

Die Stummfilm-Musik Der Rosenkavalier ist jetzt erstmalig auf Tonträger zugänglich; in einer liebevoll realisierten Gesamteinspielung durch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Marek Janowski. Das Label Capriccio (www.deltamusic.de) hat damit zwei CDs (fast) randvoll bestückt und zusammen mit einem soliden Booklet (in dem der Handlungsablauf zur Musik erläutert wird) als preisgünstige Box veröffentlicht.

Eingefleischte Straussianer werden diese Form des Rosenkavaliers „ohne Worte“ womöglich belächeln oder gar die Nase rümpfen, schön anzuhören ist dieses „saubere Bastardel“ in jedem Fall; und dazu eine zum Teil walzerselige Revue eingängiger, edler Strauss-Melodien, die gelöst vom Film an Ballettmusik erinnert. Und wie immer ist bei Strauss alles vorzüglich, von spürbarer Meisterhand instrumentiert.

Die Doppel-CD bietet knapp zweieinhalb Stunden Strauss am Stück. Im wahrsten Wortsinn ein üppiger „Strauß silberner Rosen“ und für manch einen möglicherweise auch Einstieg und Vorbereitung für nicht allein die gleichnamige berühmte Oper.

Titel: Der Rosenkavalier
Erschienen: 2003

Laufzeit: 146:41 Minuten

Medium: CD
Label: Capriccio
Kennung: 60 097 (2 CDs)

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Strauss: Orchestral Works (EMI)

Richard Strauss: Orchestral Works, EMI-Box

Wer bei Richard Strauss tiefer einsteigen möchte, der erhält mit der preiswerten EMI-Box aus der Reihe „Budget Box Sets“ geradezu ideale Voraussetzungen. Die Platz sparende, zurückhaltende Ausführung — 9 CDs in Papphüllen, nebst ordentlichem Booklet in einer stabilen Pappbox — lässt die Power der Kollektion kaum erahnen. Die Box vereint die Einspielungen des ersten umfangreichen Zyklus der Straussschen Orchesterwerke, den Rudolf Kempe mit der Staatskapelle Dresden in den 70er Jahren realisiert hat.

Hier gibt es nahezu alles, was es beim spätromantischen Klangzauberer Richard Strauss (abseits der Opern) zu entdecken gibt. An besonders bekannten Werken findet man: die reizende Tondichtung „Till Eulenspiegels lustige Streiche“, in ihrem geradezu plastischen Ausdruck fast schon eine Filmerzählung durch Musik; den schwelgerischen und zugleich sinnlich-leidenschaftlichen „Don Juan“; „Also sprach Zarathustra“, der auch neben der berühmten durch Kubricks 2001 zum Hit avancierten Eröffnungsfanfare wertvolle Musik enthält; „Eine Alpensinfonie“ als die wohl machtvollste in Töne gefasste Natur- und Stimmungsschilderung einer Bergwanderung. Strauss zieht hier alle Register technischen Könnens, malt eindrucksvoll Tagesanbruch und Sonnenaufgang, suggeriert perfekt das spritzende Wasser eines kleinen Wasserfalls, setzt zur akustischen Visualisierung der Alm-Idylle Kuhglocken ein und scheut beim machtvollen Gebirgsgewitter nicht vor naturalistischen Theatereffekten mit Wind- und Donnermaschine zurück. Und „Auf dem Gipfel“ wurde das majestätische Vorbild für unzählige Musiken zur Untermalung von Landschaftspanoramen.

Gerade dieses zum Teil zweifellos Plakative des Ausdrucks hat es der Alpensinfonie im Werkkanon des Komponisten in ihrer Rezeptionsgeschichte nicht leicht gemacht. Auch heutzutage ist gelegentlich noch der Vorwurf der Effekthascherei und damit Oberflächlichkeit zu vernehmen. Hierbei wird aber übersehen, dass der Komponist das Werk nicht allein als Effektstück angelegt, sondern darin dem musikalischen Ausdruck der vielfältigen Empfindungen und Stimmungen seines Wanderers — in leisen Tönen — insgesamt sogar breiteren Raum eingeräumt hat, als den Passagen mit zum Teil krachendem Effekt.

Gerade die bis hierher genannten Stücke sind bis heute für die Musik der tönenden Leinwand sämtlich unverzichtbar. Sie dienen entweder als Stilvorbilder — z. B. „Eine Alpensinfonie“ für J. Goldsmith in The Blue Max — oder werden sogar eindeutig beliehen — „Don Juan“ beispielsweise von Victor Young in ]Scaramouche. Mr. Skeffington von Franz Waxman und Boys from Brazil von Jerry Goldsmith wären ohne „Der Rosenkavalier“ nicht denkbar. Entscheidende Strauss-Einflüsse finden sich auch in folgenden Filmmusiken: Korngolds Adventures of Robin Hood, Waxmans Prince Valiant und Sunset Boulevard, Rosenthals Clash of the Titans und Williams Jurassic Park, um nur einige zu nennen.

Und neben dem selbstironischen „Ein Heldenleben“, der familiär-innigen, fast schon kammermusikalischen „Sinfonia Domestica“ sind auch seltener zu hörende Werke vertreten. Beispielsweise die beiden schönen romantischen Hornkonzerte, das subtile Oboenkonzert und neben dem frühen Violinkonzert auch ein früher Ausflug in die Welt der sinfonischen Dichtung: „Aus Italien“.

Von den Werken für Klavier und Orchester sind neben der „Burleske“ das „Parergon zur Sinfonia Domestica“ und der „Panathenäenzug“ als klangschöne Raritäten enthalten. Und nicht vergessen werden dürfen an dieser Stelle zwei reizende Ausflüge des Komponisten in Historisierendes: „Der Bürger als Edelmann“ und die „Tanzsuite nach Klavierstücken von Couperin“. Und keinesfalls unbedeutend ist der „Don Quixote“: im Untertitel als „Fantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters“ ausgewiesen, ist er ein Geheimtipp für Fortgeschrittene und Feinschmecker. Es handelt sich um einen raffinierten Variationszyklus, ausgeführt als eine Art Cellokonzert. Ein komplexes Werk, für das man sich etwas mehr Zeit nehmen muss, um seine großen Schönheiten und die herrlichen und dabei zum Teil quasi filmisch-bildhaften Einfälle richtig einschätzen zu können.

Kempes EMI-Strauss-Zyklus genießt interpretatorisch nach wie vor hohen Rang und darf auch heutzutage noch als klangtechnisch „Sehr gut“ bezeichnet werden. Im sehr ordentlichen Booklet findet der Käufer zur Fülle des Gebotenen zwar keine tief schürfenden, aber zu jedem der vertretenen Stücke immerhin solide Informationen. In Anbetracht des ebenfalls tadellosen Preis-Leistungsverhältnisses kann man hier nur zum Zugreifen raten.

Titel: Strauss: Orchestral Works (EMI)
Erschienen: 1999

Zusatzinformationen: Staatskapelle Dresden, R. Kempe

Medium: CD (Klassik)
Label: EMI
Kennung: 5 73614 2 (9-CD-Box)

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Strauss: The Essential Richard Strauss

Richard Strauss auf Telarc

Wer es in Sachen Umfang etwas kleiner möchte, ohne dabei ein qualitatives Risiko einzugehen, der ist mit dem 4-CD-Set von Telarc „The Essential Richard Strauss“ ebenfalls sehr gut beraten. Die mit den Wiener Philharmonikern unter André Previn aufgenommene Werkauswahl beschränkt sich auf das Wichtigste — alle CDs sind auch einzeln erhältlich. Der fehlende „Till Eulenspiegel“ ist allerdings ein eklatanter Schwachpunkt, welcher der Box die Bezeichnung „Essential“ eigentlich verbietet. Dafür gibt’s aber die „Vier letzte(n) Lieder“ für Sopran und Orchester, die in der EMI-Box nicht enthalten sind.

Previn und die Wiener Philharmoniker gestalten die vier CDs zu einem spieltechnisch brillanten und dank der Telarc-Tontechnik auch klangsinnlichen Fest erster Güte. Hier sind alle Farben und Schattierungen der reichhaltigen Orchestrierungen nachvollziehbar, etwas, das man allerdings den nuanciert anders gelagerten Einspielungen Rudolf Kempes in vergleichbarer Form bescheinigen muss. Einmal mehr gilt dementsprechend auch hier: König Kunde hat die Qual der Wahl oder nimmt mittel- bis längerfristig gar beides.

Titel: Strauss: The Essential Richard Strauss
Erschienen: 1995


Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80428 (4 CDs)

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Strauss: Also sprach Zarathustra etc.

Titel: Strauss: Also sprach Zarathustra etc.
Erschienen: 1988

Zusatzinformationen: Wiener Philharmoniker, A. Previn
Laufzeit: 61:35 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80167

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Strauss: Ein Heldenleben etc.

Titel: Strauss: Ein Heldenleben etc.
Erschienen: 1990

Zusatzinformationen: Wiener Philharmoniker, A. Previn
Laufzeit: 68:30 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80180

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Strauss: Don Quixote etc.

Titel: Strauss: Don Quixote etc.
Erschienen: 1991

Zusatzinformationen: Wiener Philharmoniker, A. Previn
Laufzeit: 59:30 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80262

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Strauss: Eine Alpensinfonie

Titel: Strauss: Eine Alpensinfonie
Erschienen: 1990

Zusatzinformationen: Wiener Philharmoniker, A. Previn
Laufzeit: 48:18 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80211

Komponist(en):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 14.12.2003 | von Michael Boldhaus

Strauss: Eine Alpensinfonie in Bildern

„Eine Alpensinfonie in Bildern“

Abschließend nochmals die berühmte Bergwanderung in einer besonderen Version: als eine moderne Dia-Show mit Orchesterbegleitung. Die durch den Einsatz raffinierter Überblendungen entstehenden Foto-Montagen nehmen den Fotografien dabei partiell sogar ein wenig das systembedingt Statische, näherungsweise resultiert hier fast die filmische Illusion von Bewegungsabläufen. Entsprechendes gilt auch für Schwenks in Panoramabildern. Diese quasi filmische Tendenz verleiht der Präsentation m. E. den besonderen Reiz. Beispielsweise in den exzellenten Montagen zu Beginn und Schluss, wo sowohl Tagesanbruch und Sonnenaufgang, als auch Abenddämmerung und Sonnenuntergang visuell eindrucksvoll gestaltet werden und die bleiche Mondscheibe geschickt den Kreis schließt — was exakt dem Geist der Musik entspricht. Etwas eigenwillig, aber nicht uninteressant gelöst ist die Verdunklung beim Heraufziehen des den Abstieg begleitenden Gewitters: nämlich als totale Sonnenfinsternis.

Tobias Melle, in München lebender Fotograf und Musiker, hat hierfür aus einem gewaltigen Fotografien-Fundus ausgewählt, den er im Laufe von etwa drei Jahren bei ausgiebigen Wanderungen (mit Sondergenehmigung) durch den Nationalpark Berchtesgadener Alpen aufgenommen hat. Manches vom Reiz dieser Alpensinfonie in Bildern liegt daher nicht allein in der professionellen Präsentationstechnik, sondern ebenso in der Qualität der zum Teil fantastischen Bilder. Melle hat die Motive mit spürbarer Liebe zur Natur und Hang zur Perfektion zum Teil mühsam erwandert, ausgewählt und aufgenommen. Diese DVD-Produktion geht übrigens auf eine erfolgreiche Serie von Aufführungen im Prinzregententheater in München im Januar des Jahres 2003 zurück.

Auch die musikalische Begleitung der DVD-Produktion ist entsprechend hochwertig. Die tadellose Einspielung stammt aus einer Reihe von Strauss-Einspielungen, die der Dirigent David Zinman mit dem Tonhalle Orchester Zürich für das BMG-Label ARTE NOVA eingespielt hat. Und weder bild- noch tontechnisch gibt es etwas zu beanstanden. König Kunde hat hier die Wahl zwischen PCM-Stereo und mehrkanaliger Wiedergabe, in Dolby-Digital und auch dts.

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Titel: Strauss: Eine Alpensinfonie in Bildern
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: Tonhalle-Orchester Zürich, D. Zinman
Laufzeit: 53:00 Minuten

Medium: DVD
Verleih: BMG DVD
Kennung: 82876 506639

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