Bicentennial Man

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
27. Februar 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Der Film Bicentennial Man • Der 200 Jahre Mann folgt über einen Zeitraum von 200 Jahren der Odyssee des außergewöhnlichen Androiden Andrew Martin, dessen größter Wunsch es ist, als Mensch akzeptiert zu werden. Martin wird, in technisch ausgeklügelter Maske, durch Robin Williams (Good Will Hunting, Mrs. Doubtfire, Jakob der Lügner) in einer Science-Fiction-Geschichte voller Gefühl, Herzenswärme, Romantik und Humor verkörpert.

Die Filmstory geht auf die Original-Kurzgeschichte „Der Zweihundertjährige“ von Isaac Asimov zurück, die dieser im Jahre 1976 veröffentlichte. Ich erinnere mich gut daran, viele Asimovs geradezu verschlungen zu haben: Denn der überzeugende wissenschaftlich-sachliche Hintergrund dieser von einem Biochemiker verfassten Geschichten hat mich seinerzeit überaus fasziniert (weitaus mehr als z. B. Perry Rhodans wild-fantastische Abenteuer) und hob die Stories zudem vom auf dem Science-Fiction-Sektor weit verbreiteten Mittelmaß deutlich ab. Das ansprechende Heyne-Filmbuch enthält eine breit angelegte Neuerzählung von Asimovs Kurzgeschichte, die der Autor Robert Silverberg erstellt hat und die dem Drehbuchautor Nick Kazan als Vorlage diente: Die Story wurde beträchtlich erweitert, damit noch vielschichtiger gestaltet und um eine anrührende Liebesgeschichte bereichert. Ergänzt durch eine Reihe Film-Farbfotos ist das preisgünstige Taschenbuch nicht allein ein angenehmes Filmsouvenir, sondern auch generell für Freunde niveauvoller Science-Fiction-Geschichten interessant.

Als Produzenten des Films stellte sich neben Gail Katz auch der Emdener Wolfgang Petersen (Das Boot, Outbreak) der Herausforderung, Asimovs Story für die Leinwand zu adaptieren. Als Regisseur wurde Chris Columbus verpflichtet, der mit Robin Williams schon bei Mrs. Doubtfire — Das stachlige Kindermädchen (1993) hervorragend zusammengewirkt hat.

Bei der Vision eines Amerika in den nächsten 200 Jahren halten die Designs des Oscar-gekrönten Produktionsdesigners Norman Reynolds Star-Wars-Trilogie) Augenmaß. So entwarf dieser ein zukünftiges San Francisco, das die den heutigen Menschen vertrauten Wahrzeichen bewahrt und damit futuristisch anmutet, ohne fremd zu wirken. Walt Disneys Abteilung für Visual-Effects (Dream Quest Images) steuerte innovative Filmtechnik wie digitale Maskenbildnerei, Computergrafik und Modelle bei, und auch Hologramme spielen eine wichtige Filmrolle. Doch neben eindrucksvoll eingesetzter Zukunftstechnik dominiert im Film die Realität der als Parabel gedachten Botschaft der Geschichte, was es bedeutet, Mensch zu sein.

Den aus Los Angeles stammenden Komponisten James Horner braucht man sicher nicht näher vorzustellen. Er lieferte für den 200-Jahre-Mann eine handwerklich gute, aber nicht innovative Filmmusik. Beim Durchhören der CD trifft man nahezu ausschließlich „alte Bekannte“ aus seinen bisher vorgelegten Werken: Selbst in der „Maschinenmusik“ des noch am originellsten daher kommenden ersten Tracks („The Machine Age“), die mit gut gemachten „hölzernen“ Schlagwerk-Einsätzen garniert ist, erinnert die Schlusspassage unüberhörbar an The Rocketeer. Über die Qualitäten des bei Horner ja mittlerweile „chronischen“ (nicht nur ausschließlich) Sich-selbst-Beklauens kann man sicher geteilter Meinung sein. Nun, eine „wichtige“ Filmmusik ist diese neue Schöpfung wohl kaum, aber schlecht ist sie deswegen auch nicht. Neben etwas Synthesizer geben auch die wohl unvermeidlichen (hier wohl elektronischen) typischen Horner-Chöre ein allerdings erfreulich zurückhaltendes Stelldichein. Das Hauptthema ist sehr eingängig und auch als Celine-Dion-Song „Then you Look At Me“ auf der CD vertreten. Auch wenn dieses Lied nicht die Hit-Power des Titanic-Pendants haben dürfte, mag man es durchaus wiederholt hören. Ähnliches gilt auch für den leichten, insgesamt eher ruhigen, lyrisch-romantischen Score, der die großzügig bestückte CD füllt. Keine umwerfende Film-Neukomposition, aber im wahren Wortsinn angenehm an- und auch ohne Probleme durchhörbar.

Komponist*in:
Horner, James

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
66:30 Minuten
Sampler:
Sony
Kennung:
SK 89038

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