Der Rosenkavalier

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
13. Dezember 2003
Abgelegt unter:
CD

Musik zum Stummfilm Der Rosenkavalier

Die Entstehungsgeschichte der Musik zum gleichnamigen Stummfilm nach der Erfolgsoper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss ist bereits ein Kuriosum, bei dem die bekannte Profitgier des großen Komponisten hervorsticht. Regie bei Der Rosenkavalier führte übrigens Robert Wiene, der sich mit Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) einen Namen gemacht hatte.

Strauss überließ das Arrangieren und Einrichten der Filmmusik Otto Singer und Karl Alwin. Seine Arbeit dürfte sich dabei im Wesentlichen auf die Festlegung der Nummernreihenfolge beschränkt haben — es gibt Stimmen, die behaupten, er sei an der Verknüpfung der Filmbilder mit seiner Musik zuvor schier verzweifelt. Für im Film enthaltene Szenen, die über die Handlung der Oper hinausgehen, musste zusätzliches musikalisches Material bereitgestellt werden. Strauss ließ zwei eigene frühe Werke recyceln, die Schlachtmusik „Kampf und Sieg“, den „Königsmarsch“ in Es-Dur und für eine höfische Ballszene orchestrierte er den „Wirbeltanz“ von Couperin. Eigens für den Film komponierte er noch einen zusätzlich benötigten „Militärmarsch“ in F-Dur.

Die Stummfilm-Musik Der Rosenkavalier ist jetzt erstmalig auf Tonträger zugänglich; in einer liebevoll realisierten Gesamteinspielung durch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Marek Janowski. Das Label Capriccio (www.deltamusic.de) hat damit zwei CDs (fast) randvoll bestückt und zusammen mit einem soliden Booklet (in dem der Handlungsablauf zur Musik erläutert wird) als preisgünstige Box veröffentlicht.

Eingefleischte Straussianer werden diese Form des Rosenkavaliers „ohne Worte“ womöglich belächeln oder gar die Nase rümpfen, schön anzuhören ist dieses „saubere Bastardel“ in jedem Fall; und dazu eine zum Teil walzerselige Revue eingängiger, edler Strauss-Melodien, die gelöst vom Film an Ballettmusik erinnert. Und wie immer ist bei Strauss alles vorzüglich, von spürbarer Meisterhand instrumentiert.

Die Doppel-CD bietet knapp zweieinhalb Stunden Strauss am Stück. Im wahrsten Wortsinn ein üppiger „Strauß silberner Rosen“ und für manch einen möglicherweise auch Einstieg und Vorbereitung für nicht allein die gleichnamige berühmte Oper.

Komponist*in:
Strauss, Richard

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
146:41 Minuten
Sampler:
Capriccio
Kennung:
60 097 (2 CDs)

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