The Hollywood Songbook

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Oktober 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Die Tragödie der im „Paradies“ USA (vorwiegend in Los Angeles) untergekommenen Emigranten, einem „Schauhaus des Easy Going“ – wie Bertolt Brecht schrieb -, spiegelt das „Hollywood Songbook“ wider. Es ist eine eindringliche Elegie des bitteren Exils, des Entwurzeltseins, komponiert im Jahr 1943, und zugleich ein melancholischer Reflex auf die bürgerliche Gattung Kunstlied, etwas, von dem sich der Komponist ja bereits 1927 ironisch-sarkastisch verabschiedet hatte. Musikalisch findet sich ein reichhaltiges Spektrum, das von Schubert-Anklängen und Seriellem bis zum Kabarett-Chanson reicht.

In dieser sowohl schwermütigen und resignativen als mitunter wütend-sarkastischen und auch elegischen „Winterreise“ ist es, wie auch bei den Gesängen des Roaring-Eisler-Albums: Brillante, metaphernreiche und vielschichtige Texte bilden mit entsprechender Musik eine kongeniale Einheit. So in „Die Heimkehr“ von B. Brecht: „Die Vaterstadt, wie find ich sie doch? Folgend den Bomberschwärmen, komm ich nach Haus. Wo denn liegt sie? Wo die ungeheueren Gebirge von Rauch stehen. Das in den Feuern dort ist sie. Die Vaterstadt, wie empfängt sie mich wohl? Vor mir kommen die Bomber. Tödliche Schwärme melden euch meine Rückkehr. Feuersbrünste gehen dem Sohn voraus.“

Hanns Eisler schrieb im Entwurf zum Vorwort des Werkes: „In einer Gesellschaft, die ein solches Liederbuch versteht und liebt, wird es sich gut und gefahrlos leben lassen. Im Vertrauen auf eine solche sind diese Stücke geschrieben.“ Die vorliegende, erstmals vollständige Einspielung des selten zu hörenden Werkes gibt hierzu Gelegenheit. Der Bariton Matthias Goerne interpretiert das Lieder-Spektrum anpassungsfähig, vielseitig und sehr einfühlsam alle Facetten ausleuchtend, er vermeidet dabei falsche Sentimentalität und Eric Schneider am Klavier ist dazu sein optimaler Begleiter.

Der Komponist selbst hatte jedoch wenig Glück im Finden einer zum Vorwort des „Hollywood Liederbuches“ passenden Gesellschaft. Im Zuge der berüchtigten Verhöre durch den „Ausschuß zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit (HUAC)“ wurde er schließlich aus den USA ausgewiesen, trotz des Engagements renommierter Personen wie Aaron Copland, Leonard Bernstein, Albert Einstein und auch Charlie Chaplin. Er pendelte anschließend zwischen Wien und Ost-Berlin, wo er sich letztlich niederließ. Zu seinen Lebzeiten hat er keine Aufführung des Werkes erlebt.

Komponist*in:
Eisler, Hanns

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
70:09 Minuten
Sampler:
DECCA
Kennung:
460 582-2

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