Gert Wilden: Deutsche Filmkomponisten, Folge 2

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
19. April 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Score

(3.5/6)

Gert Wilden hieß ursprünglich Gert Wychodil, stammt aus Nord-Böhmen und wurde in Mährisch-Trübau im Jahr 1923 geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Prager Musikhochschule unter anderem Dirigieren beim später berühmten George Szell. Schon während des Studiums wurde er Leiter des Tanzorchesters am Sender in Pilsen. Zur Filmmusik kam er nach dem Kriege durch den früher bei der UFA sehr bekannten Werner-Richard Heymann, für den er als Arrangeur arbeitete, bis er mit eigenen Arbeiten Fuß fassen konnte.

Reine Routine im Einheitssound ist auch hier angesagt. Von den beiden schon etwas skurril anmutenden Western(-Tanz)-Musiken, zum amerikanischen Lederstrumpf: Der Wildtöter (1957) und zum 1964er Die schwarzen Adler von Santa Fe, tendiert besonders die zum letztgenannten Film ein wenig zur Musik zu Der letzte Mohikaner (1965) von Peter Thomas.

Aus den zahlreichen Krimi-Musiken des Komponisten ist einiges vertreten: weist der „Main Title“ für (sämtliche) Filme der Dr.-Fu-Man-Chu-Reihe zumindest noch ein wenig pentatonische Einflüsse und damit asiatisches Kolorit auf, das noch Bezug zum Film hat, lässt der Ausschnitt aus Orientalische Nächte allein ein 60er-Jahre-Tanz-Feeling aufkommen. Ein wenig Bigband-Jazz mit immerhin ein wenig James-Bond-Touch hat Der Fluch des schwarzen Rubin (1965). Abgesehen von einigen netten Momenten ist aber auch diese Musik eindeutig blasser als amerikanische Vorbilder der Ära, wie [url id=1980]Our Man Flint[/url] (1966). Überhaupt klingen die hier zu hörenden Kriminalfilmvertonungen insgesamt vergleichbar blass und fast durchweg nach reinem Unterhaltungseinerlei – ebenso wie die auf dem Martin-Böttcher-Album vertretenen.

Wilden schrieb insbesondere über seine zahlreichen Krimivertonungen einmal, dass keine davon Gefahr gelaufen wäre, den Oscar zu gewinnen. Auch wenn die Oscars nur bedingt synonym für Qualität sind, lässt sich diese etwas selbstironische Feststellung in ganz besonderem Maße wohl auch auf weitgehend belanglose Musiken, wie die zu Schulmädchen-Report (insgesamt 13 Filme, 1970-1980), Die dressierte Frau (1972) oder Madame und ihre Nichte (1969), übertragen.

Wertungs-Fazit: Hier gibt’s ausschließlich Musik der Marke „Easy Listening“, ohne dass in den vertretenen Beispielen von merklichem Pfiff gesprochen werden kann. Einiges ist zwar ganz nett anzuhören, aber insgesamt ist die CD stark mit eher seichtem Musikmaterial durchsetzt. (1 bis 2 Sterne).

Komponist*in:
Wilden, Gert

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
75:35 Minuten
Sampler:
Bear Family
Kennung:
BCD 16482 AR

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