Der Felsen

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
5. August 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Neben der Ausgrabung filmmusikalischer Kuriositäten (siehe z.B. Musik zu den Western „Made in Germany and DDR“) hat sich das Stuttgarter-Label „all score media“ in der (neuen) Reihe „Edition Cinerama“ zur Aufgabe gemacht, die Musik zu aktuellen deutschen Filmen vorzustellen.

Den Anfang macht die Musik zu Der Felsen (A Map of the Heart) von Dominik Graf, der seit dem 25. Juli 2002 in den deutschen Kinos gezeigt wird. Der Komponist Dieter Schleip (geboren 1962 in Aachen; www.dieter-schleip.de) liefert seit 1995 für zahlreiche deutsche Kino- und TV-Produktionen die Musik. Im Jahr 2000 wurde er mit dem „Deutschen Fernsehpreis“ für die Filmmusiken zu Doppeltes Dreieck von Torsten C. Fischer und Rendevous mit dem Teufel von Thomas Berger ausgezeichnet. Im Jahr 2002 erhielt er den „Preis der deutschen Filmkritik“ für seine Komposition zu Jobst Oetzmanns Kinofilm Die Einsamkeit der Krokodile.

Schleips Musik zu Der Felsen fokussiert auf die Gefühle der weiblichen Hauptfigur, Katrin, die während eines Korsika-Urlaubes aus ihrer gewohnten Lebensbahn geworfen wird. Hierzu arbeitet der Komponist vornehmlich mit Klangschichtungen aus Synthesizer, Ethno- und Band-Percussions, Vokalisen und orchestralen Klängen. Die meist mit flächigen Streicher-Sounds und minimalistischen Einsprengseln durchsetzten collageartigen Klänge sind gut gearbeitet. Sie erhalten insbesondere durch die ethnischen Einwürfe (spezielle Percussions, aber auch für die Region charakteristische polyphone Hirtenchöre), die dazu zum Teil verfremdet eingespielt werden und geräuschartig wirken, einigen Reiz. Diesen eher statisch wirkenden – die Beklemmung und Erstarrung Katrins überzeugend reflektierenden – Passagen verleihen einige gekonnt-kraftvolle Schlagwerkattacken des Zürcher Drummers Manu Römer einen die Handlung vorantreibenden Drive.

Einsamkeit und Melancholie der Hauptfigur spiegeln sich passend in einem Klavierstück von Erik Satie wider, dessen Tonfall auch den der eingestreuten Soloklavier-Stücke bestimmt. Außerdem gibt es ein paar von einfachen Melodien geprägte Stücke sowie einige ansprechende Soli von Jazz-Trompete, Violine, Klavier, Saxophon und Cembalo. Und überhaupt eine stetig wiederkehrende motivische Harfenfigur, die sich wie ein roter Faden durch das musikalische Geschehen zieht.

Dieter Schleips Musik zu Der Felsen dürfte ihrer Aufgabe im Film vollauf gerecht werden. Hingegen wirken die den Hauptteil ausmachenden – zur minimalistisch geprägten Klang-Collage tendierenden – Sounds als reines Hör-Album doch etwas langatmig. Die vorliegende CD ist kaum zum Mitsummen geeignet und daher kaum Chart-verdächtig. In erster Linie dürfte sie ein interessantes Studienobjekt für an musikalischen Untermalungen des „Neuen Deutschen Films“ Interessierte sein. Auch hier verhilft Programmieren des CD-Players zu einem besser fließenden, recht ansprechenden, meditativen Hör-Erlebnis.

Das CD-Album ist sauber gemixt und mit einem einfach gestalteten Booklet ausgestattet, das einen Artikel des Regisseurs Dominik Graf zur Entstehung der Filmmusik enthält. Unterm Strich in jedem Fall eine sehr willkommene (Start-)Veröffentlichung auf dem bislang unterrepräsentierten Sektor mit Filmmusiken deutscher Komponisten und damit auch von einigem Repertoirewert.

Komponist*in:
Schleip, Dieter

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
61:04 Minuten
Sampler:
all score media
Kennung:
ASM 011

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