Symphonies 1, 5

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
21. Juni 2000
Abgelegt unter:
Klassik

Kurioserweise ist Benjamin Frankels Musik nach seinem Tod, obwohl bis dahin – nicht zuletzt in Deutschland – zunehmend gewürdigt und gepflegt, weitgehend in Vergessenheit geraten. Im Gegensatz zu anderen zum Teil weniger bedeutenden Komponisten hat ihn selbst die britische Plattenindustrie bis heute nahezu völlig vernachlässigt. Die Initiative des Osnabrücker Labels erhält so eine besondere Bedeutung und könnte Anlass für eine langsame Frankel-Renaissance werden. Langsam, da die meist gemäßigt-modern konzipierte Musik dem Hörer häufig zuerst ein kompliziertes Hörerlebnis bereitet. Hier bleibt aber anzumerken, dass selbst die seriell komponierten Schöpfungen wie die Sinfonien nie völlig abstrakt und trocken „mathematisch“ klingen. Der Hör-Eindruck, den seine dodekaphonen Klangschöpfungen machen, ist treffender mit „expressionistische Sinnlichkeit“, als mit dem Begriff „Atonalität“ zu beschreiben, der bei den meisten Hörern generell mit der Vorstellung einer nur „schräg“ klingenden Musik besetzt ist. Frankels Tonsprache bleibt immer aus dem melodischen Gedanken heraus empfunden und erdacht. Trotz angewandter Techniken der „Neuen Musik“ ist der Komponist immer Musikant geblieben – einer, der wie Richard Strauss, seinen Mozart stets sehr geliebt hat. Ein Mehr an Worten bringt an dieser Stelle kaum zusätzliche Information: Diese Musik muss man hören und sich auch einhören!

Die farbige und stimmungsvolle „May Day Overture“, die tonmalerisch-groteske „Mephistopheles Serenade and Dance, a Caricature for Orchestra“ und auch die überwiegend melodisch eingängige „Youth-Music“ für Streichorchester ermöglichen einen recht leichten Zugang in die „seriöse“ Klangwelt des Komponisten. Anschließend ist ein Einstieg in den Sinfonien-Zyklus über die fünfte Sinfonie besonders zu empfehlen, wobei der aufmerksame Hörer hier auch mancherlei Anklänge an die Filmmusik zu Battle of the Bulge heraushören kann. Wer bis hierhin gelangt ist, kann anschließend mit jedem beliebigen Werk tiefer in den ausdrucksvollen musikalischen Kosmos des Benjamin Frankels eintauchen: z. B. mit dem als intimes Holocaust-Denkmal fungierenden überwiegend von gespenstisch-atmosphärischer Dichte geprägten Violinkonzert; mit der dem Kölner Klavier-Trio Rostal-Cassado-Schneider gewidmeten Serenata Concertante, die eine Art Pendant zu Beethovens Tripelkonzert ist; oder auch mit einer der übrigen Sinfonien. Mich hat eines der kleineren Werke auf der CD „Music for Strings“ besonders beeindruckt, nämlich „The Aftermath“, Opus 17. Hier präsentiert sich ein expressiver Liederzyklus von atemberaubend-atmosphärischer Dichte, dessen düstere musikalische Seelenlandschaft, geprägt durch Einsamkeit und Verzweiflung, erst im letzten Lied lyrisch aufgehellt wird und damit Trost und Ruhe findet. Auf dieser CD finden sich auch die weitgehend eingängigen „Three Sketches for Strings“ und das interessante „Solemn Speech and Discussion“, in dessen Finale Frankel eine Phrase der „Internationalen“ verwoben hat – der Komponist war zwischen 1940 und 1952 Mitglied der kommunistischen Partei.

Komponist*in:
Frankel, Benjamin

Erschienen:
1994
Gesamtspielzeit:
53:24 Minuten
Sampler:
cpo
Kennung:
999 240-2

Listing:

Symphony No. 1 op. 33 (25:33)
Symphony No. 5 op. 46 (18:03)
Overture „May Day“ (9:26)

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