Battle of the Bulge

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
20. Juni 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(6/6)

Die Musik zu Hollywoods aufwändig inszenierten 70-mm-Kriegs-Epos über die Panzerschlacht in den Ardennen Ende 1944, Battle of the Bulge • Die letzte Schlacht (1965), war seine letzte Arbeit für eine größere Filmproduktion. Das handlungsmäßig wenig überzeugende, optisch zum Teil aber eindrucksvolle Film-Opus mit Henry Fonda, Robert Ryan und Robert Shaw in den Hauptrollen ist heutzutage regelmäßiger Festtagsgast im Programm eines Privatsenders. Die seinerzeit erhältliche und in den achtziger Jahren in Japan wiederaufgelegte, LP (später auch als CD erschienen) enthielt schon respektabel ausgewählte rund 40 Minuten aus Benjamin Frankels meisterhafter Tonschöpfung – und war ein begehrtes Sammlerstück. Die knapp 80-minütige Version, auf dem, auf das Ausgraben von Raritäten spezialisierten cpo-Label pressfrisch veröffentlicht, bietet jetzt die (fast) vollständige Filmmusik in makelloser Interpretation und Aufnahmetechnik. Es fehlt allerdings, trotz des Cover-Vermerk „komplette Filmmusik“, in jedem Fall die allerdings repetitive und daher wenig bedeutende Pausenmusik. Die markante kleine Film-Ouvertüre findet sich dafür auf der CD an unerwarteter Stelle: als Track 11 „The Armaments Train“. Ein minutiöser Vergleich der Neueinspielung mit der Filmtonspur gestaltet sich nicht nur aufwändig, sondern wird auch dadurch erschwert, dass es unterschiedliche deutsche und englische Schnittfassungen des Filmes gibt – so ist z. B. in den meisten deutschen Kopien das SS-Massaker von Malmedy nicht enthalten. Auch liegen ganze Musik-Passagen im Film arg leise hinter den Dialogen und der übrigen für die damalige Zeit perfekten 6-Kanal-Magnet-Stereoton-Kulisse – und sind daher nur schwierig wahrnehm- und beurteilbar.

Ich halte cpos kleinen Etikettenschwindel zwar nicht für glücklich, aber doch für verzeihlich. Wie ein Schnelldurchgang der Videofassung zeigte, sind auf der Neueinspielung in jedem Fall alle wesentlichen Musikpassagen vertreten, und mit den präsentierten knapp 80 Minuten Programm ist man bei der Produktion eh an die Grenze des Machbaren für die CD gegangen. Schon der Musikschnitt der für ihre Zeit beachtlichen schwarzen Warner-Scheibe war sorgfältig ausgewählt und ist in der Wirkung auch heute noch beeindruckend. Jetzt bekommt der Hörer sogar fast das Doppelte geboten. Ein aus Vollständigkeitsfanatismus heraus motiviertes „Wühlen“ nach einigen eventuell ebenfalls noch fehlenden Musik-Partikeln halte ich daher für überzogen. Hier präsentiert sich meines Erachtens also trotz eines geringfügigen Patzers eine Spitzenproduktion, die sich kein Sammler sinfonischer Filmmusik entgehen lassen sollte. Frankels meisterhafte sinfonische Arbeit für diesen Film kann jetzt erstmals in ihrer vollen musikdramatischen Bedeutung gehört und gewürdigt werden. Seine Filmmusik erweist sich besonders beim eingehenderen Hören als faszinierende Klangschöpfung, die nachhaltig überzeugt und außerdem zu begeistern vermag: Hier war hörbar ein Könner am Werk. Die deutlich abseits der gewohnten Hollywood-Klangklischees angesiedelte Tonsprache ist teilweise komplex-modern und in den Kampfszenen von scharfen Dissonanzen geprägt, aber deswegen keinesfalls spröde und trocken. Die Unerbittlichkeit und Wucht der modernen Kriegsmaschinerie – hier symbolisiert durch die Panzerwaffe – spiegelt sich musikalisch in den motorisch-furiosen Rhythmen und in den martialisch-schroffen Bläsersätzen, denen zwischendurch poetisch und zart auskomponierte innige Passagen der Ruhe gegenübergestellt sind.

Komponist*in:
Frankel, Benjamin

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
65:18 Minuten
Sampler:
cpo
Kennung:
999 696-2

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