Martin Böttcher: Deutsche Filmkomponisten, Folge 1

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
19. April 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Score

(3/6)

Martin Böttcher (∗ 1927) will als Jugendlicher zuerst Pilot werden. Der Kriegseinsatz bleibt dem Halbwüchsigen erspart, nicht aber die Gefangenschaft. Hier begründet er seine musikalische Karriere, indem er sich autodidaktisch das Gitarrenspiel beibringt. Der 18 Jahre junge Böttcher beginnt seine Laufbahn beim Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks NWDR heute der NDR, seinerzeit noch nicht „Das Beste am Norden“. Dort erhält er eine Ausbildung in Jazz und Unterhaltungsmusik und lernt auch James Last kennen. In den 50ern schreibt er Arrangements, unter anderem für die pfeifende Ilse Werner. Seine erste Filmmusik entsteht 1955 für die Militärsatire Der Hauptmann und sein Held. Zu Die Halbstarken (1956) entwirft er eine dem Trend der Zeit entsprechende jazzige Musik (siehe auch The Man from U.N.C.L.E.), die er mit eigener Combo, der „Mister Martins Band“, einspielt.

Böttcher erweist sich als ordentlicher Melodiker und komponiert Lieder für Hans Albers und für diverse Schlagerfilme. Hübsch geraten ist das Hauptthema aus den beiden Pater-Brown-Filmen (1960 und 1962): eine ansprechende Melodie im Gewand bluesig angehauchter leichter Unterhaltungssinfonik. ähnliches gilt auch für die Musikbegleitungen zu Filmen wie Max, Der Taschendieb (1961), deren hervorstechende Merkmale recht süffige, poppig rhythmisierte Streichersounds mit diversen Instrumental-Soli sind. Böttchers Nimbus rührt insbesondere von den Karl-May-Film-Vertonungen her: auch hier erklingen Soli, meist von Gitarre und Mundharmonika. Der Klang wird durch satte Streicherbesetzung stärker romantisiert, jazzig bluesige Elemente – zu Krimi-Kompositionen wie Das Geheimnis der schwarzen Witwe (1963) – treten zugunsten von dezenten Anleihen bei amerikanischer Hillybilly- und Country-(Western-)Music zurück. In Mörderspiel (1961) setzt der Komponist einen (ebenfalls im Unterhaltungsmusik-Trend der Zeit liegenden) etwas plumpen vokalisierenden Frauenchor ein.

Damit dürfte allerdings die stilistische Bandbreite von Martin Böttchers Filmmusiken schon (fast) erschöpfend umrissen sein. Lässt man die insgesamt 30 Titel der CD Revue passieren, begegnen einem ausschließlich reine, eher schlichte Unterhaltungsstandards. Darunter sind zwar einige ansprechende Themen zu finden, aber die klangliche und stilistische Vielfalt erweisen sich doch als arg begrenzt und vor allem ist eine Fähigkeit zur dramatischen Gestaltung kaum auszumachen. So erklingt zu Edgar-Wallace-Krimis wie Das Ungeheuer von London City und Der Fälscher von London allein eine eher standardisiert flache Unterhaltungsmusik, die auch einfach nur aus dem Radio kommen könnte. Und zu meist platten Komödien wie Klassenkeile, Die Ente klingelt um ½ 8 oder Dr. med. Fabian – Lachen ist die beste Medizin stehen allein poppig angehauchte, völlig seichte Sounds ohne Pep auf dem Programm.

Und selbst bei den zweifellos kultigen, oftmals durchaus hübschen Karl-May-Kompositionen handelt es sich in erster Linie um sehr eingängige Melodien, die bei genauerer Betrachtung allerdings sämtlich aus demselben Holz geschnitzt sind. Insgesamt dürften gerade die zum Teil charmant klingenden Kompositionen zu den Karl-May-Filmen diejenigen sein, die mit ihren süffigen Sounds mit dem Namen Martin Böttcher am längsten in Erinnerung bleiben werden. Dem entsprechend findet sich zum Auftakt der CD auch ein recht repräsentativer Querschnitt (7 Tracks) durchs Karl-May-Œuvre.

Unterm Strich: eine Mischung aus in weiten Teilen eher rein routinierter hintergrundtauglicher Tanz- und Unterhaltungsmusik – die mitunter kaum auf Filmmusik tippen lässt. Insgesamt meist recht biederes Handwerk mit einigen darin enthaltenen kleineren Perlen (1 bis 3 Sterne).

Komponist*in:
Böttcher, Martin

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
73:20 Minuten
Sampler:
Bear Family
Kennung:
BCD 16481 AR

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