CD

Veröffentlicht am 23.03.2002 | von Michael Boldhaus

The Egyptian (FSM)

The Egyptian (FSM) Michael Boldhaus
Bewertung

Dass mehrere Komponisten an einer Filmmusik arbeiten, ist, nicht erst heute — z. B. bei Media Ventures —, ein geläufiges Phänomen. Bereits im Golden Age entstanden häufig Scores unter Mitwirkung von mehreren Komponisten, was lange Zeit (bis Mitte der 90er Jahre) gemeinhin unbekannt war. Das wohl berühmteste Zusammenwirken zweier Großer — Alfred Newman und Bernard Herrmann — betrifft die Musik zum 20th-Century-Fox-CinemaScope-Epos The Egyptian • Sinuhe der Ägypter (1954).

Als man bei 20th Century Fox in den 90er Jahren die alten auf 35-mm-Magneton-Film aufgenommenen Stereo-Aufnahmen (näheres hierzu im Cleopatra-Special) eingehender unter die Lupe nahm, zeigte sich, dass der unvermeidliche Alterungsprozess einigen Aufnahme-Takes stärker zugesetzt hatte als anderen. Nicht allein, dass die bei analogen Magnetaufzeichnungen gespeicherten Signale durch Wechselwirkung mit ihrer magnetischen Umgebung abgeschwächt und verschwommener werden, manche der alten Filmstreifen sind stark versprödet und/oder die magnetische Beschichtung bröckelt sogar: Derartige Takes sind unrettbar verloren!

Zu den Scores, deren Gesamtzustand seinerzeit als besonders kritisch bewertet wurde, gehörte auch die Original-Einspielung zu The Egyptian. Dies veranlasste das Marco-Polo-Team John Morgan und Bill Stromberg zu einer Neueinspielung, die hervorragend ausgefallen ist. Mehr zu den Qualitäten dieser edlen Musik findet sich im Artikel vom November 1999.

Trotz des Vorliegens einer herausragenden Neueinspielung, besitzt die jeweilige Originaleinspielung natürlich Referenzcharakter — falls noch in akzeptabler Qualität verfügbar. Das FSM-Team um Lukas Kendall hat seinen guten Draht zum Fox-Archiv genutzt und sich den Materialien zu The Egyptian eingehend gewidmet. Überraschenderweise führte dies zu dem Ergebnis, dass nur rund 30 Minuten Musikmaterial zu stark beschädigt oder völlig unbrauchbar sind. Dies ermöglichte die vorliegende CD mit rund 72 Minuten — von rund 100 Minuten Musik insgesamt — in (fast) durchgehend sehr guter Tonqualität. Nicht allein, dass dem Hörer jetzt ebenfalls große Teile der Originaleinspielung zur Verfügung stehen, der Vergleich beider Einspielungen ergibt darüber hinaus etwa 15 Minuten bislang unveröffentlichtes Material. Damit bieten beide Tonträger zusammen dem Interessierten eine nochmals deutlich erweiterte Fassung dieser herrlichen Musik: Ein klangsinnliches Fest für jeden Freund des klassischen Hollywood.

The Egyptian (FSM- und Marco-Polo-Edition)

Auf den beiden CDs findet sich nicht identisches Musikmaterial in den folgenden Tracks:
FSM: 2, 3, 4 (partiell), 7, 10, 14, 15, 18 (partiell), 21, 23 (Marsch deutlich länger als in der Marco-Polo-Edition)
Marco-Polo: 3, 4 (partiell), 5, 11, 12, 25

Titel: The Egyptian (FSM)
Erschienen: 2001

Laufzeit: 72:06 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 4 No. 5

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 23.03.2002 | von Michael Boldhaus

The Bravados

The Bravados Michael Boldhaus
Bewertung

Dass Alfred Newman und Hugo Friedhofer zwischen 1935 und 1960 sehr regelmäßig zusammenarbeiteten, ist ebenfalls ein Faktum, das erst in den letzten Jahren einem größeren Kreis von Filmmusikfreunden stärker ins Bewusstsein rückte. Ein schönes klingendes Beispiel auf Tonträger ist die vorliegende Musik zum Western The Bravados • Bravados (1958). Regisseur Henry King thematisiert hier die fragwürdige Motivation des Strebens nach Rache und das Rachenehmen in einer weitgehend überzeugenden Filmhandlung. Gregory Peck verkörpert den gebrochenen Protagonisten, einen Rancher, der die Mörder seiner Frau hängen sehen will und dabei die falschen Banditen zur Strecke bringt.

Charles Gerhardt hat das Hauptthema, einen mitreißenden, typischen Newman-Marsch, im Rahmen seiner „Classic Film-Score-Serie“ auf RCA bereits in den 70ern eingespielt. Dessen heroisch vorwärts drängende Melodie steht sowohl für den Rancher als auch für das von der Ehrhaftigkeit seines Tuns überzeugte „Aufgebot“, das die Banditen jagt. Ein wichtiges Basis- und Leitmotiv des Scores also, von dem Newman und Friedhofer, jeder auf seine typische Weise, vielfältigen Gebrauch machen. Neben dem Marsch steuerte Big Al (Alfred Newman) noch ein lyrisches Thema für eine weibliche Hauptfigur bei: „Josefa“. Es zeigt sich, dass, sobald Newman am Werk gewesen ist, die Musik lyrischer und — im positiven Sinne — traditioneller, bei Friedhofer dagegen — im ebenso positiven Sinne — deutlich moderner, kühler und damit strenger klingt. Sehr deutlich wird dies allein schon am sehr individuellen Umgang mit dem Marsch-Thema. Für den aufmerksamen Hörer gerät die CD damit zum faszinierenden Studienobjekt über zwei sehr unterschiedliche Stile, deren Nebeneinander trotzdem eine sehr stimmige und nicht auseinanderfallende Filmmusik ergibt.

Neben rund 35 Minuten Score in gutem Stereo-Sound, enthält die CD, neben einem beschädigten Stereo-Track, die noch erhaltenen Source-Cues (Gitarren- und Chor-Stücke) sowie eine rund 20-minütige Suite aus den erhalten gebliebenen Teilen des Mono-Mix. (Infolge eines Streiks der Studiomusiker im ersten Halbjahr 1958 erfolgten die Aufnahmen der orchestralen Teile in München mit dem Sinfonieorchester Graunke, das sich heute Münchner Sinfoniker nennt.)

Titel: The Bravados
Erschienen: 2001

Laufzeit: 69:34 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 4 No. 13

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 23.03.2002 | von Michael Boldhaus

Between Heaven and Hell/Soldier of Fortune

Between Heaven and Hell/Soldier of Fortune Michael Boldhaus
Bewertung

Weitere klingende Beispiele für Hugo Friedhofers eigenwilligen, modernen Kompositionsstil finden sich auf dem FSM-Album mit den Musiken zu Between Heaven and Hell • Feuertaufe (1956) und Soldier of Fortune • Treffpunkt Hongkong (1955).

Between Heaven and Hell ist ein — wenig überzeugender — Kriegsfilm, in dem Robert Wagner einen arroganten jungen Mann aus dem Süden verkörpert, der durch Kriegserlebnisse und Begegnung mit Menschen unterschiedlichster Couleur geläutert wird. Friedhofers herbe Musikuntermalung verwendet das mittelalterliche „Dies Irae“ als zentrales Leitmotiv — in Klassik und Filmmusik traditionell gleichbedeutend mit einem „drohenden Schicksal“. Wobei im Main Title „Military Percussions“ und kontrapunktische Bläserfiguren einen raffinierten Kontext und zugleich Kontrast bilden. Die eigenwilligen Effekte der Snare-Drums und auch der Bläser verweisen auf Jerry Goldsmith, Jerry Fielding sowie den Briten Benjamin Frankel. Mit den dissonant-harschen und sparsamen Klängen zu den Kriegsszenen kontrastiert ein Friedhofer-typisches „Love Theme“. Warm und lyrisch, beeinflusst von Aaron Coplands Americana-Stil, dabei jedoch deutlich weniger üppig und sentimental als Vergleichbares von Alfred Newman (z. B. das Josefa-Thema aus The Bravados). Die CD präsentiert die Musik zu Between Heaven and Hell vollständig: rund 40 Minuten in guter Tonqualität.

In Soldier of Fortune spielt Clark Gable einen zwielichtigen Geschäftsmann, der einer Amerikanerin hilft, ihren von den Rotchinesen gefangengenommenen Mann zu befreien und dabei ihre Liebe gewinnt. Ein auch heute noch ordentlich unterhaltender Film mit eindrucksvollen, exotischen Landschaftspanoramen in CinemaScope. Hier zeigt der Komponist sein Gespür für raffinierte fernöstliche Klangexotik und verweist zugleich auf Arbeiten von Jerry Goldsmith — wie The Sand Pebbles. Mit dem Magneton-Filmmaterial waren die Zeitläufe wenig gnädig: nur etwa 23 Minuten Musik konnten überhaupt gerettet werden. Die Tonqualität ist teilweise zwar deutlich blasser und verschwommener als bei Between Heaven and Hell, aber immer noch gut anhörbar.

Hugo Friedhofer, der insbesondere durch seine Arbeiten als Instrumentator bekannt geworden ist, erweist sich als den großen Komponisten Hollywoods nicht allein ebenbürtig. Er ist vielmehr richtungsweisend für die nachrückenden Komponistengenerationen in den 50er und 60er Jahren gewesen — wobei in diesem Punkt auch Franz Waxmans Einfluss (siehe auch Objective Burma und Mr. Skeffington) nicht vergessen werden darf. Friedhofers Bedeutung wird durch derartige CD-Veröffentlichungen verdeutlicht und unterstrichen — siehe auch Broken Arrow (1950). Diese FSM-CD firmiert als „Salut to Hugo“, ist eine Bereicherung der immer noch äußerst knappen Friedhofer-Diskografie und damit ein Juwel für jede filmmusikalische Kollektion, die das Golden Age wichtig nimmt.

Titel: Between Heaven and Hell/Soldier of Fortune
Erschienen: 2001

Laufzeit: 73:00 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 4 No. 9

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 23.03.2002 | von Michael Boldhaus

The Best of Everything

The Best of Everything Michael Boldhaus
Bewertung

Die Alben The Best of Everything • Alle meine Träume (1959) und A Man Called Peter • Ein Mann namens Peter (1955) bieten sortenreine Newman-Scores aus der frühen CinemaScope-Ära und damit aus der Schlussphase von Newmans Karriere bei 20th Century Fox. The Best of Everything ist ein heutzutage zweifellos patiniert wirkender Film über Beziehungsprobleme in einer „modernen“ Gesellschaft. Die Komposition ist Alfred Newmans letzte Arbeit als Chef des Musikdepartments der Fox und verdient wohl schon allein deshalb einen Nostalgie-Bonus. Newmans Musik enthält zwei schöne Themen, die handwerklich sehr solide verarbeitet sind.

Die in den späten 50er Jahren angesiedelte Filmhandlung verlangte zwangsläufig eine entsprechend zeitbezogene Tonsprache. Dementsprechend rücken eine Reihe der Stücke stark in die Nähe von Unterhaltungs- und Tanzmusik der Ära. Dabei fehlen auch Pop-Einflüsse nicht, wie der anhörbare, aber etwas antiquiert und schmalzig wirkende Titelsong belegt, der vom damals beliebten Johnny Mathis gesungen wird — der unaufhaltsame Niedergang der sinfonischen Hollywood-Tradition war bereits in vollem Gange und sollte sich wenige Jahre später noch dramatisch beschleunigen.

Insgesamt zählt Big Al’s letzte Komposition für Fox sicher nicht zu seinen großen, sondern eher zu den routinierten, aber dennoch ansprechenden Tonschöpfungen. Das üppig bestückte FSM-Album präsentiert sämtliches Material, das die gut erhaltenen Tonmaster hergegeben haben. Von grundsätzlich nachlassender Inspiration des Komponisten darf man hier aber nicht sprechen: Newmans herrliche Musik zu The Diary of Anne Frank entstand im selben Jahr und die exzellente epische Komposition zu How the West Was Won nur wenig später.

Titel: The Best of Everything
Erschienen: 2001

Laufzeit: 71:14 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 4 No. 11

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 23.03.2002 | von Michael Boldhaus

A Man Called Peter

A Man Called Peter Michael Boldhaus
Bewertung

A Man Called Peter ist die verfilmte Biografie des aus Schottland stammenden presbyterianischen Predigers Dr. Peter Marshall, der in Washington zu großen Ehren kam. Hier zeigt sich Alfred Newman ganz in seinem Element. Sein Thema für Peter ist warm und reflektiert reizvoll Einflüsse schottischer Folklore. Einige Stellen der Musik, zu Szenen, in denen Religiöses eine Rolle spielt, sind in bester Newman-Bibel-Epic-Tradition — wie in The Robe — untermalt: choralhaft und hymnisch gesteigert.

Neben dem Thema für Peter spielen ein schönes lyrisches Thema für „Catherine“ und das sogenannte „America Theme“ eine zentrale Rolle. Besagtes „America Theme“, eine warme und ausdruckstarke Melodie mit heroischem Unterton, entlehnte Newman aus seiner frühen Partitur zu Young Mr. Lincoln (1939) — und zitiert es auch zu Beginn des zweiten Teils von How the West Was Won. Insgesamt zählt die Musik zu A Man Called Peter zu den edlen Arbeiten des legendären Komponisten. Sie brilliert durch herrliche melodische Einfälle (eine der besonderen Stärken in Newmans Filmmusiken) und schöne und handwerklich geschickte Präsentation dieser Themen. Allerdings gehört diese Klangschöpfung nicht zum ganz Großen aus dem Œuvre des legendären Golden-Age-Maestros, da das Material nur ansatzweise raffiniert verarbeitet ist. Neben Newmans eigenwillig-originellem Arrangement des (gekürzten) Finalsatzes der 1. Sinfonie von Brahms, bietet die CD sämtliche Source-Musik des Films: Stücke für Orgel und Chorsätze — Score-Anteil etwa 40 Minuten. In der Regel sind bei den FSM-CDs die Source-Cues separat als Anhang zum Score untergebracht, hier sind diese filmchronologisch eingestreut. Wer reinen Newman hören möchte, muss daher programmieren.

Charakteristisch für die Kompositionen Alfred Newmans ist die ausgiebige Verwendung von Violinen in hoher und höchster Lage. Aus der Sicht heutiger Hörgewohnheiten wirkt der typische Newman-Sound daher mitunter nicht allein nostalgisch, sondern auch altmodisch und verkitscht. Dies sollte aber jüngere Hörer nicht vorschnell dazu verleiten, „Big Al“ (und Kollegen wie Max Steiner) als überholte und daher entbehrliche Relikte einer vergangenen Ära anzusehen, die besser „vom Winde verweht“ seien. Sicher, dies ist Musik einer anderen Zeit, zu Filmen, die ebenso deutlich anders wirken als heutige; aber nicht Ignorieren, sondern vielmehr Eingewöhnen ist hier angesagt. Dem Aufgeschlossenen werden sich dabei ebenso herrliche Klangwelten erschließen, wie sie (auf andere Art) auch in modernen Filmkompositionen zu finden sind. Er begegnet dabei nicht nur wirklich klangschönen, edlen musikalischen Schöpfungen, sondern erkennt dabei außerdem deren oft wichtige Vorbildfunktion für heutige Filmvertonungen.

FSM hat mit seinen edlen CD-Produktionen einen großen Anteil am hervorragenden filmmusikalischen Jahr 2001. Es ist schon erstklassig, mit welchem Engagement das Team um Lukas Kendall hier eine Vielzahl von klingenden Schätzen hebt und dem Sammler zugänglich macht. Diese mit liebevoll bebilderten und informativen Booklets ausgestatteten Alben sind sowohl reizvolle Hör- als auch Studienobjekte und daher trotz des hohen Import-Preises sehr empfehlenswert.

Titel: A Man Called Peter
Erschienen: 2001

Laufzeit: 58:14 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 4 No. 7

Komponist(en):

Schlagworte:


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