Between Heaven and Hell/Soldier of Fortune

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
22. März 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(5/6)

Weitere klingende Beispiele für Hugo Friedhofers eigenwilligen, modernen Kompositionsstil finden sich auf dem FSM-Album mit den Musiken zu Between Heaven and Hell • Feuertaufe (1956) und Soldier of Fortune • Treffpunkt Hongkong (1955).

Between Heaven and Hell ist ein — wenig überzeugender — Kriegsfilm, in dem Robert Wagner einen arroganten jungen Mann aus dem Süden verkörpert, der durch Kriegserlebnisse und Begegnung mit Menschen unterschiedlichster Couleur geläutert wird. Friedhofers herbe Musikuntermalung verwendet das mittelalterliche „Dies Irae“ als zentrales Leitmotiv — in Klassik und Filmmusik traditionell gleichbedeutend mit einem „drohenden Schicksal“. Wobei im Main Title „Military Percussions“ und kontrapunktische Bläserfiguren einen raffinierten Kontext und zugleich Kontrast bilden. Die eigenwilligen Effekte der Snare-Drums und auch der Bläser verweisen auf Jerry Goldsmith, Jerry Fielding sowie den Briten Benjamin Frankel. Mit den dissonant-harschen und sparsamen Klängen zu den Kriegsszenen kontrastiert ein Friedhofer-typisches „Love Theme“. Warm und lyrisch, beeinflusst von Aaron Coplands Americana-Stil, dabei jedoch deutlich weniger üppig und sentimental als Vergleichbares von Alfred Newman (z. B. das Josefa-Thema aus The Bravados). Die CD präsentiert die Musik zu Between Heaven and Hell vollständig: rund 40 Minuten in guter Tonqualität.

In Soldier of Fortune spielt Clark Gable einen zwielichtigen Geschäftsmann, der einer Amerikanerin hilft, ihren von den Rotchinesen gefangengenommenen Mann zu befreien und dabei ihre Liebe gewinnt. Ein auch heute noch ordentlich unterhaltender Film mit eindrucksvollen, exotischen Landschaftspanoramen in CinemaScope. Hier zeigt der Komponist sein Gespür für raffinierte fernöstliche Klangexotik und verweist zugleich auf Arbeiten von Jerry Goldsmith — wie The Sand Pebbles. Mit dem Magneton-Filmmaterial waren die Zeitläufe wenig gnädig: nur etwa 23 Minuten Musik konnten überhaupt gerettet werden. Die Tonqualität ist teilweise zwar deutlich blasser und verschwommener als bei Between Heaven and Hell, aber immer noch gut anhörbar.

Hugo Friedhofer, der insbesondere durch seine Arbeiten als Instrumentator bekannt geworden ist, erweist sich als den großen Komponisten Hollywoods nicht allein ebenbürtig. Er ist vielmehr richtungsweisend für die nachrückenden Komponistengenerationen in den 50er und 60er Jahren gewesen — wobei in diesem Punkt auch Franz Waxmans Einfluss (siehe auch Objective Burma und Mr. Skeffington) nicht vergessen werden darf. Friedhofers Bedeutung wird durch derartige CD-Veröffentlichungen verdeutlicht und unterstrichen — siehe auch Broken Arrow (1950). Diese FSM-CD firmiert als „Salut to Hugo“, ist eine Bereicherung der immer noch äußerst knappen Friedhofer-Diskografie und damit ein Juwel für jede filmmusikalische Kollektion, die das Golden Age wichtig nimmt.

Komponist*in:
Friedhofer, Hugo

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
73:00 Minuten
Sampler:
FSM
Kennung:
Vol. 4 No. 9

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