A Man Called Peter

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
22. März 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

A Man Called Peter ist die verfilmte Biografie des aus Schottland stammenden presbyterianischen Predigers Dr. Peter Marshall, der in Washington zu großen Ehren kam. Hier zeigt sich Alfred Newman ganz in seinem Element. Sein Thema für Peter ist warm und reflektiert reizvoll Einflüsse schottischer Folklore. Einige Stellen der Musik, zu Szenen, in denen Religiöses eine Rolle spielt, sind in bester Newman-Bibel-Epic-Tradition — wie in The Robe — untermalt: choralhaft und hymnisch gesteigert.

Neben dem Thema für Peter spielen ein schönes lyrisches Thema für „Catherine“ und das sogenannte „America Theme“ eine zentrale Rolle. Besagtes „America Theme“, eine warme und ausdruckstarke Melodie mit heroischem Unterton, entlehnte Newman aus seiner frühen Partitur zu Young Mr. Lincoln (1939) — und zitiert es auch zu Beginn des zweiten Teils von How the West Was Won. Insgesamt zählt die Musik zu A Man Called Peter zu den edlen Arbeiten des legendären Komponisten. Sie brilliert durch herrliche melodische Einfälle (eine der besonderen Stärken in Newmans Filmmusiken) und schöne und handwerklich geschickte Präsentation dieser Themen. Allerdings gehört diese Klangschöpfung nicht zum ganz Großen aus dem Œuvre des legendären Golden-Age-Maestros, da das Material nur ansatzweise raffiniert verarbeitet ist. Neben Newmans eigenwillig-originellem Arrangement des (gekürzten) Finalsatzes der 1. Sinfonie von Brahms, bietet die CD sämtliche Source-Musik des Films: Stücke für Orgel und Chorsätze — Score-Anteil etwa 40 Minuten. In der Regel sind bei den FSM-CDs die Source-Cues separat als Anhang zum Score untergebracht, hier sind diese filmchronologisch eingestreut. Wer reinen Newman hören möchte, muss daher programmieren.

Charakteristisch für die Kompositionen Alfred Newmans ist die ausgiebige Verwendung von Violinen in hoher und höchster Lage. Aus der Sicht heutiger Hörgewohnheiten wirkt der typische Newman-Sound daher mitunter nicht allein nostalgisch, sondern auch altmodisch und verkitscht. Dies sollte aber jüngere Hörer nicht vorschnell dazu verleiten, „Big Al“ (und Kollegen wie Max Steiner) als überholte und daher entbehrliche Relikte einer vergangenen Ära anzusehen, die besser „vom Winde verweht“ seien. Sicher, dies ist Musik einer anderen Zeit, zu Filmen, die ebenso deutlich anders wirken als heutige; aber nicht Ignorieren, sondern vielmehr Eingewöhnen ist hier angesagt. Dem Aufgeschlossenen werden sich dabei ebenso herrliche Klangwelten erschließen, wie sie (auf andere Art) auch in modernen Filmkompositionen zu finden sind. Er begegnet dabei nicht nur wirklich klangschönen, edlen musikalischen Schöpfungen, sondern erkennt dabei außerdem deren oft wichtige Vorbildfunktion für heutige Filmvertonungen.

FSM hat mit seinen edlen CD-Produktionen einen großen Anteil am hervorragenden filmmusikalischen Jahr 2001. Es ist schon erstklassig, mit welchem Engagement das Team um Lukas Kendall hier eine Vielzahl von klingenden Schätzen hebt und dem Sammler zugänglich macht. Diese mit liebevoll bebilderten und informativen Booklets ausgestatteten Alben sind sowohl reizvolle Hör- als auch Studienobjekte und daher trotz des hohen Import-Preises sehr empfehlenswert.

Komponist*in:
Newman, Alfred

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
58:14 Minuten
Sampler:
FSM
Kennung:
Vol. 4 No. 7

Weitere interessante Beiträge:

Glasunow: Sämtliche Solokonzerte

Glasunow: Sämtliche Solokonzerte

Glasunow: Sinfonie Nr. 5, The Seasons

Glasunow: Sinfonie Nr. 5, The Seasons

Ivan the Terrible

Ivan the Terrible

Jarhead

Jarhead