(T)Raumschiff Surprise – Periode 1 (Score)

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
17. September 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Zum Merchandising-Rummel des (T)Raumschiff(s) Surprise — Periode 1 gehören insgesamt 4 Tonträger! Zuerst zu dem erst kürzlich, rund vier Wochen nach Kinostart, veröffentlichten Wengenmayr-Score-Album. Wie bereits bei Der Schuh des Manitu hat der Komponist auch hier eine handwerklich tadellose, sehr unterhaltsame und lustig anhörbare musikalische Reise durch x-fache (film-)musikalische Stilismen erarbeitet — eine, die sich auch vor Musiken zu vergleichbaren Hollywood-Produktionen keinesfalls verstecken muss.

Da findet sich der auf Henry Mancini verweisende, typisch süßliche Sound-Schmelz mancher Blake-Edwards-Komödienmusik (Walzerhaftes inklusive) und ebenso wenig fehlt eine jazzig angehauchte Prise von Musical-Comedy à la The Pink Panther („Swingbereich“). Natürlich gibt’s (mehr als nur einmal) eine kräftige Prise augenzwinkernder Persiflage auf die Musiken zur Star-Wars-Trilogie von John Williams, abgeschmeckt mit einer Prise von Goldsmiths Star Trek (z. B. in „(T)Raumschiff Surprise“). Die heldenhaften Stilismen bzw. Klischees sämtlicher Space-Operas – auch von James Horner (z. B. Battle Beyond the Stars und Star Trek II) — bleiben ebenfalls nicht ausgespart. Desgleichen kommt Alan Silvestris Back To The Future (in „Das Zeit-Moped“) in den Sinn und natürlich wird das Gebotene immer wieder sehr hübsch mit (unverzichtbarem) Mickey-Mousing garniert. Und sehr witzig ist es, wenn der Chor der „Bösewichte“ das recht prägnante Jens-Maul-Thema im Sinne einer Star-Wars-Parodie (unüberhörbar) laienhaft intoniert („Rent A Spy“).

Aber das ist noch längst nicht alles. Die einfalls- und abwechslungsreiche musikalische Revue lässt darüber hinaus ausgeprägt cartoonhafte Musik-Standards, eine Referenz an Carl Stalling und Scott Bradley, aufblitzen („Das Zeit-Sofa“) und auch ein ironisch-witziger Hauch von Renaissance ist zu hören („Kampf im Mittelalter“). Elmer Bernsteins Western-Standards schimmern auf und „Spuckys Abschied“ setzt dem Ganzen mit einem Zitat des Jill-Themas aus Spiel mir das Lied vom Tod charmant die Krone auf.

Was dem Score vielleicht doch etwas abgeht, ist ein dem Ganzen (im Sinne eines Abenteuer-Scores) noch etwas mehr organischen Zusammenhalt gewährleistendes, prägendes, breiter angelegtes Hauptthema. Dies allerdings Ralf Wengenmayr negativ in Rechnung zu stellen, wäre unfair, ist doch der Film eine mit unterschiedlichsten Schauplätzen etwas zwanghaft bunt und damit überladen anmutende Aneinanderreihung tricktechnisch aufgemotzter Bully-Paraden-Gags in CinemaScope. Aber auch wem das Kinoevent letztlich vielleicht doch als etwas arg schräg im Gedächtnis bleiben — oder wer dieses sogar komplett (ver)meiden — wird, sollte dem Score-Album eine Chance geben. Die 31 Tracks ergeben nämlich — trotz ihrer zum Großteil recht knappen Spielzeit — ein insgesamt sehr ansprechendes und dazu sehr gut fließendes Höralbum. Die von Allan Wilson geleitete Einspielung mit dem Slowakischen Radio-Symphonie-Orchester Bratislava verdient sowohl beim Klang als auch bei der Interpretation das Prädikat „knackig“.

Damit bleibt wertungsmäßig für die CD ein recht luftiges Plätzchen mit guter Aussicht; eines, das in jedem Fall ein merkliches Stück oberhalb der „nur“ kleinen Empfehlung angesiedelt werden darf. Nach mehrmaligem Hören habe ich mich schließlich doch für die Spitze der Fahnenstange und damit für vier Sterne entschieden. Auch um meinerseits dem keinesfalls nur routiniert, sondern zweifellos liebevoll und geschickt gemachten reizenden musikalischen Pasticcio Reverenz zu erweisen. Der Komponist zeigt hier einiges an handwerklichem Können und damit ist der Name Ralf Wengenmayr einer, den sich die Produzenten hierzulande (mehr als nur) merken sollten.

Komponist*in:
Wengenmayr, Ralf

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
49:26 Minuten
Sampler:
Warner Music
Kennung:
RARE 2004005

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