Der Schuh des Manitu

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
16. Oktober 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Über den beeindruckenden kommerziellen Erfolg von Der Schuh des Manitu muss man sich wohl nicht noch einmal auslassen, und ob Michael „Bully“ Herbigs Western-Parodie zu Recht den Titel des erfolgreichsten deutschen Films aller Zeiten trägt, sei hier auch dahingestellt.

Positive Begleiterscheinung des ganzen Medien-Hypes und Werberummels um den Film ist sicherlich die separate Veröffentlichung der Original-Filmmusik, was leider gerade bei deutschen Filmen keine Selbstverständlichkeit ist.

Komponiert wurde die Musik von dem bisher eher in der Werbung (die meisten Mercedes-Spots wurden von ihm untermalt) und Fernsehen angesiedelten Ralf Wengenmayr, der den Score zusammen mit dem Philharmonischen Filmorchester München einspielte. Zu seinen weiteren Filmvertonungen gehören die doch eher fragwürdigen Komödien um Erkan & Stefan sowie Feuer, Eis und Dosenbier, die allerdings kaum als musikalische Visitenkarte dienen können.

Ganz anders die Musik zur Winnetou-Persiflage, deren Herkunft sie – ganz im Sinne des Erfinders – zu keiner Zeit abschüttelt. Die „Abahachi-Melodie“ (2. Titel), international wohl als Main Title zu bezeichnen, erinnert sehr deutlich an die alten Western-Melodien von Martin Böttcher (siehe hierzu auch das Karl May-Special), allerdings, bedingt durch die heutigen technischen Möglichkeiten, in schmissigerer, „aufgepeppter“ Form mit vollem Orchester, viel Blech und Schlagwerk. Diese Melodie dient auch als musikalischer Leitfaden für die gesamte Filmmusik: mal in melancholisch-schwelgender Weise (Track 28 „Rangers Erinnerungen“), mal in skurril-witziger Art (Track 13 „Das Ablenkungsmanöver“) oder auch nur als wehmütiges Mundharmonika-Solo. Die CD-Fassung des Hauptthemas ist übrigens auf der wenig später veröffentlichten DVD schon nicht mehr zu hören – Ergebnis eines Plagiatstreites mit Ralf Siegel, der sich um seine Vertonung eines Karl May-Musicals Mitte der 80er Jahre betrogen fühlte.

Raum für groß auskomponierte Passagen bietet die Handlung nicht, sowohl im Charakter als auch in der Konzeption ist die Musik noch am Ehesten mit Zeichentrick- bzw. Animationsvertonungen zu vergleichen; so findet man doch einige Ähnlichkeiten mit den sehr gelungenen Scores zu Shrek oder Chicken Run • Hennen rennen (beide von John Powell und Harry Gregson-Williams) – auch hier kann man ja teilweise nur von musikalischen Momentaufnahmen sprechen. Allerdings ist der in diesen Scores praktizierte vielseitige Mix aus verschiedensten Musikstilen beim „Schuh“ schwächer ausgeprägt – wohl auch durch den Filmstoff bedingt. Was die Wirkung im Film nicht unbedingt beeinträchtigt, schlägt sich in der finalen Bewertung nieder, da mit zunehmender Laufzeit doch etwas Monotonie spürbar wird.

Im Ganzen also eine recht witzige, abwechslungsreiche Filmmusik, die in ihrer Klasse mehr bietet als so manch einer vielleicht auf den ersten Blick vermutet und auch für überzeugte Zweifler der filmischen Vorlage anhörenswert sein dürfte. Infolge dessen spreche ich ihr auch etwas mehr als eine „kleine“ Empfehlung aus.

Ralf Wengenmayr ist zu attestieren, dass er sein Metier schon recht gut beherrscht und auf der ganzen Klaviatur der Gefühle – stets mit einem akustischen Augenzwinkern – ansprechend Gebrauch macht, wenngleich die Musik zu Der Schuh des Manitu mitunter recht nahe am Kitsch vorbeischrammt – aber auch das darf man wohl als beabsichtigt ansehen.

Kurz vor Schluss noch ein Wort zur Hörspiel-CD: Diese bietet neben den aus dem Film bekannten Kalauern und Gags noch einige Boni, so z. B. Schoschonisch für Anfänger (eine Art „Making of“ des im Film arg strapazierten Schoschonen-Dialekts) oder auch die in der Bully-Paraden-Anhängerschaft schon mit Kultstatus versehenen Songs aus dem Film („Superperforator“ oder „Lebkuchenherz“). Alles in allem eine witzige Comedy-CD, die auch diejenigen zum Lachen bringt, denen die Materie bisher eher fremd war. Insofern doch mehr als „nur“ ein gewöhnliches Filmsouvenir.

Komponist*in:
Wengenmayr, Ralf

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
47:16 Minuten
Sampler:
BMG
Kennung:
74321 88290 2

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