Rózsa: Violinkonzert/Cellokonzert etc.

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
17. Juli 2000
Abgelegt unter:
Klassik

Vor, während und im Anschluss an seine Hollywood-Karierre hat sich Miklós Rózsa fortwährend auch als Konzertkomponist gesehen, der musikalisch etwas mitzuteilen hatte. Im Rahmen dieses „Double Life“ — so auch der Titel von Rózsas Autobiografie — entstanden immerhin 38 „seriöse“ Werke mit Opuszahlen. Auf der vorliegenden Telarc-CD sind drei dieser Kompositionen vertreten: das Violinkonzert (1956) und das Cellokonzert (1968) sowie „Thema und Variationen für Violine, Cello und Orchester“ (1958).

Die eingängigste Schöpfung ist hier zweifellos das für den Geiger Jascha Heifetz komponierte Violinkonzert. Teile dieses überaus lyrisch-melodischen, mit einem ungarischen Touch versehenen und zutiefst romantischen Werks arbeitete der Komponist im Jahr 1970 für den Billy-Wilder-Film The Private Lives of Sherlock Holmes • Das Privatleben des Sherlock Holmes auf Wunsch des Regisseurs in Filmmusik um. Das für den Cellisten Janos Starker komponierte Cellokonzert ist dagegen über weite Strecken ein herbes, zuweilen von stählernen Rhythmen geprägtes Werk, das dem Solisten große technische Fertigkeiten abverlangt. Mit den Dmitri Schostakowitsch nahe stehenden schroffen Teilen kontrastieren gedämpfte lyrisch-impressionistisch gefärbte Passagen — diese Musik erfordert ein eingehenderes Einhören. Beim Schluss-Stück, „Thema und Variationen für Violine, Cello und Orchester“ Op. 29a (1958), handelt es sich um den überarbeiteten Mittelsatz der „Sinfonia Concertante“ Op. 29. Das folkloristisch geprägte Stück führt das Programm dieser CD zu einem wieder mehr romantisch orientierten, lyrisch eingängigen Finale.

Sowohl die Solisten (Robert McDuffie (Violine) und Lynn Harrell (Cello)) als auch das vorzüglich disponierte Atlanta Symphony Orchestra unter Yoel Levi bieten eine erstklassige Aufführung dieser seltener zu hörenden Musik. Die superbe Telarc-Aufnahmetechnik legt, im Gegensatz zu den (allerdings gekonnt) ein wenig auf Effekt getrimmten Erich-Kunzel-Filmmusik-Samplern, hier ausschließlich Wert auf eine transparent und natürlich klingende Reproduktion der Aufführung.

Fazit: Die beiden jeweils einer weitgehend vollständigen Filmkomposition (Madame Bovary und Story of Three Loves) gewidmeten beiden Ceraton-CDs sind empfehlenswerte Bereicherungen der Rózsa-Diskografie. Der zum 80. Geburtstag des Komponisten 1987 vorzüglich produzierte Colosseum-Sampler hingegen bietet seltene Suiten und Stücke aus verschiedenen filmmusikalischen Rózsa-Perlen — Für diesen gibt es eine extradicke Empfehlung. Den Spitzenplatz belegt die Telarc-CD mit den drei hervorragend aufgenommenen und virtuos interpretierten Solo-Konzertwerken; auch das herrliche lyrisch-romantische Violinkonzert ist enthalten.

Komponist*in:
Rózsa, Miklós

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
71:48 Minuten
Sampler:
Telarc
Kennung:
80518

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