Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
4. Oktober 2008
Abgelegt unter:
CD

Score

(2/6)

Kommentar zu Film und Filmmusik

Die Mumie jetzt also zum Dritten! Und wie es sich zu Olympia in Peking gehört, spielt der neue Film Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers nicht allein in China, er ist in Teilen auch dort produziert worden. Was geboten wird, muss man zwar nicht unbedingt gesehen haben, aber eindeutig besser als Regisseur Stephen Sommers’ nur noch krause Effekthascherei ohne Sinn und Verstand in Teil zwei der Reihe ist es allemal. Beim 1999 gestarteten Teil eins (ebenfalls von Sommers) handelt es sich übrigens um eine besonders drollige Action-Tour-de Force mit Charme, da diese eine reizvolle Zitatensammlung aus vergangenen Kinotagen im Gepäck hat — siehe hier.

Bei Teil drei der Mumien-Saga hat nun Rob Cohen (The Fast and the Furious) Regie geführt und zumindest ordentlich an Teil 1 angeknüpft. Die Story spielt nach dem zweiten Weltkrieg und das aus den Vorläuferfilmen bekannte Archäologenehepaar Rick und Evelyn O’Connell (Brendan Fraser und jetzt Maria Bello, ehedem Rachel Weisz) hat sich zur Ruhe gesetzt. Für eine letzte Mission ins krisengeschüttelte China werden die beiden reaktiviert. In Shanghai nimmt das Abenteuer seinen Ausgang, wobei — Indy Teil 4 lässt grüßen — auch gleich noch ein bislang unbekannter Junior aus dem Hut gezaubert wird. Dass der von Luke Ford verkörperte Filius sich altersmäßig vom Papa zuwenig absetzt, ist dabei allerdings schon etwas unglücklich geraten. Auch der aus den beiden Vorläuferfilmen geläufige, eher chaotisch-dösige Jonathan (John Hannah) darf natürlich nicht fehlen. Und wie der Zufall und das Drehbuch es wollen, betreibt dieser in Shanghai eine Bar.

Was nun folgt, ist eine zwar nicht übermäßig originelle, aber doch recht kurzweilig in Szene gesetzte Abenteuerstory. Klar! Logik und historische Korrektheit darf man in einem Konglomerat, in dem neben der weltberühmten Terrakotta-Armee und dem von Jet Li verkörperten dämonischen Drachenkaiser auch Yetis ihren Auftritt erhalten, gewiss nicht erwarten. Trotzdem! Wie im Verlauf mit Hilfe der Hexe Zi Juan (Michelle Yeoh) dem wiederbelebten Drachenkaiser, der eine Schreckensherrschaft zu errichten droht, die Suppe denn doch noch versalzen wird, das ist im Sinne einer visuell üppigen Popcorn-Unterhaltung schon durchaus ansehnlich geraten. Vor allem die Designer haben bei der Gestaltung des Spektakels einigen Einfallsreichtum bewiesen; und das ist es, was am Unterhaltungswert — vergleichbar mit Indy 4 — entscheidenden Anteil besitzt.

Wenn auch nicht in dem Maße wie im ersten Film, so gibt es doch auch im dritten Mumien-Leinwandabenteuer Verschiedenes, was man als Quasi-Zitat interpretieren kann: Da ist z. B. das fliegende dreiköpfige Drachenmonster, in welches sich der Drachenkaiser zwischendurch verwandelt, das (nicht nur) an die Mitte der 1950er in Japan ins Leben gerufenen Godzilla-Filme Ishiro Hondas erinnert. Am Schluss setzt der wieder erstarkte böse Kaiser die Terrakottasoldaten in Marsch. Bevor es diesen gelingt, die chinesische Mauer zu überschreiten und damit unbesiegbar zu werden, stellen sich ihnen rudelweise die Skelette der beim Bau derselben zu Tode Gekommenen in den Weg. Da fühlt man sich an Ray Harryhausens Spezialeffekte, ganz besonders in Jason und die Argonauten (1963, Musik: Bernard Herrmann) erinnert.

Und was gibt’s zur Musik von Randy Edelman (und anteilig John Debney) zu berichten? Nun, es gibt einiges fürs Geld. Diese Aussage bezieht sich erst einmal nur auf die mit knapp 80 Minuten großzügige Gesamtlaufzeit des Varèse-Albums. Randy Edelman ist in seinen bisherigen Filmvertonungen in erster Linie mit dem einen oder anderen ansprechenden melodischen Einfall, aber weder als begabter Musikdramatiker noch als Könner im Umgang mit einem Sinfonieorchester hervorgetreten. Zu seinen überzeugendsten Arbeiten zählt seine Musik zum US-Bürgerkriegsdrama Gettysburg (1993, Regie: Ronald F. Maxwell). Dass er mit seinem Themenmaterial regelmäßig die Kompositionen kaum zu gestalten versteht, setzt allerdings auch dieser, insgesamt noch recht kraftvollen und einigermaßen abwechslungsreichen Musik enge Grenzen.

In seiner Komposition zu Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers ist die ausgeprägte Simplizität der Themen besonders auffällig. Wobei besonders das Liebesthema in der Klavierversion (Track 5) seinen geradezu heruntergeklimperten Richard-Clayderman-Charme nicht leugnen kann. Das als Superman-Abklatsch gestaltete Heroen-Hauptthema wirkt auf seine Art schon etwas hausbacken und überholt. Als für einen Helden von gestern stehend kann man es als ironische Anspielung jedoch passieren lassen. Ohne die zugehörigen Bilder vermag diese Filmmusik ihre eklatanten Schwächen nicht zu verbergen. In Gänze gehört drohen die Durchhänger den Hörer kräftig zu ermüden. Zwar müssen die Umstände bei der Vertonung schon recht chaotisch gewesen sein: Für etwa 30 Minuten zusätzlich eingespielter Musik zeichnet John Debney verantwortlich. Ein Plus für Edelman bedeutet dies allerdings nicht wirklich. Die Themen sind zwar eingängig und das zu Hörende besitzt ein paar nette Passagen, wie das Scherzo in Track 15, es ist jedoch durchgängig frei von Raffinesse gefertigt. Außerdem erscheint alles an allzu vertrauten Vorlagen orientiert: So fühlt man sich partiell nachhaltig z. B. an den Ravel’schen Bolero (Track 18) oder auch an Danny Elfmans Sleepy Hollow (Track 7) erinnert. Über ein einfaches Zitieren seiner Themen kommt Edelman auch dieses Mal praktisch nicht hinaus. Die einfallsarmen, schlichtweg hämmernden Rhythmusostinati der Actionpassagen kommen noch lähmend hinzu und unterstreichen den sich bald unweigerlich einstellenden Eindruck vorherrschender Banalität im musikalischen Geschehen. Dass in der Rhythmik mitunter geZimmert wird, mag man noch akzeptieren, aber warum muss der Sound eines renommierten Klangkörpers, des laut Werbung 105-köpfigen London Symphony Orchestras, andauernd mit Synthie-Soße verkleistert werden? Offenbar konnten da die in Fülle beteiligten Orchestratoren auch keinen entscheidenden Pfiff hineinbringen. Recht nett anzuhören sind dafür einige der zwar operettenhaft klischierten, aber dennoch wirkungsvollen Chinoiserien.

Nun, damit ist unterm Strich die Bilanz des dritten Mumien-Scores zwar nicht gerade berauschend, aber auch nicht einfach vernichtend. Unbedingt haben muss man das Album gewiss nicht, aber besonders in individuell verknappter, gestraffter Suitenform und nicht zu häufig genossen (sonst droht rasche Abnutzung!) taugt das Ganze sicherlich als passables Souvenir zur Mumien-Kollektion im hauseigenen Keller — was noch etwas ausgeprägter für den Film gilt. Musikalisch eingängig, aber blass und sehr schlicht gemacht lautet hier also das Fazit. Wertungsmäßig kommen daher mehr als zwei volle Sterne nicht in Frage. Selbst nur ein halber darüber hinaus würde im Sinne einer möglichst stimmigen und differenzierten Betrachtung zum Problem. Ein voller Stern Abstand zu gewiss nicht großartigen, aber eindeutig inspirierter gestalteten Musiken, wie Fluch der Karibik 3, muss gewahrt bleiben.

Dieser Artikel ist Teil unseres Spezialprogramms zum 3. Oktober 2008.

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Komponist*in:
Edelman, Randy

Erschienen:
2008
Gesamtspielzeit:
77:46 Minuten
Sampler:
Varèse Sarabande
Kennung:
VSD-6916 (3969162)

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