Rangström: Complete Symphonies

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
31. Dezember 2003
Abgelegt unter:
Klassik

Ture Rangström: Complete Symphonies

Ein 3-CD-Pack des cpo-Labels vereint die zuvor bereits einzeln veröffentlichten Alben mit allen vier Sinfonien des Schweden Ture Rangström (1884-1947) in einem Schuber, der zum attraktiven Sonderpreis erhältlich ist.

Der schwedische Komponist entdeckte seine Liebe zur Musik relativ spät, erst als fast 20-Jähriger. Auf Anraten seines damaligen Musiklehrers gestaltete er seine Musik wilder und moderner. Er wurde daher nicht nur als „Sturm- und Drangström“ verspottet, sondern galt unter der jungen Komponistengeneration seinerzeit (um 1910) als einer, dem man beunruhigende Modernität und Unverständlichkeit nachsagte. Der große Vertreter der finnischen Musik Jean Sibelius beurteilte ihn jedoch positiv, hielt ihn für „Kopf und Schulter der schwedischen Komponisten“ und das, obwohl Ture Rangström nie eine Musikakademie besuchte, in der musikalischen Ausbildung weitgehend Autodidakt blieb.

Für heutige stärker dissonanzerprobte Ohren wirkt seine Musik kaum noch „beunruhigend modern“, eher als behutsam fortschrittlich orientiert, was im damals noch etwas provinziellen schwedischen Musikleben eben zwangsläufig anders beurteilt wurde.

Der Komponist zeigt sich in seinen Werken des Öfteren von Literaten beeinflusst. So in der 1. Sinfonie, die „August Strindberg in Memoriam“ untertitelt ist. Nicht nur in diesem Werk beweist er ausgeprägtes Gespür für wirkungsvolle neue Ideen, färbt typisch nordisch anmutende elegische Töne mit mitunter grellen Orchesterfarben zu einer im Resultat durchaus markanten und farbigen Musik mit eigener Handschrift. In jedem Fall sind seine Kompositionen aber auch reich an subtilen Nuancen. Hierfür stehen nicht ausschließlich der ebenfalls dem berühmten Dichter Strindberg gewidmete „Frühlingshymnus“ und die 3. Sinfonie „Lied unter den Sternen“. Beides sind Werke von betont sanft-lyrischem Ausdruck, wobei die Sinfonie einen Hauch von Seestimmung offeriert.

Auch die 2. Sinfonie, „Mein Land“, ist ebenso voller Naturlyrik, keinesfalls von nationalistisch-pathetischer Natur, wie der Titel vermuten lassen könnte. Fantasievolle Satzbezeichnungen wie „Das Märchen“, „Der Wald, Die Wellen“ sprechen da eine eindeutige Sprache.

Verhältnismäßig kühn wirkt das zur 4. Sinfonie ausgestaltete Orgelstück „Invocatio“. Eine von leuchtkräftigen Klangstrukturen und -schichtungen getragene Komposition, in der sich auch archaisierende Elemente des Barock finden. Ein auch durch manch ungewöhnliche Klangkombination von Orchester und Orgel besonders frisches und fesselndes Stück.

Das Symphonieorchester von Norrköping (SON) ist das schwedische Berufsorchester mit dem jüngsten Altersdurchschnitt seiner Mitglieder. Der renommierte Klangkörper interpretiert die Musik Rangströms unter dem Dirigat von Michail Jurowski frisch und zupackend. Die Tontechnik ist ebenfalls auf gewohnt vorzüglichem cpo-Niveau.

Komponist*in:
Rangström, Ture

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
170:34 Minuten
Sampler:
cpo
Kennung:
999 748-2 (3 CDs)
Zusatzinformationen:
Norrköping SO, M. Jurowski

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