Sunshine

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
7. Februar 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

István Szabó (Oberst Redl, Mephisto) schildert in seinem neuem Film Sunshine • Ein Hauch von Sonnenschein die wechselvolle Geschichte der ungarisch-jüdischen Familie Sonnenschein über drei Generationen: Mehr als hundert Jahre europäischer Geschichte umspannt das breit angelegte Familienepos. Die Filmstory beginnt 1840, als Ungarn noch nicht gleichberechtigter Teil des habsburgischen Imperiums war – die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn wurde erst 1867 gegründet – und entlässt den Zuschauer erst nach dem ungarischen Aufstand, etwa um 1960. Ralph Fiennes (bekannt aus Der englische Patient) verkörpert hervorragend alle drei männlichen Protagonisten in drei Generationen. Die Geschichte der Sonnenscheins ist nachhaltig von Anpassung an die herrschenden Verhältnisse geprägt: Ignatz der kaisertreue, pragmatische Jurist ändert den Familiennamen 1879 in „Sors“, und der unpolitische, naive Adam „tarnt“ das Jüdische noch mehr, indem er, um seine Sport-Karriere zu fördern, sogar zum Christentum konvertiert. Zwar gewinnt er bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die Goldmedaille, doch dann geht die Familie besonders schweren Zeiten und tragischen Schicksalsschlägen entgegen. Adam erkennt zu spät die heraufziehende Bedrohung und kommt mit seiner Familie in ein Arbeitslager. Dort muss sein Sohn Ivan die grausame Ermordung des Vaters quälend miterleben, worauf er sich nach der Befreiung zuerst den Kommunisten anschließt. Im Laufe der Jahre muss er aber deren Korruptheit erkennen, kämpft im ungarischen Aufstand 1956 gegen sie, nimmt nach seiner Freilassung wieder den jüdischen Namen „Sonnenschein“ an und erfüllt schließlich so die Botschaft des Filmes: Bleibe den eigenen Wurzeln treu.

Maurice Jarre hat zu diesem Filmepos zwar keine „Ungarische Rhapsodie“ komponiert, aber elegisch und etwas schwermütig klingt seine Komposition schon. Seine vollsinfonische, großorchestral angelegte Musik ist im Wesentlichen auf zwei Themen aufgebaut: Das eine stammt aus Franz Schuberts F-Moll-Klavier-Fantasie D 940 und ist mit seinem schlichten Biedermeiercharme vermutlich die klangliche Versinnbildlichung der anfangs noch heilen bürgerlichen Verhältnisse. Es erklingt zuerst als Klaviersolo, wird aber auch verschiedentlich vom Orchester aufgegriffen. Mit diesem Thema kontrastiert ein zweites von Jarre komponiertes (möglicherweise handelt es sich aber auch um ein ungarisches Volkslied), das hymnisch-pathetischen Charakter hat und wohl für das ungarisch-jüdische-Element der Sonnenscheins steht: Beide Themen haben durchaus „Ohrwurmqualitäten“ und bestimmen, interessant verknüpft und variiert, das musikalische Geschehen; daneben gibt es auch noch einen Jarre-typischen Kriegs-Marsch. Im Finale erklingen beide Hauptthemen nochmals in Originalgestalt, und abschließend steigert Jarre das „ungarisch-jüdische“ Thema durch Vokalsolo und Chor zum pathetischen Hymnus. Trotz kurzer Spielzeit ist auf der CD die fast vollständige Filmmusik wiedergegeben.

Fazit: Der inzwischen 76-jährige Altmeister hat hier eine durchaus schöne und auch gekonnt gemachte Filmmusik geliefert. Insgesamt ist das Ganze zwar eine eher „glatte“ Komposition, welche die Jarre-typischen pfiffigen Schroffheiten und Skurrilitäten im Klangidiom seiner hervorragenden Kompositionen, wie Night of the Generals • Die Nacht der Generale (1966) oder Ryan’s Daughter • Ryans Tochter (1967) vermissen lässt, aber in jedem Fall hörenswert ist. Wegen der schon genannten „Ohrwurmqualitäten“ dürfte die CD auch einem breiteren Publikum gefallen. Die Musik bleibt, wie auch die Alterswerke der Konkurrenten Goldsmith und Barry, insgesamt mehr auf dem (guten) Level äußerst solider, schön klingender Routine. Aber das ist ja auch einiges wert.

Komponist*in:
Jarre, Maurice

Erschienen:
1999
Gesamtspielzeit:
36:05 Minuten
Sampler:
Milan (BMG)
Kennung:
74321-72986-2

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