Green Fire / Bhowani Junction

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
18. Juni 2003
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

In Green Fire • Grünes Feuer (1954) geht es um die abenteuerliche Suche nach einer Smaragdmine in Kolumbien. Typisches 50er-Jahre-Kino für und mit dem Londoner Stewart Granger, dessen echter Name „James Stewart“ natürlich zwangsläufig geändert werden musste.

Der Film ist sicher nicht mehr als eine sehr solide, mit handwerklicher Präzision gefertigte Leinwandunterhaltung, die mit einigen guten Action-Passagen aufwartet. Ebenso für Miklós Rózsa eher ein Routine-Projekt, allerdings keinesfalls eines, das uninspiriert genannt werden kann. Das handwerkliche Niveau kann durchweg als prima bezeichnet werden. Der ungarische Maestro lieferte als Hauptthema einen mitreißenden melodischen Ohrwurm, der (eine Seltenheit im Œuvre) einem Trend der Zeit entsprechend, zum Song gestaltet worden ist. Diesem musikalischen (Halb-)Edelstein gewinnt er im Verlaufe des Scores (wie immer) einiges ab. Und in den Action-Momenten wird ebenso keineswegs auf Autopilot geschaltet, vielmehr gibt es pfiffig Auskomponiertes zu hören, das nicht allein die Handlung geschickt vorantreibt, sondern auch abseits der Filmbilder gute Wirkung entfaltet.

Unterm Strich ist Green Fire eine lyrische, aber zugleich kraftvolle Abenteuerfilmmusik, außerdem mit lateinamerikanischem Klangkolorit charmant angereichert. Das FSM-Album präsentiert den vollständigen Score, einen Anhang mit Bonus Tracks inklusive. Hier stechen zwar insbesondere die rein instrumental gehaltenen Alternativversionen des Main und End Titles hervor, aber auch die liebevoll im lateinamerikanischem Stil gehaltenen Source-Cues – ebenfalls aus Rózsas Feder stammend (siehe auch The Seventh Sin) – sind nicht zu verachten.

Bhowani Junction • Knotenpunkt Bhowani (1956) bietet ausschließlich – knapp 30 Minuten lang – einen Ausflug in speziell komponierte „Source-Music-Cues“, die der Komponist für ein auf ethnischen Instrumenten spielendes Ensemble komponiert hat. Eine Rózsa-typische dramatisch-sinfonisch gehaltene Untermalung fehlt also völlig. Wer mit den vergleichbar charmanten Stücken zu The Seventh Sin (1957) etwas anfangen kann, der dürfte auch hier angetan sein.

Während der aufwändig produzierte Film über ein insgesamt ordentliches Melodram, angesiedelt am Vorabend der indischen Unabhängigkeit, nicht hinauswächst, ist der Vertonungsansatz als recht modern zu bezeichnen. Der als reine Hintergrundmusik fungierende und damit auf authentische Atmosphäre abzielende Beitrag verleiht der Filmhandlung einen eher realistisch-dokumentarischen Touch. (Rózsa wird dem entsprechend in den Credits auch als Musical Supervisor und nicht als Composer bezeichnet.) Des Weiteren gibt es einige Swing-Stücke und auch das britische Traditional „Loch Lomond“, die sämtlich nicht von Rózsa betreut worden und deswegen auf der CD auch nicht vertreten sind.

Im Film ist die Musik allerdings nur in Teilen verwendet und außerdem im Kontext mit Geräuschen und Dialogen eher unauffällig abgemischt worden. Sie dürfte damit selbst den meisten, die den Film gesehen haben, kaum im Gedächtnis geblieben sein. Wie der Booklet-Text vermerkt, ist Bhowani Junction natürlich kein Ben-Hur, und wäre außer als Füller wohl kaum eigenständig auf Tonträger veröffentlichbar. Zusammen mit dem in Teilen von lateinamerikanischem Klangkolorit beeinflussten Green Fire ist es jedoch eine überaus reizvolle Zugabe. Überhaupt ist dies eine vorzüglich editierte und sehr sauber klingende Rózsa-CD – überwiegend in sehr sauberem Stereo-Sound. Sie überzeugt neben den musikalischen Qualitäten sowohl durch ein schön ausgestattetes und wie immer sehr informatives Booklet als auch durch eine Spieldauer von fast 80 Minuten. Eine wahrlich runde Angelegenheit, die in der Bewertung in erster Linie auf Green Fire fokussiert.

siehe auch Miklós Rózsa:

Tribute to a Bad Man und The World, the Flesh and the Devil
The Seventh Sin und The Green Berets

Originaltitel:
Grünes Feuer / Knotenpunkt Bhowani|Grünes Feuer / Knotenpunkt Bhowani

Komponist*in:
Rózsa, Miklós

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
79:20 Minuten
Sampler:
FSM
Kennung:
Vol. 6 No. 5

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