Franz Schreker: Symphonie a-Moll

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
9. Juni 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Franz Schreker: Symphonie a-moll und „Flammen“

Der seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wogende – heutzutage (fast) ausschließlich kopfschüttelnd zur Kenntnis genommene – Streit zwischen Brahmsianern und Wagnerianern bestimmte das Klima einer Zeit, in der eine junge Generation, der neben Franz Schreker, Alexander Zemlinsky und Arnold Schönberg angehörten, ihren Weg finden musste. Schreker, der 1912 der Gattung Oper mit „Der ferne Klang“ neue Impulse gegeben hatte, bekannte im Jahr 1918 gegenüber dem einflussreichen Kritiker und Musikschriftsteller Paul Bekker: „Ich verehre Brahms und liebe Bruckner“.

Wie tiefgreifend sich der Kompositionsstil Schrekers in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts veränderte, belegen zwei reizvolle CD-Produktionen, die nicht den rauschhaft-sinnlichen Klangerotiker von “Die Gezeichneten“präsentieren, sondern vielmehr den nahezu völlig unbekannten, noch tastenden jungen Komponisten vorstellen.

Die Capriccio-CD präsentiert hierzu den „Psalm 116“, der 1900 als Prüfungsstück zum Abschluss der Studien bei Robert Fuchs entstand, und die leider nur als dreisätziges Fragment vorliegende Sinfonie in a-moll für großes Orchester.

Ist der „Psalm 116“ in erster Linie eine als Examensarbeit anzusehende, gewollte (und auch geforderte) handwerklich tadellose Referenz an den Komponisten von „Ein deutsches Requiem“, Johannes Brahms, so zeigt sich die Sinfonie als an Schubert, Bruckner und Brahms anknüpfendes, zwar eindeutig nicht eigenständiges, aber sehr frisches Jugendwerk aus der Feder des 20-Jährigen.

Für das Melodram „Das Weib des Intaphernes“ gilt das zum Schillingsschen „Hexenlied“ Geschriebene. Es handelt sich um eine ausdrucksstarke, stark tonmalerische, ein wenig zwischen Oper und Filmmusik stehende sinfonische Dichtung mit eingebetteter Sprechstimme. Eine expressive Komposition, die – reich an Stimmungen – weniger herb angelegt ist, als die meisten anderen späteren Werke des Komponisten, in denen sich die Auseinandersetzung mit den stilistischen Tendenzen der unruhigen Zeit spiegeln. Das Melodram entstand 1932/33 als letzte vollendete Komposition; die Wiener Uraufführung im Juni 1934 hat Franz Schreker nicht mehr erlebt.

Die in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk Köln entstandenen Aufnahmen werden den Werken voll gerecht. Neben dem gut disponierten Kölner Rundfunkorchester agieren die anderen Mitwirkenden, der Kölner Rundfunkchor, Peter Dicke als Organist und der renommierte Gert Westphal als Sprecher tadellos. Ebenso wenig Anlass zur Kritik gibt das transparent und dynamisch eingefangene Klangbild.

Ebenso lädt der Opern-Erstling „Flammen“ zur Spurensuche ein. Das 1902 in einer eher provisorischen konzertanten Aufführung (allein mit Klavierbegleitung) ein einziges Mal (!) aufgeführte Stück verschwand anschließend in der Versenkung. Fast exakt 100 Jahre danach war das im Gestus sowohl Wagner als auch (insbesondere in den Chor-Teilen) Brahms nahe stehende Frühwerk in der Kieler Oper erstmals in der originalen Gestalt zu hören. Eine verspätete Uraufführung also, die den ursprünglichen Intentionen des Komponisten gerecht wird und Dank des verdienstvollen Engagements des cpo-Labels jetzt ebenfalls auf Tonträger zugänglich ist. Erst die nun vorliegende Originalversion mit voller Orchesterbesetzung (im Gegensatz zu der auf Quintett-Besetzung reduzierten Bearbeitung des PPP-Ensembles Wien aus den 80er Jahren) gestattet es, das Werk richtig einzuschätzen. Trotz der in Teilen noch sehr liedhaften Grundtendenz und der klaren Anbindung an die Tradition lässt der Erstling bei eingehender Betrachtung schon vieles vom später so charakteristischen musikdramatischen Konzept Schrekers vorausahnen – wobei das informative Begleitheft sehr hilfreich ist.

Originaltitel:
Franz Schreker: Symphonie a-Moll

Komponist*in:
Schreker, Franz

Erschienen:
1999
Gesamtspielzeit:
71:52 Minuten
Sampler:
Capriccio
Kennung:
10850
Zusatzinformationen:
Rundfunkorchester Köln, P. Gülke

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