Franz Schreker: Das Spielwerk und die Prinzessin

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
9. Juni 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Der jüngste Streich von cpo in Sachen Schreker ist die noch pressfrische „Das Spielwerk und die Prinzessin“. Dieses dritte Opernwerk des Komponisten erlebte bereits ein halbes Jahr nach der bejubelten Frankfurter Uraufführung von „Der ferne Klang“, am 15. März 1913, gleichzeitig in Frankfurt und in Wien seine Erstaufführung. Während in Frankfurt immerhin ein Achtungserfolg erreicht werden konnte, kam es an der Wiener Hofoper zu einem Skandal sondergleichen, wobei die Anti-Stimmung von einer Schreker-feindlichen Presse (angeführt von Julius Korngold, dem Vater von Erich W.) weiter angeheizt wurde. Franz Schreker berichtete emotionsgeladen an Schönberg. „[…] So was von Gehässigkeit und Wut, wie die Premiere meiner Oper hier erweckt, hätt’ ich nicht für möglich gehalten […] Diese Hunde müssen immer einen haben, an dem sie ihre Galle verschwenden können. […]“

Der Komponist nahm 1915/16 eine Überarbeitung vor, aus der eine auf einen Akt komprimierte Fassung, mit diversen Strichen unter dem Titel „Das Spielwerk“ resultierte. Wie bei „Flammen“ ist es auch hier das Verdienst des Dirigenten Ulrich Windfuhr, dass er für die Kieler Inszenierung die originale, musikalisch reichere Erstfassung von 1913 rekonstruieren ließ. Hier begegnet dem Entdeckungsfreudigen der ganze sinnliche Rausch der aufreizenden, farbenprächtigen Schrekerschen Musik. Die Oper ist jetzt übrigens erstmals überhaupt auf Tonträger zugänglich. Das komplex-sperrige, mit obskurer (teilweise erotischer) Symbolik überfrachtete Schrekersche Opernsujet sollte kein Hindernis sein, sich mit der herrlichen Musik auseinander zu setzen.

Wie auch bei „Flammen“ entstand die CD-Produktion von „Das Spielwerk und die Prinzessin“ als Live-Mittschnitt. In beiden Fällen gebühren sowohl dem engagiert aufspielenden Orchester, als auch seinem Dirigenten (ebenso dem Ensemble nebst Chor) gute Noten. Klangtechnisch ist es in beiden Fällen gelungen – trotz schwierigerer Bedingungen als bei einer Studioproduktion – die Musik in Form eines gut aufgefächerten Klangpanoramas einzufangen, bei dem die Singstimmen in einen unverdeckten, satten Orchesterklang sehr überzeugend eingebettet sind. Bei „Das Spielwerk und die Prinzessin“ belegen dies sehr gut einige der recht komplexen Klangschichtungen im zweiten Akt, bei dem sowohl Fernorchester, Bühnenensemble und Chor von CD prächtig erstrahlen.

Während sich bei „Flammen“ in einigen Teilen Bühnen- und Publikumsgeräusche doch etwas störend bemerkbar machen, ist die Aufnahme von “Das Spielwerk und die Prinzessin“ in diesem Punkt besser gelungen. Nun, der sehr gute Gesamteindruck wird durch diese Störungen bei „Flammen“ höchstens marginal beeinträchtigt. Auch das Textheft der Doppel-CD-Box zu „Das Spielwerk und die Prinzessin“ ist vorzüglich und wartet neben dem Libretto mit einem an Hintergründen und analytischen Infos reichen Text auf.

Es bleibt zu hoffen, dass anlässlich des bemerkenswerten Kieler Schreker-Zyklusses von Ulrich Windfuhr durch cpo auch weiterhin Opernraritäten für das Schreker-Repertoire auf Tonträger gehoben werden.

Originaltitel:
Franz Schreker: Das Spielwerk und die Prinzessin

Komponist*in:
Schreker, Franz

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
99:50 Minuten
Sampler:
cpo
Kennung:
999958-2 [2 CDs]
Zusatzinformationen:
PO Kiel, Ulrich Windfuhr

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