CD

Veröffentlicht am 27.04.2003 | von Michael Boldhaus

The Seventh Sin

The Seventh Sin Michael Boldhaus
Bewertung

The Seventh Sin • Hongkong war ihr Schicksal (1957) schildert Reifungsprozess und Läuterung einer anfangs oberflächlichen und untreuen Arztfrau (Eleanor Parker) während einer Cholera-Epidemie in Hongkong. Der hier zum zweiten Mal verfilmten Story liegt der aus dem Jahr 1925 stammende Roman „The Painted Veil“ (deutscher Titel „Der bunte Schleier“) von W. Somerset Maugham zugrunde. Was im Jahr der Buchveröffentlichung ein zweifellos dramatischer Stoff um zuvor kaum thematisierte Beziehungsprobleme der besseren Gesellschaft gewesen ist, lag im Jahr 1957 nicht gerade im Trend der Zeit, den eher Schlagworte wie „Rebellen, Jeans und Rock’n’Roll“ markierten. Der hierin zum Ausdruck kommende Generationenkonflikt spiegelt sich in Filmen wie Rebel without a Cause • Denn sie wissen nicht was sie tun (1955).

Für MGM war The Seventh Sin ein solides aber eindeutiges B-Film-Projekt, das zwar in CinemaScope gedreht, aber nur mit Mono-Lichtton in den Verleih kam – und das heutzutage teilweise soapig wirkt. Kurioserweise ist auch die Musik ursprünglich nicht im damals MGM-üblichen 3-Kanal-Stereo-Verfahren auf 35-mm-Magnetton-Film aufgezeichnet worden, sondern nur in Mono. Das für derartige Aufnahmen verwendete nur halb so breite, magnetisch beschichtete Filmmaterial weist merklich geringere Stabilität bei Langzeitlagerung auf. FSM hat alles getan, um das Bestmögliche herauszuholen und präsentiert den kompletten Score in fast durchgehend sehr sauber und klar klingendem Mono. Miklós Rózsas Filmmusik zu The Seventh Sin zählt nicht zu den großen Werken des legendären Maestros, belegt aber, wie sorgfältig und handwerklich tadellos selbst seine Arbeiten für kleinere Filmprojekte gemacht sind.

Nach einem asiatisch angehauchten kurzen fanfarenartigen Auftakt erklingt das kraftvoll-dramatische Hauptthema, welches dem aus Lust for Life (1956) verwandt ist, ihm steht ein romantisches zweites Thema gegenüber. Beide Themen erscheinen im Laufe der folgenden rund 40 Minuten in vielfach gewandelter und auch stimmungsmäßig stark veränderter Gestalt. Derart sauber auskomponierte thematische und auch motivische Arbeiten sind die Ingredienzien, die selbst die „schwächeren“ Arbeiten Miklós Rózsas auszeichnen.

Dem exotischen Ort der Filmhandlung zollt Rózsa auf zweierlei Art Tribut: Zum einen in Form des in die Partitur partiell eingearbeiteten asiatisch angehauchten Kolorits, zum anderen in speziell komponierter Hintergrundmusik für Szenen auf Straßen und Plätzen. So entstanden allein 7 Stücke Source Music für kleines, auf ethnischen Instrumenten spielendes Ensemble. Diese charmante Musik ist auf der CD als knapp 17-minütige Suite „Chinese Montage“ vertreten. Hier hätte es sich der Komponist zweifellos leichter machen können, z. B. auf Archivmaterial zurückgreifen oder überhaupt einen versierten Mitarbeiter des MGM Music Departments mit der Aufgabe „Chinese Source Music“ betrauen können. Dass er diese – nicht in unmittelbarem musikdramatischen Zusammenhang zu seiner Filmkomposition stehende – Musik nicht als zweitrangig ansah, zeigt eindeutig, wie ernsthaft Rózsa auch diesen Vertonungsauftrag für einen „nur“ B-Film genommen hat. Immerhin erfordert das Komponieren für ethnische Instrumente, dass sich der Komponist zuvor mit deren klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten eingehender auseinandersetzt – vergleichbare (jedoch aufwändigere) Studien zur Musik der Antike gingen dem Kolossalfilm Quo Vadis (1951) voraus und begründeten das, was der Filmliebhaber als „echt römischen Klang“ empfindet (Basisinformationen zu Miklós Rózsa in Madame Bovary etc.).

Dass der Komponist gelegentlich auch mal aufs eigene Œuvre zurückgriff und etwas Gelungenes recycelte, belegt der aus Story of Three Loves (1953) entliehene – hier als Hintergrundmusik dienende, in neuem Arrangement eingespielte – delikate Walzer (siehe hierzu auch Valley of the Kings und Tip on a Dead Jockey).

Wenn auch mittlerweile schon Standard, bleibt das liebevoll gestaltete Begleitheft doch erwähnenswert. Es enthält nicht allein eingehendere Infos zu Film und Musik, sondern sogar Detailliertes über die für Previews verwendete – aus Temp-Tracks bestehende – musikalische Untermalung. Etwas was seinerzeit – im Gegensatz zu heute – nur in Ausnahmefällen zur „Inspiration“ des Komponisten diente.

Titel: The Seventh Sin
Erschienen: 2002

Laufzeit: 59:26 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 5 No. 17

Komponist(en):

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CD

Veröffentlicht am 27.04.2003 | von Michael Boldhaus

The Green Berets

The Green Berets Michael Boldhaus
Bewertung

John Wayne, markanter Schauspieler und US-Western-Ikone (siehe auch John Ford), versuchte sich auch als Regisseur und Produzent; wobei mindestens zwei der von ihm realisierten Projekte eindeutig in die Kategorie „Politische Landschaftspflege“ gehören: Dies ist zum einen der heroisch-naive, ein geradezu lachhaftes Hohes Lied auf die Demokratie anstimmende The Alamo (1960) und der Amerikas Rolle als Weltpolizisten untermauernde, das US-Engagement in Vietnam vehement befürwortende The Green Berets • Die grünen Teufel (1967).

Waynes Film The Green Berets ist ein typisches Beispiel für eindeutige, allerdings geschickt ausgeführte Filmpropaganda. David Janssen – dem damaligen Fernsehpublikum als Dauerflüchtling Dr. Richard Kimble in der Endlos-TV-Serie Auf der Flucht bestens bekannt – verkörpert einen anfänglich kritischen und skeptischen Journalisten, dessen Anti-Argumente das Repertoire der Kriegsgegner geschickt widerspiegeln. Im Verlaufe der Handlung wird er eines Besseren belehrt, nämlich von der Niedertracht und Heimtücke der kommunistischen Vietkong überzeugt und entsprechend „geläutert“. Das Ganze ist keineswegs billig inszeniert, ja gerade die technisch perfekten – von Andrew Marton (Second Unit in Ben-Hur) inszenierten – Action-Sequenzen besitzen einigen Reiz. Unterm Strich ist der Film zwar ein Produkt für den Giftschrank, aber in seiner Geisteshaltung zugleich sehenswerter Wegbereiter für tendenziell vergleichbare Ausrutscher unserer Tage, wie We Were Soldiers und Black Hawk Down.

Miklós Rósza stand bereits seit 1962 nicht mehr bei MGM unter Vertrag, arbeitete als freischaffender Komponist in erster Linie für den Konzertsaal. Rózsa entging genauso wenig wie die meisten seiner ähnlich berühmten Golden-Age-Kollegen dem Trend der Zeit: ausgefeilte kinosinfonische Standards waren kaum noch gefragt, eher leichtgewichtige, den Schwerpunkt auf poppige Songs setzende Filmmusiken standen in Mode. Wohl ähnlich wie für Herrmann Joy in the Morning und wie für Dimitri Tiomkin 36 Hours dürfte für Rózsa The Green Berets kaum ein besonders bevorzugtes Vertonungsprojekt gewesen sein, sondern eher dem Wunsch entsprochen haben, überhaupt im Geschäft zu bleiben. Seit 1963 (nach The V.I.P.S.) hatte er keinen Film mehr vertont. Im Jahr der Green Berets entstand zwar noch die Musik für The Power, aber erst 1970 folgten The Private Lifes of Sherlock Holmes und weitere drei Jahre später The Golden Voyage of Sinbad (1973).

Waynes The Green Berets greift auf Robin Moores gleichnamiges 1965 erschienenes Buch zurück. Der in Vietnam verwundete Sanitätsfeldwebel Barry Sadler verarbeitete seine Erinnerungen zu einem schwülstig-patriotischen Marschlied „Ballad of the Green Berets“, das rasch zum Hit avancierte und auch hierzulande – in einer textlich entschärften Version – mit Freddy Quinn unter dem Titel „100 Mann und ein Befehl“ sehr bekannt wurde.

Augenscheinlich scheint Rózsa den von vornherein als Main Title festgelegten Hit-Song (für Chor arrangiert von Ken Darby) nicht geschätzt zu haben, ja seine Komposition ignoriert ihn geradezu. Dieser Umstand gerät der Musik nicht gerade zum Vorteil. überhaupt ist das Gebotene zwar eine sehr solide, aber keineswegs besonders inspirierte musikalische Untermalung. Der Film beginnt mit teilweise an eine Militärklamotte erinnernden Szenen. Dies reflektiert eine mickey-mousing-hafte Marschparodie, die ein wenig an Elmer Bernsteins The Great Escape • Gesprengte Ketten (1963) erinnert. Die gesamte Filmmusik prägen neben dem ironisch klingenden Marsch drei weiteren Themen: ein ebenfalls militärisch anmutendes für den kriegerischen Hintergrund, ein kindlich asiatisches für den vietnamesischen Jungen Hamchuck und ein dissonant-dunkles Thema für den (bösen) Vietkong. Auch hier gibt es – wie in The Seventh Sin – schön eingearbeitetes exotisch-asiatisches Klangkolorit, das allerdings im Vergleich zu Goldsmiths im fast zeitgleich entstandenen The Sand Pebbles (1967) doch etwas hausbacken, altväterlich und damit unzeitgemäß wirkt. Und in den Spannungsmomenten begegnen dem Hörer aus den Noir-Film-Vertonungen vertraute herb-dissonante, rhythmisch bewegte Standards.

Mit diesen Einschränkungen ist weder minderwertig oder gar schlecht gemeint. Nein, für das auch hier klar nachweisbare mehr als solide Handwerk (Themenverarbeitung und Variationstechnik) wären auch 3,5 Sterne vertretbar. Zur Schärfung des Kontrasts und im Interesse einer sinnvollen Differenzierung im Kanon der Rózsa-Filmmusiken, erscheinen mir die verliehenen drei Sterne jedoch stimmiger. Insgesamt zählt die Musik zu The Green Berets nämlich schon zu den „schwächsten“ Rózsa-Filmkompositionen überhaupt. Die Anschaffung der CD ist damit in erster Linie etwas für den Rózsa-Kenner und Liebhaber, aber kaum „wichtig“ für den Einsteiger.

Klanglich gibt’s nichts zu bemängeln: klarer, transparenter Stereo-Sound erfreut das Gehör. Die CD bietet dazu alles was die Tonmaster hergaben und enthält damit auch einige Musikteile, die im Film nicht verwendet worden sind. Das Booklet dieser Edition kommt aus lizenzrechtlichen Gründen zwar ohne Film-Bildmaterial daher, ist aber trotz des etwas spartanischen Outfits gewohnt informativ.

siehe auch Miklós Rózsa: Tribute to a Bad Man und The World, the Flesh and the Devil

Titel: The Green Berets
Erschienen: 2002

Laufzeit: 72:3 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 5 No. 14

Komponist(en):

Schlagworte:


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