Special

Veröffentlicht am 22.10.2002 | von Michael Boldhaus

Als der Löwe brüllte: Klingende Schätze aus dem MGM-Archiv, Teil 1

Mitunter vermag die Veröffentlichungspolitik deutscher Label sehr angenehm zu überraschen. So gingen im Oktober 2002 bei der (deutschen) Warner insgesamt 30 Titel aus dem MGM-Turner-Katalog neu an den Start. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Wiederveröffentlichungen aus dem Programm der 90er des bekannten US-Labels Rhino. Höchst erfreulich ist, dass die jetzt in Deutschland produzierten Titel nicht nur im „Midprice-Segment“ angesiedelt sind, und ebenso, dass sämtlich die erstklassigen Booklets der ehemaligen Hochpreisausgaben vollständig übernommen wurden. Es handelt sich also keineswegs um auf „preiswert abgespeckte“ lieblose CD-Editionen, sondern vielmehr um edle Schnäppchen zum Vorzugspreis für den interessierten Sammler.

MGM ist das Studio, dessen Name in besonderem Maße für prunk- und glanzvoll ausgestattete Filme der goldenen Kinoära steht. Neben Ausstattungsfilmen spielen in der Geschichte des Studios auch berühmte Filmmusicals wie Singin in the Rain eine bedeutende Rolle. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit den Veröffentlichungen, die den sinfonischen Schöpfungen von 1935 bis 1965 gewidmet sind – Titel aus dem umfangreichen CD-Revival in Sachen Film-Musical werden später vorgestellt.


CD

Veröffentlicht am 22.10.2002 | von Michael Boldhaus

Gone with the Wind

Gone with the Wind Michael Boldhaus
Bewertung

Mancher Sammler dürfte von Rhinos Doppel-CD-Edition aus 1996 zu der Musik Max Steiners zu Gone with the Wind • Vom Winde verweht zumindest schon gelesen haben. Der Film zählt zu den beliebtesten aller Zeiten und die Musik ist dem entsprechend berühmt. (Als David-O.-Selznick-International-Produktion ist Vom Winde verweht zwar kein waschechter MGM-Film, wurde aber immer über MGM verliehen.)

Die Doppel-CD-Edition bietet in einer „doppelstöckigen“ CD-Box (im Hochformat) neben einem 50-seitigen (!), luxuriös ausgestatteten Booklet (ebenfalls im Hochformat) auf zwei untereinander platzierten CDs rund 150 Minuten Musik der Originaleinspielung. Für die Freunde des Golden Age bleibt diese Luxusausgabe sicherlich nach wie vor ein ganz besonderer Leckerbissen, aber auch die erstmals hierzulande verfügbare, auf nur eine CD verschlankte zweite Ausgabe von 1997 ist keinesfalls zu verachten. Die rund 77 Albumminuten bieten einen wirklich repräsentativen Querschnitt durch Max Steiners bekannteste romantisch-sinnliche Filmmusik, deren berühmteste Melodie, das Tara-Thema, wohl jeder schon gehört haben dürfte.

Charles Gerhardt legte im Jahr 1974 im Rahmen seiner „Classic Film Score Series“ eine knapp 44-minütige gut kompilierte Suite aus der Musik zu Vom Winde verweht vor, die Steiners üppig-melodischer und reichhaltiger Partitur weitgehend gerecht wird, aber doch einige interessante Abschnitte vermissen ließ, z. B. die auch musikalisch furiose Flucht aus dem brennenden Atlanta oder die den zweiten Teil eröffnende Schlachtmontage, in der der Wind tonmalerisch eindrucksvoll hörbar „verweht“. Dies und mehr ist auf der vorliegenden Einzel-CD vertreten und macht diese längere Zusammenstellung damit zur nicht nur gut fließenden, sondern auch zur insgesamt sehr befriedigenden (Hör-)Angelegenheit. Viele Filmmusikfreunde dürften hiermit mehr als nur „ausreichend“ bedient sein. Der Mono-Sound kann sich hören lassen: Die alten Lichttonmaster klingen fast durchweg erstaunlich frisch und transparent. Das (immerhin) 15-seitige Booklet, mit informativen Texten von Rudy Behlmer zum Komponisten und zur Musik und außerdem mit schönem farbigen Bildmaterial (der restaurierten 1999er Fassung) versehen, unterstreicht den edlen Eindruck dieser Veröffentlichung.

Titel: Gone with the Wind
Erschienen: 2002

Laufzeit: 76:57 Minuten

Medium: CD
Label: Warner (wea)
Kennung: 8122-72822-2

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 22.10.2002 | von Michael Boldhaus

The Lion’s Roar: Classic M-G-M Film Scores 1935-1965

The Lion’s Roar: Classic M-G-M Film Scores 1935-1965 Michael Boldhaus
Bewertung

„No Singing“, „No Dancing“ sind sie Schlagworte eines eindrucksvollen (Hör-)einblicks in 30 Jahre Kinosinfonik und zugleich Filmmusikgeschichte bei MGM (von 1935 bis 1965), den die Doppel-CD-Box bietet, die in den USA erstmalig 1999 erschien. Die beiden randvoll bestückten CDs präsentieren Musikauszüge aus rund 40 Filmen, wobei neben beiden Versionen von Mutiny on the Bounty (1935, 1962 mit den Komponisten: Herbert Stothart bzw. Bronislaw Kaper) z. B. The Philadelphia Story und Cimarron (1940, 1960 beide Musiken: Franz Waxman), The Prisoner of Zenda (1952, Komponist: Alfred Newman), Bad Day at Black Rock und The Subterraneans (1955, 1960 beide Musiken: André Previn) bis Doctor Zhivago (1965, Maurice Jarre) anzutreffen sind. Daneben gibt es weitere bekannte Namen wie Jerry Goldsmith (The Prize, A Patch of Blue), natürlich Miklós Rózsa (Madame Bovary, Ben-Hur) und auch John Green, mit einem Auszug aus Raintree County – MGMs Antwort auf Selznicks Gone with the Wind –, aber auch die zweite Generation ist nachhaltig vertreten, mit z. B. Elmer Bernstein (Some Came Running), Henri Mancini (Bachelor of Paradise) und Lalo Schifrin (The Cincinnatti Kid).

Neben denen von Miklós Rózsa, Alfred Newman und Franz Waxman finden sich Arbeiten von heutzutage fast durchweg weniger groß klingenden und nahezu unbekannten Komponisten, die bei MGM in jenen Jahren ambitioniert arbeiteten – wie Herbert Stothart, William Axt, Edward Ward und George Bassman. Von Herbert Stothart, Pionier und langjährigem Leiter des Music Departments, sind gar zwei echte Schätze vertreten: die reizvolle, fernöstlich-exotische Musik aus The Good Earth (1937) sowie eine reizende 11-minütige Suite aus dem charmanten, weltberühmten Musical-Klassiker The Wizard of Oz (1939). Beide von inspirierter Melodik geprägte Musiken werden übrigens, trotz ihres Alters, in technisch sauberer Klangqualität präsentiert und überraschen darüber hinaus durch stereophone Kanaltrennung – was durch (schon damals) mit mehreren Mikrofonen (also quasi-mehrkanalig) erfolgte Mono-Aufnahme und schließlich (heutige) moderne Abmischung ermöglicht wird. (Interessanterweise erhielt in jenem Jahr Herbert Stothart den musikalischen Oscar und nicht Max Steiner für Vom Winde verweht.) Sehr ansprechend ist auch der Ausschnitt aus George Cukors The Women (1940), für den Edward Ward eine ein wenig nach Gershwin klingende frech spritzige Komödienmusik, teilweise mit originellen Mickey-Mousing-Effekten versehen, schrieb.

Mag manch einem das Gebotene auf den ersten Blick doch ein wenig als ein zwar gut fließender und unterhaltsamer, aber letztlich doch musikalischer Flickenteppich erscheinen; spätestens beim Studium des herrlichen rund 50-seitigen, liebevoll gestalteten Booklets, wird daraus eine aufschlussreiche musikalische Reise durch das MGM-Archiv, bei der es sogar manche Perle zu entdecken gibt, die Lust auf mehr macht …

Titel: The Lion’s Roar: Classic M-G-M Film Scores 1935-1965
Erschienen: 2002

Laufzeit: CD-1 78:37 Min.; CD-2 78:35 Minuten

Medium: Sampler
Label: Warner (wea)
Kennung: 8122-75701-2

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 22.10.2002 | von Michael Boldhaus

Miklós Rózsa at M-G-M

Miklós Rózsa at M-G-M Michael Boldhaus
Bewertung

Bereits der Albumtitel „Miklós Rózsa at M-G-M“ hat Magie im Gepäck und lässt die Erwartungen in die Höhe schnellen. Immerhin steht der Name des großen ungarischen Komponisten für 35 – zwischen 1949 und 1968 – vertonte Filme, die überwiegend unauslöschlich mit der Geschichte des Studios verknüpft sind. Und auch hier präsentiert sich ein liebevoll editiertes Doppel-CD-Album, das eine musikalische Begegnung mit nicht zu knappen soliden Suiten aus 13 Rózsa-Scores ermöglicht. Neben Material aus einigen der berühmten historisierend angelegten Kompositionen (zu Ivanhoe, Knights of the Round Table, Diane, The King’s Thief und King of Kings) sind Kostümfilme wie Beau Brummel, Moonfleet und Madame Bovary, aber auch die berühmte Vincent-Van-Gogh-Biografie Lust for Life und ebenso seine einzige Western-Vertonung Tribute to a Bad Man vertreten. Aus den zur Kategorie „saubere Routine“ zählenden Produktionen finden sich die keinesfalls flauen Musiken zu den Abenteuerfilmen Valley of the Kings und Green Fire neben der zum postapokalyptischen Filmdrama The World, The Flesh and the Devil.

Insgesamt ein schöner und durchweg sehr gut klingender musikalischer Querschnitt durch das MGM-Œuvre des berühmten Komponisten. Auch hier hat das informative Booklet einen entsprechenden Anteil an der überzeugenden Wirkung des Gebotenen. Als preisgünstiger Schnupper-Sampler sicher besonders interessant für den Rózsa-Einsteiger; aber die Tatsache, dass mehrere der vertretenen Filmmusiken bislang noch nicht anderweitig in längerer Fassung erschienen sind, macht die Box ebenso für die bereits gut bestückte Rózsa-Kollektion begehrenswert.

Titel: Miklós Rózsa at M-G-M
Erschienen: 2002

Laufzeit: CD-1 78:15 Min.; CD-2 78:26 Minuten

Medium: Sampler
Label: Warner (wea)
Kennung: 8122-75723-2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 22.10.2002 | von Michael Boldhaus

How the West Was Won

How the West Was Won Michael Boldhaus
Bewertung

Neben The Wonderful World of the Brothers Grimm • Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm (1961) blieb How the West Was Won • Das war der wilde Westen (1962) MGMs einziger Ausflug in die aufwändige mit drei Filmstreifen operierende Cinerama-Technik für Breitwandproduktionen. Ebenso sind dies die beiden einzigen Cinerama-Filme mit Spielhandlung. Der mittlerweile unzählige Male im Fernsehen gezeigte Film ist partiell bildgewaltig, die in Einzelepisoden gegliederte Story, welche die Eroberung des Westens – im Zeitraum von ca. 1830 bis 1890 – mit dem Schicksal mehrerer Generationen einer Familie verknüpft, ist jedoch eher klischeehaft und blass. Alfred Newmans Filmmusik zählt allerdings zum Schönsten, was das Filmgenre Western zu bieten hat und sollte in keiner CD-Kollektion fehlen.

Alfred Newman hatte in jenen Tagen bereits seine langjährige Zusammenarbeit mit 20th Century Fox aufgekündigt und arbeitete als Freelancer. Für How the West Was Won schuf er seine letzte große Abenteuerfilmmusik, für die er u. a. ein typisches und prägendes Marschthema beisteuerte, das dem zu The Bravados (Hugo Friedhofer) verwandt ist und das sich im Verlauf des Scores in Form äußerst vielfältiger Variationen widerspiegelt und dabei ebenso mannigfaltige Stimmungen durchläuft. Unterm Strich ist die Musik eine Mischung Newman-eigener Themen, die kunstvoll sinfonisch verarbeitet werden, und einer Reihe von speziell für den Film arrangierter Folksongs. Wobei die vokalen und choralen Arrangements Ken Darby ausführte, ein bekannter Chorleiter, Arrangeur, Songtexter und auch Dirigent jener Tage, der schon bei der Fox mit Newman zusammengearbeitet hatte, z. B. bei den berühmten Film-Musicals The King and I und South Pacific.

Hört man die knapp 140 Minuten Musik (inklusive rund 20 Minuten im angehängten Supplement vetretener Outtakes) des CD-Doppelalbums, so ragen insbesondere die von Alfred Newmans sinfonischer Musik geprägten Teile heraus. Die arrangierten folkloristisch-vokalen Teile hingegen sind zwar durchweg gut bis sehr gut gearbeitet, verwässern in Gänze den Gesamteindruck aber doch ein wenig. Dies schmälert den Wert der Doppel-CD-Edition jedoch keineswegs, bringt diese doch erstmals die originale Filmmusikeinspielung zu Gehör – beim seinerzeit veröffentlichten LP-Album handelt es sich nur um eine nachgespielte stark komprimierte Auswahl, dazu noch mit einem unglücklicherweise gekürzten Main Title.

Auch hier bietet das edel aufgemachte, umfangreiche Booklet solide Hintergrundinfos zu Film und Musik. Und ebenso besticht der zweikanalige Stereo-Sound, der von den für Cinerama-Filme produzierten 7-kanaligen Stereomastern gemixt worden ist, durch Klarheit, Transparenz und Fülle.

Titel: How the West Was Won
Erschienen: 2002

Laufzeit: CD-1 70:42 Min.; CD-2 68:12 Minuten

Medium: CD
Label: Warner (wea)
Kennung: 8122-72458-2

Komponist(en):

Schlagworte:


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