Special

Veröffentlicht am 22.05.2000 | von Michael Boldhaus

Klassische Britische Filmmusik

(Folge 1)

Interessante akustische Einblicke in klassische Filmkompositionen des guten alten Europa bietet eine Reihe von Veröffentlichungen des Chandos-Labels (KOCH-International). Die kürzlich erschienene CD mit Filmmusik-Suiten von Alan Rawsthorne habe ich zum Anlass genommen, auch die übrigen Titel dieser verdienstvollen Reihe vorzustellen – über die dem Franzosen [url id=0000]George Auric[/url] gewidmete Filmmusik-CD der Reihe habe ich bereits vor knapp sechs Monaten berichtet. Der folgende Artikel widmet sich somit drei der großen Komponisten-Veteranen des britischen Kinos: Malcolm Arnold (geboren 1921), William Alwyn (1905-1985) und Alan Rawsthorne (1905-1971). Die drei gehören nicht nur zu den Klassikern der britischen Filmmusik, sondern sind ausnahmslos solide ausgebildete „seriöse“ Komponisten und selbstverständlich auch für den Konzertsaal sowie teilweise für das Theater tätig gewesen, wobei in Großbritannien die Grenzen zwischen den musikalischen Genres traditionell fließender sind. Starre Klassifizierungen in U- und E-Musik sind dort wie auch in den USA weniger ausgeprägt als im deutschsprachigen Raum. Dies zeigt sich in der zwischenzeitlich auch hierzulande nicht mehr völlig unbekannten speziell-britischen Tradition der Promenadenkonzerte (Proms). Für diese werden eingängige, aber nicht banale Orchester-Stücke (die „British Light Music“) auch von den ernsthaftesten Vertretern der britischen Musik komponiert – selbst der große Sir Edward Elgar war sich dafür nicht zu schade.

In der Musik der drei britischen Komponisten paaren sich großes handwerkliches Können mit Klarheit in der Form und einer großen Verbundenheit mit der sinfonischen Tradition. So bleiben die Kompositionen auch in hohem Maß zugänglich und erschließen sich dem interessierten Hörer relativ leicht. Sämtliche der vorliegenden Einspielungen sind sowohl aufnahmetechnisch als auch interpretatorisch tadellos. Außerdem ist erfreulicherweise bei den informativ und geschmackvoll gestalteten mehrsprachig gehaltenen Chandos-Booklets immer auch ein deutscher Text aufgenommen.


CD

Veröffentlicht am 22.05.2000 | von Michael Boldhaus

English Dances 27 & 53

English Dances 27 & 53 Michael Boldhaus
Bewertung

Der 1921 geborene Malcolm Arnold ist nicht nur der letzte lebende Veteran, seine Musik ist auch für weniger geübte Hörer als Einstieg in dieses interessante filmmusikalische Kapitel besonders geeignet. Sein Name dürfte auch hierzulande manchem (nicht ausschließlich) Filmmusikfreund über die Musik zum David-Lean-Filmklassiker The Bridge on the River Kwai • Die Brücke am Kwai (1959) ein Begriff sein. Kurioserweise handelt es sich gerade beim berühmten „River-Kwai-Marsch“ um ein von Kenneth Alford 1914 komponiertes Stück, welches der Komponist in seine Partitur implantiert hat. Das sinfonische Idiom Arnolds ist sehr vielseitig. Er selbst führt besonders Berlioz, Sibelius und Mahler als einflussbestimmend an. Arnolds Musik wirkt häufig tänzerisch und ist zumeist sehr melodisch, im gelegentlich grotesken Ausdruck erinnert sie auch ein wenig an den jungen Schostakowitsch.

Wie bei Mahler findet sich in seinen Werken auch populäre Musik wieder: Der öfter erhobene Vorwurf der Oberflächlichkeit lässt sich bei eingehender Hör-Betrachtung sicher nicht aufrecht erhalten. Sowohl die Konzert- als auch die Filmkompositionen haben meist dramatische Untertöne. Zweifelsohne scheute sich Arnold nicht, Stile zu adaptieren und auch Klischees zu verwenden, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Die Resultate sind in der Regel überzeugend. Dies spiegelt sich besonders leicht nachvollziehbar in den in den fünfziger und sechziger Jahren entstandenen, sehr eingängigen Zyklen englischer-, irischer-, schottischer- und cornischer Tänze wieder. Diese hat der Komponist im Stil folkloristischer Tänze der jeweiligen Regionen komponiert, ohne allerdings Original-Material direkt zu verarbeiten. Insofern kann man hier von gekonnten sinfonischen „Nachschöpfungen im Volkston“ sprechen, deren raffinierte, farbige Instrumentierung und herrliche Melodik unmittelbar ins Ohr gehen. Neben gekonntem orchestralen Schmiss und Witz gibt es aber auch besinnliche und leicht melancholische Momente. Das von Harfenfiguren umspielte sanfte Flötenthema des zweiten der Schottischen Tänze Opus 59 wird so zu einer romantischen Liebeserklärung an die Hebriden; der zweite der Cornischen Tänze klingt dagegen fast wie Musik zu einer unheimlichen Filmszene bei Mondschein. Das Philharmonia Orchestra wird in diesen Aufnahmen von Bryden Thompson geleitet.

Titel: English Dances 27 & 53
Erschienen: 1992

Laufzeit: 60 Minuten

Medium: CD
Label: Chandos
Kennung: CHAN 8867

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 22.05.2000 | von Michael Boldhaus

The Film Music of Malcolm Arnold, Vol. 1

The Film Music of Malcolm Arnold, Vol. 1 Michael Boldhaus
Bewertung

Einen Einblick in die filmmusikalischen Arbeiten Malcolm Arnolds bietet die vom London Symphony Orchestra unter Richard Hickox vorbildlich realisierte Produktion. Mit rund 78 Minuten Spieldauer bietet die CD dazu einen guten Gegenwert für’s Geld. Die zum Teil in kleine Fragmente zergliederten Originalpartituren wurden noch vom legendären Christopher Palmer in Suitenform arrangiert. Hier ist neben Sinn für Dramatik und eingängige Melodik das ausgeprägte Gespür für Instrumentenfarben und -effekte des Komponisten heraushörbar.

1511Mit 29 Minuten ist die Suite aus der Filmmusik zur Brücke am Kwai auch die längste dieser Kompilation. Natürlich gibt es auch den berühmten (nicht Arnoldschen) River-Kwai-Marsch, „Colonel Bogey“, und auch den von Arnold komponierten zu hören. Beide Märsche bilden im Film übrigens einen musikalischen Kontrapunkt, ein Effekt der aus Copyright-Gründen in der Neueinspielung nicht wiedergegeben werden konnte. Wichtiger und packender sind aber die dramatischen Musikfragmente, die Christopher Palmer überzeugend zusammengefügt hat. Ein musikalischer Höhepunkt ist „Sunset“, ein Ruhepunkt in der Filmhandlung – die fertige Brücke wird in der Abendsonne von Colonel Nicholson (Alec Guiness) letztmalig vor der Einweihung begutachtet. Dem Komponisten ist hier eines seiner schönsten, träumerischen Stimmungsbilder gelungen. Neben Dramatik enthält die Partitur auch sehr dezent eingewobene klangliche Exotismen, die allein mit westlichem Instrumentarium realisiert werden und damit ein wenig an Herrmanns Filmmusik zu Anna and the King of Siam • Anna und der König von Siam (1946) erinnern. Malcolm Arnold erhielt für diese dritte und letzte Arbeit für einen David-Lean-Film einen Oscar.

Whistle Down the Wind • …woher der Wind weht (1961) ist eine reizvolle Musik für kleineres Ensemble, die kindliche Emotionen einfühlsam widerspiegelt. In David Leans Fliegerfilm The Sound Barrier (1952) schuf Arnold durch raffinierten Einsatz von Piccoloflöten nicht nur einen überzeugenden musikalischen Reflex für das Durchbrechen der „Schallmauer“, sondern zugleich eine Art von „Spitfire-Ballett“. Ebenfalls für Lean entstand Hobson’s Choice • Herr im Haus bin ich (1952), eine Komödie um einen Schuhfabrikanten, deren Musik neben Mickey-Mousing-Effekten (z. B. der Tuba) unter anderem ein reizvolles „Shoe Ballett“ mit Celesta und Triangel bietet. Die kinderliedartige Melodie erinnert an das Spielzeugballett aus Disneys Pinocchio (1940). In The Inn of the Sixth Happiness • Die Herberge zur 6. Glückseligkeit (1958) gibt es schließlich noch einen Hauch von Hollywood. In diesem Film um ein von Ingrid Bergmann gespieltes Londoner Dienstmädchen, das sich im ersten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts entschließt als Missionarin nach China zu gehen, zieht der Komponist nochmals alle Register der großen Orchesterorgel und lässt den verwendeten Klangkörper in vollstem Glanz erstrahlen. Eine Reihe schöner Melodien und auch dramatischer Momente führen zu einem glanzvollen optimistischen Finale, in welchem das bekannte Kinderlied „This Old Mann“ eine wichtige Rolle spielt. Arnold erhielt für diese Musik den Ivor-Novello-Preis.

Titel: The Film Music of Malcolm Arnold, Vol. 1
Erschienen: 1992

Laufzeit: 77:31 Minuten

Medium: CD
Label: CHANDOS MOVIES
Kennung: CHAN 9100

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 22.05.2000 | von Michael Boldhaus

The Film Music of William Alwyn Vol. 1

The Film Music of William Alwyn Vol. 1 Michael Boldhaus
Bewertung

William Alwyn studierte an der Royal Academy of Music in London, wo er bereits mit 21 Jahren eine Professur für Komposition erhielt. Im Laufe seines Lebens entstanden neben Kammermusik fünf Sinfonien, verschiedene Solokonzerte und zwei Opern. Neben dem Komponieren hat Alwyn sich auch der Malerei gewidmet. Zwischen 1936 und 1962 schrieb er aber auch etwa 60 Filmpartituren – wobei seine ersten Arbeiten für das britische Kino Tonfilm-Pioniertaten waren. Im Jahr 1958 wurde der Künstler für seinen „hervorragenden Beitrag zur Kunst des britischen Films“ mit der Mitgliedschaft bei der British Film Academy (jetzt „Society for Film and Television Arts“) hoch geehrt.

1512Die ebenfalls mit dem London Symphony Orchestra unter Hickox produzierte Chandos-CD präsentiert Auszüge aus vier seiner Kinokompositionen. Odd Man Out • Ausgestoßen (1946) ist Carol Reeds auch heute noch beeindruckendes Filmdrama um einen durch James Mason faszinierend gespielten IRA-Anführer. Alwyn konnte hier optimal mit dem Regisseur zusammenarbeiten. Das Drehbuch wurde eingehend besprochen und die meisten Szenen anschließend mit vorher skizzierter Klaviermusik gedreht, welche später ausgearbeitet und orchestriert worden ist. In Zusammenarbeit mit dem Schnittmeister und Toningenieur resultierte nach Alwyns eigener Beschreibung „ein Tonfilm im wahrsten Sinne des Wortes, in dem die Musik und das Bild zusammen ein filmisches Kunstwerk schaffen“. Die von packender Dramatik geprägte knapp 30-minütige Suite aus der Filmmusik zu Odd Man Out präsentiert dem Hörer eine selbstständige lebensfähige, eindrucksvolle Filmkomposition hohen Ranges. Zu The History of Mr. Polly (1949), einer märchenhaft unrealistischen Komödie, entstand eine heitere Musik, die tonmalerische Effekte und karikiertes Pathos nicht meidet und sich außerdem durch reizvolle Instrumentierung auszeichnet. The Fallen Idol • Kleines Herz in Not (1948) wurde nach einer Kurzgeschichte von Graham Greene gedreht. Carol Reeds sensibel inszenierte Studie um die Selennöte eines Kindes, dessen anfängliche Begeisterung für sein Idol mit der realistischen Ernüchterung seiner Gefühle endet, hat Alwyn mit sehr einfühlsamer, zum Teil psychologisierender Musik gekonnt unterlegt. Im finalen Calypso aus The Rakes Progress • Der letzte Sündenfall (1945) wird karibisches Flair elegant mit schöner Melodie gepaart, wobei mit Hilfe von Maracas, Bongos und Gitarre erzeugte Calypso- und Rumbarhythmen das klassische Sinfonieorchester reizvoll ergänzen.

Titel: The Film Music of William Alwyn Vol. 1
Erschienen: 2000

Laufzeit: 71:55 Minuten

Medium: CD
Label: CHANDOS MOVIES
Kennung: CHAN 9243

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 22.05.2000 | von Michael Boldhaus

Alwyn: Oboe Concerto etc.

Alwyn: Oboe Concerto etc. Michael Boldhaus
Bewertung

Einen guten Einstieg in die Konzertwerke des Komponisten William Alwyn ermöglicht die Zusammenstellung der drei Concerti Grossi mit dem Concerto for Oboe, String Orchestra and Harp, eingespielt von der London Sinfonia unter Richard Hickox. Die drei Concerti Grossi sind vielseitige und reizvolle Übertragungen einer barocken Form auf unterschiedlich zusammengesetzte moderne Ensemble. Das virtuose, klangvolle Konzert für Oboe, Streicher und Harfe ist romantisch-lyrisch und modern zugleich, ohne den Zuhörer mit atonalen Klangstrukturen allzu hart zu fordern.

Titel: Alwyn: Oboe Concerto etc.
Erschienen: 1992

Laufzeit: 60:40 Minuten

Medium: CD
Label: Chandos
Kennung: CHAN 8856

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 22.05.2000 | von Michael Boldhaus

The Film Music of Alan Rawsthorne

The Film Music of Alan Rawsthorne Michael Boldhaus
Bewertung

Den Abschluss dieses Artikels bildet Alan Rawsthorne (1905-1971) der ursprünglich Zahnarzt, etwas später dann Architekt werden wollte und sich erst mit Anfang zwanzig entschied, Musiker zu werden. Nachhaltige Aufmerksamkeit erregte er 1939 bei den Warschauer Festspielen, bei denen seine „Sinfonischen Etüden“ uraufgeführt wurden. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hat Rawsthorne regelmäßig komponiert. Neben einer recht großen Zahl von Filmkompositionen ist sein Output für den Konzertsaal bescheidener, aber dennoch interessant. Ein gutes klingendes Beispiel für das große Können dieses Tonschöpfers abseits der Musik für die tönende Leinwand sind die drei raffinierten und farbigen Klavierkonzerte. Wie auch im Falle der Konzerte von Alwyn bietet sich dem aufgeschlossenen Hörer trotz mancher Eigenwilligkeiten auch hier eine ebenso gut fassbare, keinesfalls allzu sperrige Musik. Die Konzerte Nr. 1 und 2 wurden vom Pianisten Geoffrey Tozer und im dritten Konzert für zwei Klaviere zusammen mit der Pianistin Tamara-Anna Cislowski mit dem London Philharmonic Orchestra unter dem Dirigenten Mathias Bamert eingespielt.

Die dem Filmharmoniker Rawsthorne gewidmete Chandos-Movies-CD ist fast noch presswarm. Rumon Gamba leitet hier – wie auch schon bei der Georges-Auric-Filmmusik-CD – das BBC Philharmonic Orchestra. Die Produktion präsentiert Auszüge aus neun seiner Arbeiten für britische Kinofilme, von denen nicht alle in Deutschland gezeigt worden sind. Leider verschweigt das ansonsten gut ausgestattete Booklet die Veröffentlichungsjahre der Filme. Der bekannteste Film ist The Cruel Sea • Der große Atlantik (1952) mit Jack Hawkins, der die Monotonie und Schonungslosigkeit der verlustreichen Geleitzugfahrten im Zweiten Weltkrieg ohne falsches Pathos und Abenteurertum in Szene setzt. Die besonders für seine Zeit bemerkenswert realistische Schilderung des Seekrieges als Mischung aus Disziplin und nackter Angst, macht den Film auch heutzutage noch sehr sehenswert. Bildmotive des Filmes dienten auch zur originellen Gestaltung des kompletten Produktes: Um das Mittelloch der Picture-CD ist oben und unten von Stacheldraht eingefasst ein rechteckiges Bild des stürmischen Atlantik zu sehen. Beim Herausnehmen der CD sieht man durch das transparente Trace dann ein Frachtschiff im Fadenkreuz eines U-Bootes.

Die kurze Suite aus der Filmmusik zu The Cruel Sea fasst sowohl den mächtigen Atlantik wie auch die Einsamkeit der auf Rettung wartenden und in Rettungsbooten dahintreibenden Schiffbrüchigen eindrucksvoll in Töne. Where No Vultures Fly • Schwarzes Elfenbein (1951) und auch dessen Fortsetzung West of Zanzibar • Westlich Sansibar (1954) verbinden eine einfache Rahmenhandlung mit für ihre Zeit selten zu sehenden Naturaufnahmen aus Kenia. Speziell in der 10-minütigen Suite aus Schwarzes Elfenbein zeigt der Komponist in den Tierszenen gekonntes Mickey-Mousing. Eine knapp 20-minütige Suite aus The Captive Heart • Das gefangene Herz (1946) steht am Anfang der CD. Der Film ist ein im zweiten Weltkrieg angesiedeltes Melodram um einen tschechischen Soldaten unter britischen Kriegsgefangenen in einem deutschen Gefangenenlager. Zusammen mit Burma Victory (1945) handelt es sich um atmosphärisch gelungene und dramatisch dichte Filmmusiken. Sehr reizvoll sind die drei ballettnahen Tänze aus der Musik zum Dokumentarfilm über britische Schafwolle The Dancing Fleece (1950) und der Prokofieffs lyrischen Balletten (wie „Cinderella“) nahestehende delikate Walzer aus Uncle Silas (1947). Der Main-Title zu Lease of Life (1954) ist eine reizvolle Orchesterminiatur zur Einstimmung auf die rührselige Geschichte um einen todkranken Pfarrer, der seiner begabten Tochter ein Klavierstudium ermöglichen möchte – die kurze Klavier-Passage deutet dies musikalisch an. Ein eindrucksvolles Finale ist die expressionistische „Carnival-Music“ aus Saraband for Dead Lovers• Königsliebe (1948), einem düsteren Technicolor-Kostüm-Spektakel um Intrigen, Verrat und die tragische, unerfüllt bleibende Liebe einer hannoveranischen Prinzessin zu dem späteren Scaramouche-Darsteller Stewart Granger.

Titel: The Film Music of Alan Rawsthorne
Erschienen: 2000

Laufzeit: 73:15 Minuten

Medium: CD
Label: CHANDOS MOVIES
Kennung: CHAN 9749

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 22.05.2000 | von Michael Boldhaus

Alan Rawsthorne: Klavierkonzerte

Alan Rawsthorne: Klavierkonzerte Michael Boldhaus
Bewertung

Die Situation in Sachen Filmpartituren und Orchestermaterialien gestaltet sich bei derartigen Einspielungen häufig sehr schwierig. So wurden bei einer Aufräumaktion in den Pinewood Studios bereits 1955 große Teile von William Alwyns und William Waltons Musikmaterialien und auch die zugehörigen Tonmaster vernichtet. Das sich hierfür jemals noch ein Mensch würde interessieren können kam den Verantwortlichen nicht in den Sinn. Faireweise muss man hier aber sagen, das selbst in den größten Hollywood-Studios aus Partituren zum Teil wohl Schmierzettel-Blöcke gemacht worden sein müssen… Im Falle von Alwyn konnte erfreulicherweise im Nachlass des Komponisten etwa zwei Drittel der Filmkompositionen in Kopien der Partituren und Klavierauszüge gefunden werden. Für den Rest bleibt in der Regel dann nur, die Musik durch Abhören der (Film-)Tonspur mühsam zu rekonstruieren – denn reine Musikmaster existieren aus den vorstehend genannten Gründen in der Regel ebenfalls nicht mehr. Phillip Lane hat diese mühsame Kleinarbeit im Falle des Rawsthorne-CD-Projektes auf sich genommen. Der Komponist Gerard Schurmann, der durch Alan Rawsthorne zur Filmkomposition fand, hat viel mit seinem Mentor zusammengearbeitet. Er ist somit ein großer Kenner Rawsthornscher Instrumentierung und sorgte bei dem aktuellsten Projekt der Serie für größtmögliche Authentizität.

Der Klang der auf den drei CDs präsentierten Filmkompositionen unterscheidet sich deutlich von den Hollywood-Standards dieser Zeit – dies gilt auch für die George-Auric-CDs. Die Musik wirkt formstrenger, mitunter auch etwas akademisch-britisch, aber sicher nicht trocken und langweilig. Für jeden Liebhaber sinfonischer Filmmusik, der eine repräsentative Sammlung aufbauen möchte, sind die hervorragenden Chandos-CDs daher ein Muss. Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase spürt der Hörer auch bei diesen inspirierten und handwerklich superb ausgeführten Tonschöpfungen den in vielen Passagen deutlichen Bildbezug. Es bleibt zu hoffen, das die „Chandos-Movies-Serie“ nachhaltig erweitert wird. Nicht nur Werke bislang nicht vertretener Komponisten wie Arnold Bax und Gerard Schurmann bieten sich hier an, auch die vorliegenden Editionen sollten durch Einspielungen zusätzlicher Filmmusiken ergänzt werden.

Fazit: Bei Malcolm Arnold, William Alwyn und Alan Rawsthorne handelt es sich um große britische Komponisten, die auch (aber nicht ausschließlich) für das (vorwiegend britische) Kino komponiert haben. Dem interessierten Hörer geben die Filmmusiken reizvolle und bereichernde Einblicke in das Schaffen des jeweiligen Künstlers. In vielem unterscheiden sich diese brillanten Kompositionen für die britische tönende Leinwand merklich vom Hollywood-Sound der Zeit und bilden für den Interessierten ein überaus reizvolles Kontrastprogramm. Aber auch das übrige Werk dieser Könner der klassischen britischen (Tonfilm-)Musik sollte nicht unentdeckt bleiben. Zu jedem Komponisten wird daher auch eine CD mit Konzertkompositionen vorgestellt, die einen leichten Einstieg in das jeweilige „seriöse“ Œuvre ermöglicht.

Hier gibt es eine Übersicht der bisher besprochenen Chandos-Movies-CDs.

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Titel: Alan Rawsthorne: Klavierkonzerte
Erschienen: 1992

Laufzeit: 62:43 Minuten

Medium: CD
Label: Chandos
Kennung: CHAN 9125

Komponist(en):

Schlagworte:


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