The Film Music of Alan Rawsthorne

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
21. Mai 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(5.5/6)

Den Abschluss dieses Artikels bildet Alan Rawsthorne (1905-1971) der ursprünglich Zahnarzt, etwas später dann Architekt werden wollte und sich erst mit Anfang zwanzig entschied, Musiker zu werden. Nachhaltige Aufmerksamkeit erregte er 1939 bei den Warschauer Festspielen, bei denen seine „Sinfonischen Etüden“ uraufgeführt wurden. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hat Rawsthorne regelmäßig komponiert. Neben einer recht großen Zahl von Filmkompositionen ist sein Output für den Konzertsaal bescheidener, aber dennoch interessant. Ein gutes klingendes Beispiel für das große Können dieses Tonschöpfers abseits der Musik für die tönende Leinwand sind die drei raffinierten und farbigen Klavierkonzerte. Wie auch im Falle der Konzerte von Alwyn bietet sich dem aufgeschlossenen Hörer trotz mancher Eigenwilligkeiten auch hier eine ebenso gut fassbare, keinesfalls allzu sperrige Musik. Die Konzerte Nr. 1 und 2 wurden vom Pianisten Geoffrey Tozer und im dritten Konzert für zwei Klaviere zusammen mit der Pianistin Tamara-Anna Cislowski mit dem London Philharmonic Orchestra unter dem Dirigenten Mathias Bamert eingespielt.

Die dem Filmharmoniker Rawsthorne gewidmete Chandos-Movies-CD ist fast noch presswarm. Rumon Gamba leitet hier – wie auch schon bei der Georges-Auric-Filmmusik-CD – das BBC Philharmonic Orchestra. Die Produktion präsentiert Auszüge aus neun seiner Arbeiten für britische Kinofilme, von denen nicht alle in Deutschland gezeigt worden sind. Leider verschweigt das ansonsten gut ausgestattete Booklet die Veröffentlichungsjahre der Filme. Der bekannteste Film ist The Cruel Sea • Der große Atlantik (1952) mit Jack Hawkins, der die Monotonie und Schonungslosigkeit der verlustreichen Geleitzugfahrten im Zweiten Weltkrieg ohne falsches Pathos und Abenteurertum in Szene setzt. Die besonders für seine Zeit bemerkenswert realistische Schilderung des Seekrieges als Mischung aus Disziplin und nackter Angst, macht den Film auch heutzutage noch sehr sehenswert. Bildmotive des Filmes dienten auch zur originellen Gestaltung des kompletten Produktes: Um das Mittelloch der Picture-CD ist oben und unten von Stacheldraht eingefasst ein rechteckiges Bild des stürmischen Atlantik zu sehen. Beim Herausnehmen der CD sieht man durch das transparente Trace dann ein Frachtschiff im Fadenkreuz eines U-Bootes.

Die kurze Suite aus der Filmmusik zu The Cruel Sea fasst sowohl den mächtigen Atlantik wie auch die Einsamkeit der auf Rettung wartenden und in Rettungsbooten dahintreibenden Schiffbrüchigen eindrucksvoll in Töne. Where No Vultures Fly • Schwarzes Elfenbein (1951) und auch dessen Fortsetzung West of Zanzibar • Westlich Sansibar (1954) verbinden eine einfache Rahmenhandlung mit für ihre Zeit selten zu sehenden Naturaufnahmen aus Kenia. Speziell in der 10-minütigen Suite aus Schwarzes Elfenbein zeigt der Komponist in den Tierszenen gekonntes Mickey-Mousing. Eine knapp 20-minütige Suite aus The Captive Heart • Das gefangene Herz (1946) steht am Anfang der CD. Der Film ist ein im zweiten Weltkrieg angesiedeltes Melodram um einen tschechischen Soldaten unter britischen Kriegsgefangenen in einem deutschen Gefangenenlager. Zusammen mit Burma Victory (1945) handelt es sich um atmosphärisch gelungene und dramatisch dichte Filmmusiken. Sehr reizvoll sind die drei ballettnahen Tänze aus der Musik zum Dokumentarfilm über britische Schafwolle The Dancing Fleece (1950) und der Prokofieffs lyrischen Balletten (wie „Cinderella“) nahestehende delikate Walzer aus Uncle Silas (1947). Der Main-Title zu Lease of Life (1954) ist eine reizvolle Orchesterminiatur zur Einstimmung auf die rührselige Geschichte um einen todkranken Pfarrer, der seiner begabten Tochter ein Klavierstudium ermöglichen möchte – die kurze Klavier-Passage deutet dies musikalisch an. Ein eindrucksvolles Finale ist die expressionistische „Carnival-Music“ aus Saraband for Dead Lovers• Königsliebe (1948), einem düsteren Technicolor-Kostüm-Spektakel um Intrigen, Verrat und die tragische, unerfüllt bleibende Liebe einer hannoveranischen Prinzessin zu dem späteren Scaramouche-Darsteller Stewart Granger.

Komponist*in:
Rawsthorne, Alan

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
73:15 Minuten
Sampler:
CHANDOS MOVIES
Kennung:
CHAN 9749

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