English Dances 27 & 53

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
21. Mai 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(5.5/6)

Der 1921 geborene Malcolm Arnold ist nicht nur der letzte lebende Veteran, seine Musik ist auch für weniger geübte Hörer als Einstieg in dieses interessante filmmusikalische Kapitel besonders geeignet. Sein Name dürfte auch hierzulande manchem (nicht ausschließlich) Filmmusikfreund über die Musik zum David-Lean-Filmklassiker The Bridge on the River Kwai • Die Brücke am Kwai (1959) ein Begriff sein. Kurioserweise handelt es sich gerade beim berühmten „River-Kwai-Marsch“ um ein von Kenneth Alford 1914 komponiertes Stück, welches der Komponist in seine Partitur implantiert hat. Das sinfonische Idiom Arnolds ist sehr vielseitig. Er selbst führt besonders Berlioz, Sibelius und Mahler als einflussbestimmend an. Arnolds Musik wirkt häufig tänzerisch und ist zumeist sehr melodisch, im gelegentlich grotesken Ausdruck erinnert sie auch ein wenig an den jungen Schostakowitsch.

Wie bei Mahler findet sich in seinen Werken auch populäre Musik wieder: Der öfter erhobene Vorwurf der Oberflächlichkeit lässt sich bei eingehender Hör-Betrachtung sicher nicht aufrecht erhalten. Sowohl die Konzert- als auch die Filmkompositionen haben meist dramatische Untertöne. Zweifelsohne scheute sich Arnold nicht, Stile zu adaptieren und auch Klischees zu verwenden, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Die Resultate sind in der Regel überzeugend. Dies spiegelt sich besonders leicht nachvollziehbar in den in den fünfziger und sechziger Jahren entstandenen, sehr eingängigen Zyklen englischer-, irischer-, schottischer- und cornischer Tänze wieder. Diese hat der Komponist im Stil folkloristischer Tänze der jeweiligen Regionen komponiert, ohne allerdings Original-Material direkt zu verarbeiten. Insofern kann man hier von gekonnten sinfonischen „Nachschöpfungen im Volkston“ sprechen, deren raffinierte, farbige Instrumentierung und herrliche Melodik unmittelbar ins Ohr gehen. Neben gekonntem orchestralen Schmiss und Witz gibt es aber auch besinnliche und leicht melancholische Momente. Das von Harfenfiguren umspielte sanfte Flötenthema des zweiten der Schottischen Tänze Opus 59 wird so zu einer romantischen Liebeserklärung an die Hebriden; der zweite der Cornischen Tänze klingt dagegen fast wie Musik zu einer unheimlichen Filmszene bei Mondschein. Das Philharmonia Orchestra wird in diesen Aufnahmen von Bryden Thompson geleitet.

Komponist*in:
Arnold, Malcolm

Erschienen:
1992
Gesamtspielzeit:
60 Minuten
Sampler:
Chandos
Kennung:
CHAN 8867

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