Thunderball (expanded)

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
8. Juni 2003
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Thunderball und You Only Live Twice

Seit Goldfinger sind die Merkmale eines Top-Bond-Scores vollständig ausgeprägt: neben dem raffinierten James-Bond-Thema Normans wird (in der Regel) mit einem weiteren prägnanten und einprägsamen Thema gearbeitet, das sich zugleich als Song (und damit Werbeträger) eignet. Die melodischen Themen werden in eine möglichst unmittelbar eingängige Tonsprache eingebettet, die sich aus einem pfiffig gestalteten Mix aus den Bereichen sinfonischer Unterhaltungs- und Tanzmusik, angereichert mit Stilelementen aus Rock, Pop (Beat) und Jazz zusammensetzt. Wobei mit den Themen – im Sinne einer einfachen Leitmotivik – die Scores im Zusammenwirken mit einer guten Instrumentation auch recht effektvoll gestaltet werden. Barrys Neigung, mit seinen schönen Melodien den Hörer durch allzu simple Variationstechnik – nämlich x-facher annähernder 1:1-Wiederholung – zu ermüden, wird in den guten und sehr guten Bond-Vertonungen weitgehend vermieden. Insgesamt gelingt ihm meist eine auch als Höralbum mitreißende Filmmusik.

In Thunderball • Feuerball (1965) kommen gar zwei schöne Song-Themen zum Zuge: das von Barry zuerst für den Film komponierte „Mr. Kiss Kiss Bang Bang“ – japanischer Spitzname für 007 – und ebenso der auf Wunsch der Produzenten nachträglich komponierte (auf den Filmtitel abzielende) Titel-Song (interpretiert von Tom Jones). In beiden Fällen sind dem Komponisten inspirierte Einfälle auf’s Notenpapier gelangt. Hier zeigt sich einmal mehr jenes Talent für starke, äußerst sinnfällige melodische Einfälle, das in jenen Jahren für eine Reihe herrlicher Ohrwürmer aus der Feder des Briten sorgte – siehe hierzu auch Robin and Marian.

Als seinerzeit der Musikschnitt für die LP erfolgte, war erst rund die Hälfte der Musik eingespielt. Erfreulicherweise ist die neue Edition jetzt um rund 40 Minuten erweitert, die sich als echter Gewinn erweisen. Erwähnenswert sind die Teile, die tonmalerisch die annähernde Schwerelosigkeit in den Tauch-Szenen gekonnt (mit Harfe und Vibraphon) illustrieren – in „Bond Meets Domino“ und „Underwater Ballett“ – und so beim Hörer geradezu ein Unterwasser-Feeling erzeugen.

You Only Live Twice • Man lebt nur zweimal (1967) zeigt Sean Connery zum fünften Mal als Geheimagent 007 – Connery wurde das ihm von den Fans angedichtete Bond-Image langsam überdrüssig. Erstmalig entfernt sich der Plot stark von der Romanvorlage und beinhaltet – ebenfalls zum ersten Mal – einen Hauch von Sciencefiction und Outer Space, wobei die Schwerelosigkeit musikalisch hübsch angedeutet wird in „Capsule in Space“. Ebenfalls sehr ansprechend ist auch dieses Mal das Song-Thema und nicht zu vergessen das schön eingearbeitete japanische Klangkolorit.

Nancy Sinatra erwies sich als eine blasse, nahezu stimmlose Interpretin. Von den zahllosen Einzel-Takes, aus denen der knapp dreiminütige Film-Song montiert werden musste, ist dank guter Schneidetechnik nichts zu spüren. Schon fast überflüssig anzumerken, dass auch hier die rund 36 Minuten Spielzeitverlängerung der CD nicht zur Monotonie geraten ist. Die auch auf den oben genannten Silva-Alben vertretenen zwei Stücke der Pre-Title-Sequenz – „Bond’s Funeral“ und „The Human Torpedo“ – finden sich einmontiert in „Bond in Japan“. (Hier zeigt sich auch, dass mitunter die Trackbezeichnungen nicht ganz exakt sind – spielt die Pre-Title-Sequenz doch in Hong-Kong.)

Anzumerken bleibt noch, dass sowohl in Thunderball als auch in You Only Live Twice Barrys Eigenkreation für den berühmten Geheimagenten, das „007-Thema“, seinen Auftritt erhält.

Komponist*in:
Barry, John

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
79:01 Minuten
Sampler:
EMI-Capitol
Kennung:
72435-80589-2-5

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