The Essential Nino Rota

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
30. Dezember 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Score

(4.5/6)

„The Essential Nino Rota“

Das vorliegende Doppel-CD-Album basiert auf der erstmals 1993 erschienenen (und auch separat immer noch erhältlichen) Veröffentlichung „The Symphonic Fellini-/Rota — La Dolce Vita“. Das gelungene knapp 70-minütige Einzel-CD-Album ist durch Material aus zwei weiteren Silva-Rota-Alben und durch einige Neueinspielungen weiteren Musikmaterials auf insgesamt rund 115 Minuten erweitert worden.

So findet der Hörer das Material des o. g. Albums: knappe, aber markante Suiten aus sämtlichen 15 Filmvertonungen für Federico Fellini von Lo Sceicco Bianco • Der weiße Scheich (1952), La Strada • Die Straße (1954), I Vitelloni • Die Müßiggänger (1953), Il Bidone • Die Schwindler (1955), Le Notte di Cabiria • Die Nächte der Cabiria (1957) über La Dolce Vita • Das süße Leben (1960), Boccaccio 70 (1962), Otto e Mezzo • 8 ½ (1963), Giuletta Degli Spiriti • Julia und die Geister (1965) bis hin zu Fellini Satyricon (1969), I Clowns • Die Clowns (1970), Roma (1972), Amarcord (1973), Il Casanova • Casanova (1976) und schließlich Prova D’Orchestra • Orchesterprobe (1979). Neu hinzugekommen ist noch ein Kuriosum, ein musikalischer Schnippsel zu Fellinis Anteil aus dem — auf fantastischen Geschichten von Edgar Allan Poe basierenden — Episodenfilm Histoires Extraordinaires • Außergewöhnliche Geschichten (1969).

Nino Rotas Filmmusiken für Fellini haben in weiten Teilen in erster Linie eine atmosphärische Funktion, die allein darauf abzielt, eine dem jeweiligen (oftmals skurrilen) Filmsujet entsprechende Stimmung zu schaffen. Ihre Wirkung und ihr Wert besteht damit primär in der Funktionalität, als eine auf das Bild (die Szene) komponierte Musik, die häufig kein künstlerisch eigenständiges Gestaltungsmittel mehr ist. Rota zeigt sich hierbei als (innovativer) Meister in einer musikdramaturgisch wirkungsvollen Spiegelung des jeweiligen Milieus. Zum Teil kann man hier von geradezu schäbiger städtischer Trivialmusik sprechen, die zur Tristesse des Gezeigten die Entsprechung oder auch einen geschickten Kontrapunkt bildet. Insofern dürfte die hier gebotene Kompilation aus überzeugend konzipierten Suiten des — abseits der Filme wirkungsvollsten — Musik-Materials für die meisten Interessierten völlig ausreichen. Das Gebotene reicht dabei von herrlich melodisch (La Strada, Il Bidone) und witzig (I Vitelloni, Orchesterprobe) über mitunter etwas skurril-bizarr (Giuletta Degli Spiriti, Roma, Casanova, Amarcord) bis zu zirkushaft (8 ½, Boccaccio 70, I Clowns) und enthält gelegentlich auch Einflüsse von Jazz und Tanzmusik (Le Notte di Cabiria, Giuletta Degli Spiriti, La Dolce Vita).

Die Musiken sind gegenüber den Originalen mit versierter Hand sinfonisch aufgepeppt worden. Etwas, das ihnen in der Konzeption „Höralbum“ m. E. sehr gut bekommt, auch wenn der eine oder andere Fellini-Fan hier einen gewissen Verlust an Werktreue bemängeln mag. Das gut disponierte City of Prague Philharmonic Orchestra interpretiert mehr als nur ordentlich und auch die Tontechnik vermag zu überzeugen.

Entsprechendes gilt für die melodramatische, an Miklós Rózsas „Spellbound-Concerto“ erinnernde Musik zu The Glass Mountain (La Montagna di Cristallo) • Echo der Liebe (1947) sowie für die vertretenen Auszüge aus den Silva-Alben „Godfather-Trilogie“ und Romeo & Juliet und ebenso für die schöne Ouvertüre zur köstlichen Shakespeare-Komödie The Taming of the Shrew • Der Widerspenstigen Zähmung (1967). Letztgenannter Film stammt übrigens von Franco Zeffirelli, wobei die Musik ebenfalls ein willkommener Kandidat für eine vollständige Neueinspielung wäre, da das Original leider nur in recht bescheidener Tonqualität existiert.

Das musikalische Schaffen des großen italienischen Komponisten abseits der berühmten Filmmusiken hat erst in den 90er Jahren — hauptsächlich in Italien — zunehmende Anerkennung erlangt. Die dazu im Folgenden vorgestellten CDs präsentieren — neben denen aus dem ersten Rota-Artikel — weitere klingende Facetten, die neugierig auf mehr machen. Mögen diese auch hierzulande dazu beitragen, ein zunehmendes Interesse am Gesamt-Œuvre dieses bislang in wichtigen Teilen weitgehend übersehenen italienischen Meisters (von eben nicht allein Filmmusik) begründen zu helfen. Nino Rotas elegante und (überwiegend) zugleich sehr eingängige Kompositionen besitzen nämlich durchaus das Zeug, auch hierzulande wertvolle Gäste in Konzertsälen und vielleicht gar Opernhäusern zu werden.

Komponist*in:
Rota, Nino

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
56:47 + 58:03 Minuten
Sampler:
Silva Screen
Kennung:
FILMCD 369
Zusatzinformationen:
City of Prague PO, N. Raine, D. Wadsworth, P. Bateman, M. Klemens

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