Romeo & Juliet

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
24. Dezember 2003
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

Regisseur Franco Zeffirellis Romeo & Juliet • Romeo und Julia (1968) ist die mittlerweile bekannteste der klassischen Verfilmungen eines der wohl berühmtesten Shakespeare-Dramen. Eine tragisch endende Love Story um den sich ineinander verliebenden Nachwuchs zweier verfeindeter Familien im Verona der Renaissance, die auf jede zeitliche Ebene transponiert werden kann und damit auch für moderne Interpretationen offen ist.

Die Filmmusik zählt zu den sehr intimen, filigranen Klangschöpfungen Nino Rotas, die ohne groß angelegte orchestrale Steigerungen auskommen. Neben den Themen für die titelgebenden Protagonisten steht eine besonders breit angelegte, besonders eingängige Melodie, die als Liebesthema und Liebeslied „What is a Youth“ fungiert. Diese im Score fortwährend auftauchende Liebesmelodie erklingt dabei auch kontrapunktisch sowohl mit dem Thema für Romeo als auch mit dem für Julia.

In der über weite Strecken kammermusikalisch durchsichtig komponierten Filmmusik fokussiert der Komponist auf die tiefen Gefühle der Liebenden und reflektiert den dramatischen Ausgang eher dezent. Ohne jeden Pomp sind dabei auch reizvolle musikalische Spiegelungen der höfischen Musik der Renaissance eingearbeitet. Leicht wirkt die Fanfare für den Prinzen, und die Formschemata höfischer Tanzmusik (Pavane, Sarabande) werden vom Instrumentarium eines konventionellen Sinfonieorchesters wiedergegeben. Rota sorgt hier gekonnt für ein charmant klingendes, zugleich modern und auch dezent archaisierend wirkendes Flair in der Musik. Dies gilt ebenso für die als Source Music komponierten Mönchsgesänge im Kloster, wo die Liebenden getraut werden.

Es handelt sich um im wahren Wortsinn schöne und sehr eingängige Klänge, die Dank ihrer nicht besonders komplexen Konstruktionsweise bereits beim ersten Hören gut ins Ohr gehen. Insgesamt zwar kein Meisterwerk, aber eine von meisterlicher Hand stilsicher und sehr versiert ausgeführte Filmvertonung. Die von Robert Townsend liebevoll rekonstruierte Gesamtpartitur klingt in der Neueinspielung noch eine Portion durchsichtiger und klarer als in der (in Form des alten LP-Schnittes) ebenfalls sehr ordentlichen CD-Ausgabe der Originalaufnahme. Das mitunter zu Recht gescholtene City of Prague Orchestra unter Nic Raine zeigt sich hier in sehr guter Form und hat eine spieltechnisch saubere und auch in den Tempi dicht am Original orientierte Einspielung vorgelegt.

Komponist*in:
Rota, Nino

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
55:18 Minuten
Sampler:
Silva Screen
Kennung:
FILMCD 358
Zusatzinformationen:
City of Prague Orch., N. Raine

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