Queen: Symphonie

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
13. Februar 2003
Abgelegt unter:
Klassik

Der 1962 in London geborene Tolga Kashif – der übrigens auch Filme vertonte – hat in „The Queen Symphony“ einen speziellen Versuch gewagt, die Musik einer berühmten Rockband mit einem großen Sinfonieorchester erklingen zu lassen. Im Gegensatz zu den üblicherweise verwendeten Arrangements einzelner Lieder erarbeitete Kashif ein sinfonisches Konzept, in dem die Themen nicht allein zitiert, sondern auch durchgeführt und kontrapunktisch verarbeitet werden. Das Ganze ist eine üppig instrumentierte Auftragskomposition von EMI Classics, die mit dem Royal Philharmonic Orchestra und den London Voices unter der Leitung des Komponisten für die CD eingespielt und am 6. November 2002 in der Londoner Royal Festival Hall uraufgeführt worden ist.

Kashifs Arbeit orientiert sich wenig an der Form der klassischen Sinfonie, ist eher eine Symbiose aus Klassik und Rock in Form einer Suite. Im mitunter klanglichen Bombast erinnert die Musik an Tschaikowsky und Holst, in den gelegentlich archaisierend wirkenden Chor-Passagen auch etwas an Orffs „Carmina Burana“. Im dritten (sowie im letzten) Satz des 6-sätzigen Werks erklingt der berühmte Song „Who Wants to Live Forever“ aus Highlander (1989), und auch Berühmtes wie „Bohemian Rhapsody“ und „We Are the Champions“ fehlt nicht.

Kashifs Queen-Symphony ist keine durchgehend einfache (Hör-)Kost, auch ist sie nicht als dezente Geräuschkulisse geeignet. Nein, hier ist zuhören angesagt, möglichst bei höherem Lautstärkepegel (oder mit Kopfhörer), um in die recht vielfältigen Stimmungen der Musik voll eintauchen zu können. Sicherlich ist es diejenige der hier vorgestellten CDs, die dem Hörer – wohl auch den Queen-Fans – am meisten abverlangt. Eine dynamische Musik von recht beeindruckender Wirkung in einer entsprechend gut klingenden Einspielung. Im informativen Begleittext finden sich vertiefende Infos zum Werk und seinem Komponisten.

Fazit: Die Klassik aus ihrem oftmals elitär-verstaubten Nischendasein hervorzuholen und ihre Schönheiten breiten Hörerschichten zugänglich zu machen, ist generell positiv. Ob dies nun „richtiger“ geschieht, indem klassische Stücke neben Musik aus Pop und Film gestellt werden oder als kompositorische Synthesen aus Pop, Rock und Klassik dargeboten werden, wo bekannte Melodien in neuartigen, die Genres zusammenführenden Klanggewändern erscheinen, liegt letztlich allein im Ohr des Hörenden. Wen das hier Gelesene zumindest in Teilen neugierig gemacht hat, dem sei ein Testhören angeraten. Einen Eindruck von Raphaël Marionneaus „le classique abstrait“ kann man besonders einfach über die gleichnamige wöchentliche Rundfunksendung auf Klassik Radio gewinnen.

Komponist*in:
Diverse

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
57:44 Minuten
Sampler:
EMI
Kennung:
5 57395-2

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