Red Dragon

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
6. November 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Zum Thriller Red Dragon • Roter Drache um die Wurzeln des Serienkillers Hannibal Lecter schrieb Danny Elfman die Musik. Eifrige Kinogänger kennen Lecter bereits aus The Silence of the Lambs • Das Schweigen der Lämmer (1990, Musik: Howard Shore) und Hannibal (2001, Musik: Hans Zimmer). Red Dragon ist allerdings ein Remake von Michael Manns hingegen kaum beachtetem Film Red Dragon: The Pursuit of Hannibal Lecter (1986) – auch unter dem (Video-)Titel Manhunter • Blutmond gezeigt.

Danny Elfmans Musikbeitrag setzt sich vor allem stilistisch deutlich von den Werken der jüngeren Zeit ab. Dem Hörer begegnet hier weder der verspielt poppige Schmiss der Men in Black noch die raffiniert gestalteten Percussions des Planet of the Apes, ebenso wenig die elegant gestylten Action-Momente von Spider-Man und auch nicht die romantisch-düstere Atmosphäre des kleinen Örtchens Sleepy Hollow. Bei eingehenderem Hören tritt aber auch hier das Elfman-Typische, die intensiv motivisch verzahnte Struktur der Komposition – etwas, das auf Bernard Herrmann verweist – und auch die Art und Weise des Verbindens von Elektronik und Orchester, deutlich hervor. Als musikalischer Anknüpfungspunkt empfiehlt sich Elfmans stimmungsmäßig verwandte, allerdings stärker romantisch angelegte Musik zu Dolores Claiborne (1995).

In Red Dragon verwendet der Komponist ein groß besetztes Orchester. Außerdem haben Elektronik und gelegentliche Choreinsätze einen maßvollen Anteil am Klanggeschehen. Die Hauptakzente setzt er dieses Mal auf geschickten und vielfältigen Einsatz des Streicherapparates, dem sich in einigen Passagen markante synthetische Effekte hinzugesellen. Das offenbar stark besetzte Blech verleiht einigen gut konzipierten Klangausbrüchen einen satten und wuchtigen Klang – möglicherweise wird dabei zusätzlich behutsam synthetisch unterstützt. Diese gut eingearbeiteten Steigerungen verleihen dem auch so schon nicht trocken, sondern durchdacht wirkenden musikalischen Fluss zusätzliche Hörreize und auch Spannung.

Elfman betätigt sich hier in gewissem Sinne als Wegbereiter von Howard Shore, dessen von kühlen Streicherharmonien bestimmter Score zu The Silence of the Lambs sehr filmwirksam ist, aber als reines Höralbum in Gänze gehört eher langatmig und monoton wirkt. Als Ausgangspunkt der Komposition zu Red Dragon steht kein einprägsames üppiges Thema, sondern ein eher unscheinbares Zweinoten-Motiv, das auch in erweiterter Form, als eine Art melodische Phrase erscheint. Wenn die stark atmosphärische Klangschöpfung auch nicht die Intensität und Dichte der vergleichbar düsteren Musik zu Minority Report von John Williams erreicht, Red Dragon ist keinesfalls ein blasser und langatmiger, sondern ein geschickt strukturierter Thriller-Score. Auch als Höralbum dürfte Elfmans Musik (im vorliegenden sehr überzeugenden und ebenso gut klingenden Albumschnitt) ohne Schwierigkeiten den Spitzenplatz der Filmtrilogie belegen.

Komponist*in:
Elfman, Danny

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
57:16 Minuten
Sampler:
Universal Decca
Kennung:
473 248-2

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