Paul Hindemith: Orchestral Music

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
10. Dezember 2001
Abgelegt unter:
Sampler

Paul Hindemith

„Hindemith, wohin damit?“ ist eine der Polemiken, die einer der eigenwilligsten modernen Künstler des 20sten Jahrhunderts, Paul Hindemith (1895-1963), herausforderte. Er gebärdete sich anfänglich als junger Wilder par excellence, verachtete die Romantik, war Revolutionär im Sinne einer im Zeichen motorischer Rhythmik stehenden, auf „neuer Sachlichkeit“ im Ausdruck bedachten herben Tonsprache. Nachdem er Das Neue durchschritten hatte„“, wurde er, wie auch andere (z. B. Prokoffief), nach und nach geläutert. Hindemith machte seinen Frieden mit der Tradition, huldigte z.B. dem Romantiker Weber in seinen „Symphonischen Metamorphosen“, begeisterte sich für alte Musik und begab sich auf die Suche nach einer neuen Schönheit im Bereich von Gotik und mittelalterlicher Mystik. Diese Entwicklung war das Resultat eines ereignisreichen Lebens, das gekennzeichnet war von starken äußeren Angriffen und Erschütterungen, wozu auch die Emigration aus Nazi-Deutschland im Jahr 1940 zählte. Paul Hindemith war einer der großen Könner, Künstler und Lehrer des vergangenen Jahrhunderts, eine markante Persönlichkeit, die auch heute nicht unumstritten ist.

cpo hat dem äußerst vielseitigen Werk Hindemiths einen umfangreichen CD-Zyklus gewidmet. Dafür, dass der Komponist kein Neutöner um jeden Preis war, liefert die hier ausgewählte CD klingendes Beispiel. Die ironisch-pfiffige Kammermusik Nr. 1 gipfelt im Finale in einem (damals aktuellen) frechen Foxtrott-Zitat sowie einem grellen Sirenpfiff. Dem Wunsch des Komponisten, Musik für Spiel-interessierte Laien zu schaffen, entstammen die 5 Stücke für Streichorchester und die „Plöner Musiktage“, die er 1932 für die Schüler des am Plöner See gelegenen Internats-Gymnasiums schuf. In der „Suite französischer Tänze“ erweist er sich als Wegbereiter für alte Musik, gespielt in historisierender Aufführungspraxis auf restaurierten Instrumenten – etwas, das heutzutage von einer Reihe etablierter Klangformationen konsequent gepflegt wird.

Die Begegnung mit dem Regisseur Arnold Fanck führte 1921 zur Begeisterung des Komponisten für Filmkomposition und zur (kostenlosen) Erarbeitung einer Musik zum Stummfilm In Sturm und Eis (Im Kampf mit dem Berg). Dies ist nicht allein eine der ersten deutschen Originalkompositionen für einen Stummfilm überhaupt, sondern zeigt auch wie undogmatisch der Künstler war. In dieser Musik pendelt Hindemith stilistisch zwischen spätromantisch gefärbten, von Melodie bestimmten Teilen, impressionistischen Klangfarben und stark tonmalerischer Untermalung geeigneter Szenen, wie Gewitter und Sturm. Die hier vertretene knapp viertelstündige Suite fasst einige der wichtigsten Teile gelungen zusammen und ermöglicht ein Hineinschnuppern in diese faszinierende (Stumm-)Filmmusik.

Komponist*in:
Hindemith, Paul

Erschienen:
1997
Gesamtspielzeit:
69:17 Minuten
Sampler:
cpo
Kennung:
999 301-2

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