Gershwin Centennial Edition

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
12. Juli 2000
Abgelegt unter:
Klassik

Eine stimmige Ergänzung zu diesen auf edle Unterhaltung angelegten Filmmusik-Samplern ist die „Gershwin Centennial Edition“, die auf zwei CDs die vollständigen Orchesterwerke des berühmten amerikanischen Komponisten präsentiert. George Gershwin, der als Klavierspieler begonnen hatte, hat nicht nur unvergessliche Songs für Broadway-Shows und Musicals geschrieben, sondern sich auch auf dem Gebiet anspruchsvoller und eingängiger Konzertmusik profiliert. Neben den epochalen Jazz-Blues-inspirierten Werken „Rhapsody in Blue“, „An American in Paris“, dem Klavierkonzert in F und den Variationen über „I Got Rhythm“ gibt es auch seltener gespielte, ebenfalls hörenswerte Musik. Hierzu gehören die „Second Rhapsody for Piano and Orchestra“, die sinfonische Suite („Catfish Row“) aus seinem Meisterwerk, der Oper „Porgy and Bess“, sowie die schmissige „Cuban Overture“. Obendrauf gibt es noch ein paar hübsche Ausgrabungen wie „Mexican Dance“, „Walking The Dog“, ein schönes „Lullaby“, den „Rialto Ripples Rag“ und das pathetische Chor-Lied „Oh Land of Mine, America“. Auch bei diesen eingängigen, auch bei Freunden des sinfonischen Repertoires anerkannten Werken erweisen sich das Cincinnati Pops Orchestra und sein Chefdirigent Kunzel in bester Form und werden wie immer von perfekter Aufnahmetechnik unterstützt — die hier auf die mitunter etwas künstlich wirkenden Effekte der Filmmusik-Zusammenstellungen verzichtet. Die beiden CDs bieten mit knapp 145 Minuten Spielzeit einen guten Gegenwert für’s Geld.

Fazit: Insgesamt sieben Alben des audiophilen Telarc-Labels ermöglichen eine recht breit gefächerte Begegnung mit einem hochwertigen amerikanischen Orchester und seinem Dirigenten Erich Kunzel. Das Gershwin-Doppel-CD-Set präsentiert eingängiges „seriöses“ Repertoire nebst einigen Raritäten in Bestform. Ebenfalls gute Interpretationen, dazu aber auch im wahrsten Wortsinn „krachenden Effekt“ bieten die zwei CDs mit den Klassikern „Wellingtons Sieg“ (Beethoven) und der „Ouvertüre 1812“ (Tschaikowsky). In der Mitte zwischen diesen „Extrema“ liegen die überwiegend gelungenen, weitgehend in melodischem Klang-Bombast schwelgenden und dazu teilweise mit „Digital Sound Effects“ angereicherten filmharmonischen Kompilationen „Mega Movies“, „Big Picture“, „Fantasy Adventure Album“ und „Fantastic Journey“. Der durchweg ansprechende bis sehr gute Eindruck wird auch durch eine perfekte Aufnahmetechnik abgerundet. Mögen auch Puristen generell bei den (immerhin gekonnt) auf Effekt getrimmten Alben der vorgestellten Kollektion die Gesichtszüge entgleisen, die überwiegend hohe Spielkultur des Orchesters müssen sie trotzdem anerkennen. Wer sich einen Hauch von Spieltrieb bewahrt hat, wer —wie die Amerikaner treffend sagen —„Im Herzen jung“ geblieben ist, kann hier seinen High-Tech-Spaß haben — Unterhaltung auf hohem Niveau ist inbegriffen.

Komponist*in:
Gershwin, George

Erschienen:
1998
Gesamtspielzeit:
144:24 Minuten
Sampler:
Telarc
Kennung:
CD-80445 (2 CDs)
Zusatzinformationen:
Cincinnati Pops, E. Kunzel|Cincinnati Pops, E. Kunzel

Weitere interessante Beiträge:

Live and Let Die

Live and Let Die

The Fantasy Dream Album

The Fantasy Dream Album

Im Rennstall ist das Zebra los

Im Rennstall ist das Zebra los

A Song in Season

A Song in Season