Ernst Krenek: Karl V

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
17. April 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Ernst Krenek: „Karl V“

Die Oper „Karl V“ ist ein bis heute selten aufgeführtes Schlüsselwerk des österreichischen Komponisten geblieben. Das „Bühnenwerk mit Musik“ skizziert das Leben des bedeutenden römisch-deutschen Kaisers als Lebensbeichte. Der in einem spanischen Kloster auf dem Totenbett liegende Monarch legt einem jungen Mönch Rechenschaft über sein Leben ab, versucht Motive und Wirkungen seiner politischen Handlungen zu verdeutlichen, um Absolution zu erhalten. Dabei kommen die wichtigsten Gestalten seines Lebens in revuehaften Rückblenden zu Wort.

„Karl V“ ist ein mit vielen gesprochenen Szenen durchsetztes episches Welttheater. Ein Werk, das in vielem mit der klassischen Operntradition bricht und überhaupt wohl kaum das Zeug zum „Publikumsliebling“ haben dürfte. Komponiert in strenger 12-Tönigkeit, ist die Musik jedoch trotz unleugbarer Strenge von erstaunlicher Farbigkeit und Leuchtkraft. Passagenweise ist sie gar mit einer Klangschönheit und Opulenz ausgestattet, die man bei derartigen Kompositionen kaum vermutet. Der Komponist scheut auch vor naturalistischen und tonmalerischen Effekten nicht zurück: Die Windmaschine kommt zum Einsatz und in der faszinierend gestalteten Sterbeszene Karls – „mit den vier Uhren“ – suggeriert die Musik die unaufhaltsam verrinnende Zeit.

Krenek sah seinerzeit in der Kompositionsweise mit 12 einander gleichberechtigten Tönen ein Übertragen von Freiheit und Demokratie auf die Musik und in der Wahl der historischen Titelfigur zugleich zeitgeschichtliche Parallelen zur politischen Situation Österreichs. „Karl V“ wurde die erste vollständig auskomponierte 12-Ton-Oper der Musikgeschichte.

Das audiophile Label MDG (Musik Produktion Dabringhaus und Grimm) hat in Zusammenarbeit mit dem „Internationalen Beethovenfest Bonn 2000“ die erste vollständige Einspielung des Werkes auf (mit Gold bedampftem) Tonträger vorgelegt. Die erstklassige Aufnahmetechnik verbindet sowohl gesprochene, instrumentale als auch vokale Teile in einem luftig transparenten, prachtvoll weitläufigen Klangraum sehr gut miteinander. Auch die vom Tschechischen Philharmonischen Chor Brno sauber intonierten Chorpassagen kommen dabei erstklassig zur Geltung. Das unter Marc Soustrots einfühlsamer Leitung in hörbar bester Verfassung agierende Orchester der Beethovenhalle Bonn begleitet das tadellose Ensemble (in der Titelrolle David Pittman-Jennings) perfekt. Einem 1934 unterdrückten, 1938 unter eher abenteuerlichen Umständen in Prag uraufgeführten und nach dem Krieg nur vereinzelt (und dann meist nur stark gekürzt) gespielten, bedeutenden Werk des 20. Jahrhunderts ist damit (zumindest ein Stück) späte Gerechtigkeit widerfahren. „Karl V“ ist ein kraftvolles und hochrangiges modernes Musikdrama des 20. Jahrhunderts, das in Zukunft hoffentlich auch häufiger auf den Spielplänen zu finden sein wird.

Komponist*in:
Krenek, Ernst

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
140:47 Minuten
Sampler:
MDG
Kennung:
337 1082-2 [2 CDs]
Zusatzinformationen:
Orchester der Beethovenhalle Bonn, Marc Soustrots

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