Corigliano: Creations

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
18. März 2001
Abgelegt unter:
CD

John Corigliano

Der 1938 geborene amerikanische Gegenwarts-Komponist gehört zu den führenden Vertretern seiner Generation. Er hat neben Werken für den Konzertsaal und Kammer- sowie Opern-Musik auch drei Partituren für Filme komponiert (siehe auch Die rote Violine). Wie aus dem Booklet-Text des Samplers hervorgeht, will John Corigliano mit seiner Musik kommunizieren, d.h. er ist bestrebt, eine möglichst breite Zuhörerschaft zu erreichen. Diesem Grundsatz entsprechend präsentiert die vorliegende Telarc-CD leichter zugängliche Werke des Tonschöpfers, die einer gemäßigt modernen Tonsprache verpflichtet sind.

Anlässlich des 75sten Geburtstags des Dirigenten Georg Solti entstand 1987 „Campane de Ravello“ (Die Glocken von Ravello). Das kurze Stück reflektiert die Verbindung der italienischen Stadt Ravello sowohl zu Richard Wagners Oper „Parsifal“ als auch zu Georg Solti, dem berühmten Interpreten dieses Werks. „Voyage for Flute and strings“ ist die Instrumental-Version eines ursprünglich 1971 entstandenen Chorwerkes. Ebenso sinnlich wie der Text des ursprünglichen a-capella-Chor-Stückes ist die hier vorgelegte Version für Querflöte und Streicher. Die „Elegy for Orchestra“ ist dem amerikanischen Komponisten Samuel Barber gewidmet: es handelt sich um eine fast romantisch melancholische Begleitmusik zu einer Liebesszene in einem Theaterstück. Ungewöhnlich gestaltet ist die „Promenade Overture“. In ihr wird die Idee der Abschiedssinfonie von Joseph Haydn – die Musiker treten im letzten Satz nach und nach ab – umgekehrt. Ein sehr originell und wirkungsvoll zugleich daherkommendes Musik-Stück, dessen Motive sich zu einer lyrischen Melodie vereinen und mit dem gesamten Orchester einem breit angelegten sehr wirksamen Höhepunkt zustreben.

Sogar zwei Premieren werden vorgelegt. „To Music“, eine meditative Instrumentalphantasie, die auf dem Schubert-Lied „An die Musik“ basiert. Ein ruhiges, sehr inniges, trotz Modernität liebliches Stück. Die Nummer zwei ist das der CD den Titel gebende „Creations“, eine faszinierende musikalische Illustration der Schöpfungsgeschichte für einen Erzähler und großes Orchester. Corigliano arbeitet hier trotz Anwendung moderner Stil-Mittel in gewissem Sinne leitmotivisch und verwendet auch bildhaft illustrierende Klänge. (Das Werk erklang in dieser Form zum ersten Mal 1984.) Es setzt den Schlusspunkt unter eine wertvolle CD, die manchen Hörer nachhaltig positiv überraschen dürfte. Nicht allein diejenigen, welche die Film-Kompositionen John Coriglianos und seines Schülers Elliot Goldenthal mögen, sind hier angesprochen.

Die flandrische Klangformation „I Fiamminghi“ unter dem Dirigenten Rudolf Werthen liefert inspiriert und engagiert wirkende Interpretationen; der Klang ist tadellos, transparent, luftig und in den Steigerungen dynamisch eingefangen. Eine Produktion, die kaum Wünsche offen lässt. Etwas bescheiden (allerdings noch befriedigend zu nennen) sind die Booklet-Texte; diese werden aber immerhin auch in Deutsch geboten.

Es gelingt John Corigliano in diesen – die üblichen Hörgewohnheiten nicht extrem (über-)fordernden – Beispielen zeitgenössischer Musik auch ein überzeugender klingender Brückenschlag zwischen traditionell Vertrautem und der anfänglich oft sperrigen Neuen Musik. Die CD gewinnt noch an Bedeutung, da sie behilflich sein könnte, manchem Hörer die Ohren auch für die Klangwelten der so genannten Bürgerschrecks unter den Komponisten – zumindest nach und nach – zu öffnen: dem Titel gilt daher meine ganz besondere Empfehlung.

Komponist*in:
Corigliano, John

Erschienen:
1996
Gesamtspielzeit:
61:48 Minuten
Sampler:
Telarc
Kennung:
80421

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