British Light Music: Alfred Reynolds

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
9. Juni 2003
Abgelegt unter:
Sampler

British Light Music: Alfred Reynolds und Philip Lane

Zwei weitere Alben der umfangreichen Serie des Marco-Polo-Labels, die in der Regel dem Schaffen jeweils eines Komponisten dieses Genres gewidmet sind.

Alfred Reynolds (1884-1969) komponierte im Wesentlichen Musik, die auf die eine oder andere Weise mit dem Theater verknüpft ist. Titel von Stücken wie „Overture: The Taming of the Shrew“, „Overture for a Comedy“ oder auch „Three Pieces for Theatre“ machen dies unmittelbar deutlich. Zur 1947er Stratford-Weihnachts-Show komponierte er für die Bühnenversionen der beiden Bücher von Lewis Carroll „Alice in Wonderland“ und „Alice Through the Looking Glass“ Orchestersuiten, von denen die zum letztgenannten Stück auf der CD enthalten ist. Diese zeichnet sich durch Witz in der Instrumentierung und originelle Einfälle, wie eine ungewohnte Klavierkadenz als Eröffnung eines reizenden Walzers, aus. Die „Suite of Five Dances from The Duenna“ belegt Reynolds Engagement bei der Wiederbelebung von Opernmusik des 18ten Jahrhunderts. Seine Aufbereitung (Bearbeitung und Ergänzung) von Originalstücken dürfte aus heutiger Sichtweise zwar kaum einer den Originalen angemessenen Rezeption gerecht werden, ist aber in jedem Fall amüsant anzuhören. Und als besonders hübsch präsentieren sich „Swiss Lullaby and Ballet“ (from Swiss Family Robinson), wo nach einer schönen Einleitung durch Vibraphon und Celesta das bekannte Wiegenlied „Schlaf, Kindlein schlaf“ zitiert wird. Reynolds Händchen für barocke Pasticcios spiegelt sich unter anderem im Entr’acte der „Three Pieces for Theatre“; wobei das Schlussstück (eine Tarantella) die CD schwungvoll zum Abschluss bringt.

Die zweite CD ist ganz den Werken des durch seine Restaurationsarbeiten für diverse CD-Alben mit klassischer britischer Filmmusik bekannt gewordenen Philip Lane (siehe auch William Alwyn und Richard Addinsell) gewidmet. Der 1950 geborene Lane bezeichnet sich auf dem Gebiet des Komponierens und Instrumentierens als Autodidakt, hat erst Ende der 60er Jahre an der Universität Birmigham ein Studium aufgenommen, um seine Fertigkeiten zu vervollkommnen. Von Bernard Herrmann soll er während dessen Londoner Jahre manche Anregung erhalten haben. Die auf dem Marco-Polo-Album vertretenen Kompositionen sind besonders gut fließende und auch vielseitig ausgeführte Miniaturen. So beispielsweise in den entzückenden „Diversions on a Theme of Paganini“, in denen das berühmte Thema weniger im klassischen Sinne variiert, sondern primär elegant mit ihm gespielt wird. Die „Cotswold Dances“ sind die früheste Orchesterkomposition aus 1973; ein unmittelbar ansprechendes und in vielem tonmalerisches Porträt seiner Heimat Gloucestershire und den Cotswold Hills. Mit leicht klassizistischem Touch ausgestattet ist das recht virtuose „Divertissement for clarinet, harp & strings“, in dem der Komponist vielerlei Zitate aus früheren Werken verarbeitet. Sehr hübsch sind auch die aus den 80er Jahren stammenden „Three Christmas Pictures“, von denen das erste, die Schlittenglockenserenade, am bekanntesten geworden ist. Ein wenig ein „La Mer“ im Kleinformat ist „A Maritime Overture“ in der verschiedenen Seestimmungen naturalistisch und mitunter auch wuchtig Ausdruck verliehen wird. Und in den „Three Nautical Miniatures for Strings“ bilden die im letzten Satz anklingenden Shantys einmal mehr den Brückenschlag zur Volksmusik.

Beiden Alben wird durch die Royal Ballet Sinfonia unter Gavin Sutherland vergleichbar kompetent interpretiert, wie die beiden oben vorgestellten ASV-Alben. Auch an der Marco-Polo-Aufnahmetechnik gibt es nichts zu bemängeln. Ein (kleiner) Pluspunkt gegenüber den ASV-CDs sind die auch in deutscher Sprache vertretenen informativen Liner Notes.

Originaltitel:
British Light Music: Alfred Reynolds

Komponist*in:
Reynolds, Alfred

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
77:26 Minuten
Sampler:
Marco Polo
Kennung:
8.225184

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