CD

Veröffentlicht am 19.02.2001 | von Michael Boldhaus

More Music from Gladiator

More Music from Gladiator Michael Boldhaus
Bewertung

Was bietet die neue CD? Alle, die darauf gehofft haben, zusammen mit „More Music from Gladiator“ eine Art „definitive“ Edition der Filmmusik zu erhalten, werden enttäuscht sein. Vielmehr gibt es eine Sammlung (im Film) nicht verwendeter Musikstücke (Outtakes) und alternativer Versionen bereits bekannten Materials. Mir scheint allerdings, dass die im Film eingesetzten Stücke die bessere Wahl gewesen sind. Besonders gut ist dies in den beiden Alternativ-Versionen des Songs „Now We Are Free“ zu erkennen: Die eine Version (Track 2) würde mit ihren modernen afrikanischen Anklängen besser zum König der Löwen passen; die andere Version – die den Abschluss der CD bildet – wäre mit ihrem simplen Disco-Rhythmus im Film total zum Fremdkörper geraten. Das Booklet enthält erfreulicherweise ausführliche Kommentare von Hans Zimmer zu den einzelnen Tracks. Dabei ist es erfrischend zu lesen, wie locker und unprätentiös Hans Zimmer ist und seine Anleihen und Zitate bei den großen Vorbildern wie Wagner und Holst offen einräumt (siehe hierzu auch meinen Artikel zu Gladiator).

Auf der CD sind überwiegend kurze und auch sehr kurze Stücke vertreten (teilweise weniger als eine Minute lang), die recht nett anhörbar sind, aber wenig wirklich Neues bieten. Zu den besten Stücken gehören „Duduk of the North“ und Lisa Gerrards „Rome Is the Light“. In „Duduk of the North“ ist allerdings (besonders im letzten Drittel) die Nähe zu Morricones Westernmusik kaum überhörbar – was übrigens auch für den Epilog der Barbarenschlacht-Sequenz in der Filmversion gilt. „Rome Is the Light“ kommt als Hymnus mit einigen Ohrwurmqualitäten daher. Das ausgeprägte afrikanische Flair wirkt jedoch für den Film deplatziert.

Sicher, Zimmer schreibt, dass er keinen Wert auf Musik-Archäologie gelegt und einen zeitgemäßen Musikansatz angestrebt hat. Was er darunter versteht, zeigt sich besonders deutlich in der – interessanten und gut gemachten – rein synthetischen Demo-Version der Schlacht- und Actionmusik „Gladiator Waltz“. Zum einen ist es durchaus eindrucksvoll zu hören, was alles mit Hilfe eines aufwändigen elektronischen Equipments klanglich möglich ist, zum anderen „entlarvt“ der Vergleich mit der Film-Fassung aber auch die bei Hans Zimmer vorherrschende „Popsinfonik-Ästhetik“. Die später daraus erstellte Filmfassung klingt nämlich überraschend wenig anders, als ihr rein elektronischer Vorläufer – das Synthetische bleibt das tragende Element. Abgesehen davon, handelt es sich bei der Barbarenschlacht-Musik (vielleicht gerade weil Holst-Zitat und Wagner-Nähe so gut funktionieren) zweifellos um ein geschickt konzipiertes und auch sehr wirksam einsetzbares Stück – das im Film allerdings etwas einfallsarm auch in sämtlichen übrigen Action-Passagen fast unverändert wieder verwendet wird.

Zimmer plant und strukturiert wohl primär vom Synthesizer her in Richtung Orchester, wobei er einem kommerziell orientierten, dabei teilweise ethnisch beeinflussten pop-sinfonischen Stil verpflichtet bleibt. Es gelingt ihm nicht immer, die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten eines Orchesters zu nutzen und überzeugend in ein Gesamt-Klang-Konzept einzubauen. überhaupt hat Sinfonik nur vereinzelt einen überzeugenden dramatischen Rückhalt im Kompositionsansatz – in diesem Punkt sind Danny Elfman und James Newton Howard (zumindest zur Zeit) Hans Zimmer klar überlegen. Die einigermaßen konsequent sinfonisch gestalteten Partien werden in Zimmers Filmmusiken denn auch meist nicht lange durchgehalten. Poppige und zum Teil nervige Synthesizer-Effekte treten „auflockernd“ hinzu. So etwas funktioniert zu manch modernem Filmstoff sicher noch recht ordentlich, aber bei einem Historienepos wie Gladiator, überzeugt es nicht. Es gelingt dem Komponisten einfach nicht, eine (wie auch immer geartete) für den antiken Stoff adäquate musikalische Atmosphäre zu erzeugen. Auch der Einfall mit dem Duduk-Spieler geht da eher in die falsche, nämlich „östliche“ Richtung, nach Armenien und auch die übrigen ethnischen Elemente deuten eher auf das Land des Löwenkönigs denn auf das Rom der Antike.

Unglücklicherweise sind bei „More Music from Gladiator“ sieben Tracks partiell mit (zum Teil willkürlich ausgewählten) Film-Dialog-Passagen unterlegt worden, etwas, das auch so manchen Zimmer-Gladiator-Fan nicht gerade begeistern dürfte – und hier zum gravierenden Handikap des Albums werden könnte, da sich an dieser unglücklichen Konzeption zweifellos die Geister scheiden werden. In meinen Augen (Ohren) handelt es sich hierbei um einen überkommenen und extrem störend wirkenden Gimmick – der übrigens schon zu LP-Zeiten einige Veröffentlichungen zur Enttäuschung geraten ließ. Also: Entweder nur Musik oder das audiovisuelle Gesamterlebnis Film – in Zeiten von DVD ja besonders unproblematisch –, aber bitte keinen „Hörspiel-Torso“, der letztlich weder Fisch noch Fleisch ist!

Hört man Musik mit zeitlichem Abstand erneut, ist dies oft nicht nur einfach ein Wiederhören. Mitunter ergeben sich dabei auch derart wichtige, zusätzliche Erkenntnisse, dass Korrekturen am bereits entworfenen Bewertungsergebnis und damit auch am Artikel notwendig werden. Im Fall Gladiator, sehe ich hierzu aber keinen Anlass. Was ein Stück nach oben korrigiert werden muss, ist die dem Film-Album bereits seinerzeit attestierte „Anhörbarkeit“. Besonders unter dem Blickwinkel Ethno-Popsinfonik-Album bietet primär die Film-CD einen unterhaltsamen Stil- und auch Zitatenmix (von Wagner bis …) mit beträchtlichen Hör-Qualitäten; als Filmmusik für ein Sandalen-Epos bleibt der Eindruck jedoch sehr zwiespältig.

Titel: More Music from Gladiator
Erschienen: 2001

Laufzeit: 55:36 Minuten

Medium: CD
Label: Decca
Kennung: 013 192-2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 19.02.2001 | von Michael Boldhaus

Hannibal

Hannibal Michael Boldhaus
Bewertung

Das Schweigen der Lämmer wird gebrochen: Die Musik zum Sequel des 1991er Serienkiller-Films dürfte für viele Freunde von Zimmers Action-Musik recht ungewohnt sein. Der Komponist (oder besser das Team von Media Ventures) knüpft musikalisch bei Thin Red Line • Der schmale Grat an. Die Komposition für die abgründige „Love Story“ besteht aus stark synthetischen geräuschähnlichen Klang-Collagen und aus (vorwiegend auf die Streicher bezogenen) klassisch orientierten Klängen. Wobei von den Vorbildern der Spätromantik kräftig geliehen wird: Partiell klingt der Score geradezu wie eine Synthese aus tristanesker Leidenschaft und Siegfried-Idyll und in einigen Teilen ist das Adagietto der fünften Sinfonie Gustav Mahlers als eindeutige Inspirationsquelle übermächtig spürbar. Daneben gibt es Partien, in denen ein sakrales Element Bedeutung gewinnt: durch Stabglocken und Chor – der Textstücke der lateinischen Totenmesse singt.

Im Film mag die erneute „Grat-Wanderung“ von Zimmer und seinem Team gut funktionieren, allein von der CD gehört wirkt der Musikmix recht unausgewogen und überzeugt daher nur bedingt. Die meist synthetischen Horror-Sounds sind zudem sehr konventionell und teilweise auch (wie gewohnt) synthie-poppig rhythmisch geraten: es gibt Klangmixturen, die an Marco Beltramis The Watcher erinnern und auch altbekannte Effekte kommen zu Gehör – an einer Stelle hat man den Eindruck, der Killer hätte einem gerade das Hemd aufgeschlitzt. (Ob man derartiges allerdings abseits vom Film auf CD braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden.)

Daneben sind zwei klassische Stücke vertreten, die für den Film adaptiert wurden: Hiervon dürfte die vom exzentrischen Pianisten Glenn Gould (mitsummend) vorgetragene originale „Aria da Capo“ aus Bachs „Goldberg-Variationen“ wohl am ehesten als entbehrlich empfunden werden. Recht originell wirkt dagegen der vom Co-Komponisten Klaus Badelt beigesteuerte dämonische „Valse Tatar“, in dem Teile des bekannten Donau-Walzers von Johann Strauss, Sohn verarbeitet worden sind. Das von Patrick Cassidy für die Opern-Szene im Film komponierte „Vide Cor Meum“ setzt einen nicht undelikaten Schlusspunkt für die CD.

Es ist bei der wohl ausgeprägten Teamarbeit bei Media Ventures schwierig festzustellen, wo die Hand des Meisters wirklich allein zu Werke gegangen ist. Als überraschend empfinde ich ebenfalls, dass Arbeiten der Mitarbeiter mitunter sogar deutlich „sinfonischer“ wirken als die von Zimmer ausgeführten Stücke.

Mögen manche die Stilanleihen in den klassisch orientierten Teilen der Musik zu Hannibal als gelungene musikalische Reflektion des im Zentrum des Films stehenden pittoresken Florenz sehen – vergleichbar Mahlers Adagietto aus der „Fünften“ in Viscontis Der Tod in Venedig – ich vermag daran nichts grundsätzlich Neues oder gar Aufregendes zu entdecken: derartige Anleihen und Stilkopien sind bei Zimmer üblich und der im übrigen beschrittene Weg reicht über die Filmmusik zu Der schmale Grat kaum hinaus. Insofern bietet das CD-Album sicherlich solides und auch sehr sauber gefertigtes Handwerk. Die Komposition ist dabei zwar auch durchaus klangschön, aber weder übermäßig originell noch ein Durchbruch im Schaffen des Komponisten – hierfür fehlt es eben doch an einer gehörigen Portion Raffinement.

Besonders nachteilig wirken sich allerdings zwei Merkmale der CD-Konzeption aus. Da sind die mehreren Tracks beigemixten Anthony-Hopkins-Monologe; vergleichbar nervend und deplatziert wie im Falle der vorstehend besprochenen CD „More Music from Gladiator“ – daran ändert auch die Tatsache wenig, dass Anthony Hopkins eine gute Stimme hat. Die primär sinfonisch gestalteten Teile der Musik leiden dazu besonders unter ihrer wahrlich „untrennbaren“ Nachbarschaft zu den eher belanglosen, mehr geräuschhaften Passagen – die Möglichkeiten, ein überzeugendes Hör-Album zu konzipieren, blieben leider schlichtweg ungenutzt!

Titel: Hannibal
Erschienen: 2001

Laufzeit: 54:13 Minuten

Medium: CD
Label: Decca
Kennung: 467696-2

Komponist(en):

Schlagworte:


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Veröffentlicht am 19.02.2001 | von Michael Boldhaus

Gladiator: Die Entstehung des Epos

Kurz nach Veröffentlichung von DVD- und Kauf-Video-Editionen kommt zusammen mit der neuen CD zur Gladiator-Filmmusik auch die druckfrische deutsche Ausgabe des Making-of-Buches „Gladiator: Die Entstehung des Epos“ in den Handel. Die Story des Drehbuchautors David Franzoni und ein stimmungsvolles französisches Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, „Daumen nach unten“, überzeugten Ridley Scott, die Regie des Projektes zu übernehmen.

Vorangestellt ist ein kurzer überblick über die wichtigen Filmvorbilder von D. W. Griffiths Intoleranz (1916) bis zu Monthy Pythons Das Leben des Brian (1979). Der sorgfältig gemachte Band gewährt eingehende Blicke hinter die Kulissen (in die Werkstatt) der Macher des Films Gladiator. Viele Details des Herstellungsprozesses werden durch umfangreiches Bildmaterial sowie ergänzende Produktionszeichnungen und Storyboards illustriert. In die vielfältige Geschichte der Arbeiten an diesem Filmprojekt sind die in Interviews gewonnenen Aussagen der Beteiligten des Produktionsteams eingearbeitet. Der Leser erfährt z. B. wie die Drehorte ausfindig gemacht und wie welche Schauspieler ausgewählt worden sind. Neben Infos zu Design und Aufbau der verschiedenen Sets wird aber auch sehr eindrucksvoll die Bedeutung der digitalen Effekte erläutert, ohne die beispielsweise weder die monumentale Barbaren-Schlacht zu Beginn des Films noch die belebten, erstaunlich detailfreudigen und sogar belebt wirkenden Rom-Totalen möglich gewesen wären. Eine illustrierte Kurzfassung der Film-Story sowie ein detaillierter „Filmnachspann“ beschließen ein informatives Buch, das auch nicht nur reinen Fans des Films Freude bereiten dürfte.

Fazit: „More Music from Gladiator“ dürfte primär etwas für Zimmer-Spezialisten sein. Das präsentierte „Mehr“ an Musik gestattet zwar einige nicht uninteressante Einblicke in die Arbeitsweise des Media-Ventures-Teams, bietet allerdings unter dem Strich wenig wichtiges neues Material. Dazu dürften sich die Dialogeinsprengsel für viele potentiell Interessierte ähnlich abschreckend erweisen wie die Hopkins-Monologe auf der CD zu Hannibal.

Bei der Musik zu Hannibal müssen orchestrale (partiell auch vokale) klassisch orientierte Teile der Komposition mit synthetischen Klang-Collagen konkurrieren, die ohne Bild wenig Erbauliches zu bieten haben. Die klassisch angehauchten Teile sind mitunter durchaus klangschön geraten, ragen jedoch über gute Stilkopien kaum hinaus. Auch nach mehrfachem Hören habe ich diese Stücke (nicht zuletzt wegen der störenden synthetischen Einschübe und Hopkins-Monologe) nicht als wirklich eindrucksvoll empfunden. So dürfte das Ganze wohl besonders im Film ein gutes Stück wirksamer und damit auch deutlich „höherwertig“ sein.

Insgesamt handelt es sich also um zwei CD-Alben, deren etwas bescheidene Performance auch der Art ihrer Präsentation anzulasten ist.

Überzeugend geraten ist die deutsche Ausgabe des Buchs zum „Making of“ von Ridley Scotts Film Gladiator. Es ist überaus erfreulich, dass in jüngster Zeit derart ansehnlich gestaltete Filmbücher vermehrt in guter deutscher Übersetzung auf den Markt kommen und nicht ausschließlich als englischsprachige Importware erhältlich sind.

Titel: Gladiator: Die Entstehung des Epos
Erschienen: 2001

Zusatzinformationen: 9,95 € (D)
Laufzeit: 160 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Burgschmiet Verlag
Kennung: ISBN 3-933731-71-2

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