Special

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Kleine Klassikwanderung 6: Klassik aus dem südlichen Niedersachsen – aus Osnabrück


CD

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Alfred Schnittke: Music for the Movies

Alfred Schnittke: Music for the Movies Michael Boldhaus
Bewertung

Die Labelbezeichnung cpo steht für „Classic Production Osnabrück“. Vertrieb ist die jpc-schallplatten Versandhandelsgesellschaft mbH, die ihren Sitz 1991 ins nahe gelegene Georgsmarienhütte verlegt hat. Ähnlich wie Marco Polo oder Chandos setzt auch cpo darauf, Nischenplätze des Repertoires auszufüllen: musikalisches Neuland entdecken, so heißt die Devise. Es begann im Jahr 1986 und die vergangenen rund 15 Jahre dürfen als Erfolgsstory bezeichnet werden. Das noch junge Label hat sich mittlerweile auch international Anerkennung verschafft, was sich in verschiedenen Preisverleihungen spiegelt. Der cpo-Katalog für 2001 gibt auf knapp 150 Seiten – mit sämtlichen Cover-Abbildungen im Vierfarben-Druck – Auskunft über das bisher Veröffentlichte. Dieser Review-Artikel will eine erste Auswahl besonders markanter CD-Produktionen des vielseitigen Programms dieses wichtigen Labels vorstellen.

Sämtliche CDs sind mit sorgfältig editierten Booklets ausgestattet, die ausführliche und informative Texte in Deutsch, Englisch und Französisch enthalten. Die Einspielungen werden weltumspannend in Co-Produktion mit Dritten (z. B. dem Australischen Rundfunk, dem NDR und der BBC) in der Regel mit sehr guten Nachwuchskräften realisiert, wobei sich auch die Tontechnik ausnahmslos auf sehr gutem Niveau befindet. Und noch etwas macht die Veröffentlichungen zusätzlich interessant: Nach einem gewissen Angebotszeitraum werden die Neuerscheinungen preislich deutlich reduziert.

Auf Cinemusic.de waren cpo-Produkte bisher noch recht spärlich vertreten. Dies hat seinen Grund primär darin, dass bislang nur wenig Filmmusiken erschienen sind. Neben Erich Wolfgang Korngolds Midsummer Night’s Dream findet sich auf Cinemusic.de ein eingehender Blick auf den verdienstvollen Benjamin-Frankel-Sinfonien-Zyklus, der für den Filmmusikfreund durch Battle of the Bulge gekrönt wird. Last but not least sind im Special „Der Walzer“ die reizvollen „Waltz Reflections“ mit Bearbeitungen von Strauß-Walzern durch Komponisten der Neuen Wiener Schule vertreten.

Alfred Schnittke: Music for the Movies

Die aktuelle Kompilation mit Filmkompositionen des russischen Komponisten Alfred Schnittke (1934-1998) ist ein weiterer Schritt von cpo, auch Film-Musik nicht auszuklammern. Die vier hier in Auszügen vertretenen Filmmusiken (Die Vergangenheit und die Gedanken, Agonie, Die letzten Tage von St. Petersburg und Meister und Margarita) spiegeln die polystilistische Arbeitstechnik des Tonschöpfers wider. Alfred Schnittke scheut sich nicht, vielseitige Stile zu adaptieren und auch Klischees zu verwenden, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. So stehen z. B. barocke Klangschemata neben modernen Klangschichtungen (Ennio Morricone lässt grüßen), Pauken- und Chorglissandi und sinnfällig Melodisches neben rhythmisch wuchtigen Akkordfolgen. Ebenso erklingen Formen der Tanzmusik der 20er Jahre (z. B. der Tango) und neben Walzerseligem à la Tschaikowsky bekommt man sogar das mittelalterliche „Dies Irae“ in Form eines Walzers zu hören. Daneben gibt es Fanfaren, volkstümlich Marschartiges und auch ein verzerrtes Zitat aus dem berühmten Ravelschen „Bolero“ fehlt nicht.

Das Gebotene wirkt durchdacht und raffiniert konzeptioniert. Insofern ist es schon etwas schade, dass hier kaum die Möglichkeit besteht, die Wirkung der Musiken zusammen mit dem jeweiligen Film zu beurteilen.

Insgesamt ist Schnittkes Tonsprache hier sicher verbindlicher als in manchen seiner eher sperrigen Schöpfungen für den Konzertsaal. Alles in allem muss von sehr gutem Handwerk mit beträchtlichem Pfiff gesprochen werden. In der Rhythmik und den grotesken Anspielungen spiegeln sich Klangschemata seiner berühmten Landsleute und Kollegen Sergej Prokofieff und Dimitri Schostakowitsch wider (siehe auch Das neue Babylon). Da bislang von Schnittkes Filmmusiken noch nichts auf Tonträger zugänglich ist, bildet die vorliegende CD eine echte und sehr willkommene Repertoire-Bereicherung.

Der 1966 in München geborene Dirigent Frank Strobel ist kein Unbekannter im Bereich Filmmusik. Manch einem dürfte sein Name speziell im Zusammenhang von Stummfilmen mit Live-Musik geläufig sein. Strobel hat bis heute sowohl eine Vielzahl derartiger Originalmusiken als auch speziell neu komponierte Partituren diverser Komponisten eingerichtet und live in Opernhäusern, Filmtheatern und Open-Air-Veranstaltungen aufgeführt. Zusammen mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hat er diese interessante CD produziert, die auch klanglich keine Wünsche offen lässt.

Titel: Alfred Schnittke: Music for the Movies
Erschienen: 2001

Laufzeit: 60:07 Minuten

Medium: CD
Label: cpo
Kennung: 999 796-2

Komponist(en):

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Sampler

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Korngold: Orchesterwerke, Vol.1

Erich Wolfgang Korngold

Zu den ersten cpo-Veröffentlichungen in Sachen Orchestermusik gehörten im Jahr 1991 die (fast) vollständigen Orchesterwerke des berühmten Wieners Erich Wolfgang Korngold auf insgesamt vier CDs. Diese ermöglichen dem Interessierten klangsinnlich-üppige Begegnungen mit Kompositionen, die überwiegend vor der Hollywood-Karriere des Komponisten entstanden sind und in vielem wegbereitend waren. Auf der hier vorgestellten ersten CD finden sich neben Auszügen aus der frühen Ballettmusik des Wunderkindes, „Der Schneemann“, die dramatische „Schauspiel-Ouvertüre“, die eines ihrer klaren Vorbilder, Richard Strauss, nicht verleugnet und die „Sinfonietta Opus 5“. Letztere ist entgegen ihrer Bezeichnung (Sinfonietta = kleine Sinfonie) ein klangschwelgerisches und recht breit angelegtes Werk, das zwar in manchem noch an den Lehrer Alexander von Zemlinsky erinnert, aber auch schon Hollywood-Klänge vorausahnen lässt.

Werner Andreas Albert dirigiert kompetent die Nordwestdeutsche Philharmonie: Ein Ohrenschmaus, den sich kein Freund korngoldscher Musik entgehen lassen sollte.

Dank cpo sind ebenfalls in Sachen Korngold-Opern diskografische Lücken geschlossen worden. Sowohl der charmante, sanft walzerselige Einakter des Teenagers, „Der Ring des Polykrates“, als auch die letzte Opernschöpfung, „Die Kathrin“, sind in gelungenen Einspielungen zugänglich. Zwar schwächelt „Die Kathrin“ beim Libretto deutlich – was vielleicht ein ernstzunehmendes Hindernis für eine szenische Realisierung ist -, die Musik ist allerdings in weiten Teilen von edler Qualität und enthält dazu einige melodische Perlen, auf die der Korngold-Freund nicht verzichten sollte. Dass Korngold eine kleine Fanfare im ersten Akt später in leicht veränderter Form in seiner berühmten Filmmusik zu Robin Hood • Robin Hood, König der Vagabunden (1938) wieder verwendet hat, sei nur angemerkt. Das berühmte Love Theme (ebenfalls aus Robin Hood) entlehnte Korngold übrigens aus der bereits im Jahr 1920 komponierten reizenden Ouvertüre „Sursum Corda“. Dass beide Gesamtaufnahmen sowohl klangtechnisch als auch interpretatorisch mehr als nur ordentlich geraten sind, sei der Vollständigkeit halber angemerkt.

Titel: Korngold: Orchesterwerke, Vol.1
Erschienen: 1991

Laufzeit: 63:39 Minuten

Medium: Sampler
Label: cpo
Kennung: 999 037-2

Komponist(en):

Schlagworte:




Sampler

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Ernst Toch: Symphonies 5, 6 u. 7

Ernst Toch

Der Name des Komponisten (1887-1964) taucht als Randnotiz in Schriften auf, die sich mit Filmmusik beschäftigen. Der Komponist machte anfänglich als vielbeachteter „Neutöner“ und durch wichtige Experimente von sich Reden. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg fand er zu einer äußerlich weniger spektakulären und gemäßigten, dabei sehr persönlichen, meisterlichen Tonsprache. Als „nichtarischer“ Musiker gehörte der Wiener Ernst Toch zu denen, die Nazi-Deutschland schon früh den Rücken kehrten und in die USA emigrierten. Er übersiedelte schließlich nach Los Angeles und arbeitete auch für Hollywood. Zwar entstanden für die Traumfabrik nur 14 Filmvertonungen, von denen allerdings drei für den Academy Award nominiert wurden: Peter Ibbetson, Ladies in Retirement und Adress Unknown. Von den Filmmusiken Tochs ist auf CD zurzeit leider nichts erhältlich. Allein aus der Zusammenarbeit mit Alfred Newman bei The Hunchback of Notre Dame •Der Glöckner von Notre Dame (1935) ist ein Schnipsel greifbar – das Halleluja – auf der von John Morgan und William T. Stromberg neueingespielten Suite des Marco-Polo-Labels.

Ab etwa 1950 versuchte Ernst Toch durch längere Reisen nach Europa an seine 1933 jäh unterbrochene Karriere anzuknüpfen. Er blieb hierbei ähnlich glücklos wie sein berühmter Landsmann Korngold. Kurz vor seinem Tod beschrieb der Komponist seine Situation bitter-sarkastisch und treffend gegenüber Nicolas Slominsky: „Ich bin der meistvergessenste Komponist des 20. Jahrhunderts“ – und daran hat sich bis heute wenig geändert.

Es ist Zeit, Ernst Tochs Werke wieder zu entdecken. Die hier vorgelegten Sinfonien 5, 6 und 7 entstammen den beiden letzten Lebensjahren des Komponisten und sind Vertreter eines modernen, aber nicht radikal dissonanten Stils. Diese Musik klingt keinesfalls sperrig, sondern frisch und ist sehr farbig. Sie wird vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Alun Francis sehr lebendig dargeboten.

Titel: Ernst Toch: Symphonies 5, 6 u. 7
Erschienen: 1995

Laufzeit: 68:58 Minuten

Medium: Sampler
Label: cpo
Kennung: 999 389-2

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Franz Lehár: Symphonic Works

Franz Lehár

Von breiten Publikumsschichten wird die Musik von Franz Lehár (1870-1948), damals wie heute, wegen seiner herrlichen (Operetten-)Melodien geliebt. Einer gerechten Beurteilung seines Gesamt-Schaffens steht allerdings bis heute die abwertende Beurteilung der seriösen Musik-Kritik im Wege, die seine Kompositionen mit der Bezeichnung „Kapellmeistermusik“ versah. (Die frühe Rezeption der Musik Gustav Mahlers sah übrigens kaum anders aus.) Äußerungen, wie die von Kurt Tucholsky: „Puccini ist der Verdi des kleinen Mannes, und Lehár ist dem kleinen Mann sein Puccini“, gehören hier zu den intelligenten und heute eher amüsant klingenden Spöttereien über Lehárs kommerziell sehr erfolgreichen Musikstil. Immerhin entwickelte sich die Operette „Die lustige Witwe“ innerhalb kürzester Zeit zu einem internationalen Bestseller, was von den Kritikern lange Zeit als Anbiederung an die so genannte „Leichte Muse“ gedeutet und mit geringem handwerklichen Können gleichgesetzt worden ist. Lehár, der ehemalige Militärkapellmeister und „nur“ Operettenkomponist erweist sich beim eingehenderen Hören jedoch keinesfalls als zweit- oder gar drittklassig, im Gegenteil.

Den überzeugenden, klingenden Beweis hat cpo mit einer CD-Reihe mit praktisch unbekannten Werken des Komponisten angetreten, von denen hier zwei vorgestellt werden. Auf der CD „Symphonic Works“ ist der damals 23-jährige – nicht allein in den Vorspielen zum frühen (zweiten) Versuch, eine Oper, „Kukuschka“, zu schaffen – auf gutem Weg zum Musikdramatiker. Besonders beeindruckt hat mich die sinfonische Dichtung „Fieber“ für großes Orchester und Tenor, in der im Stile eines Melodrams (näheres zu dieser Werkgattung bei Max von Schillings) die Fieberphantasien eines sterbenden Soldaten dramatisch in Töne gefasst sind. Fast schon filmisch präsentiert sich hier eine halluzinatorisch-gespenstische Collage aus Bildern und Klängen von Schlachtfeldern, Paraden und walzerselig verliebten Erinnerungen. Faszinierend, wie der Komponist hier dramatisch gestaltet hat und auch, wie geschickt der Radetzky-Marsch und der ungarische Rakóczy-Marsch miteinander verwoben sind. Es fällt die Verwandtschaft zu den späteren Schlachtmusik-Collagen seines berühmten Landsmannes Max Steiner auf, z. B. zu They Died with Their Boots On.

Klangschön und virtuos – anknüpfend an die Tradition eines Max Bruch – gibt sich das „Concertino für Violine und Orchester“, quirlig pittoresk kommt die sinfonische Dichtung für Klavier und Orchester „Il Guado“ daher. Die ein wenig melancholische Walzerszene „Donaulegenden (An der grauen Donau)“ – komponiert nach Ende des 1. Weltkriegs – spiegelt nicht allein in Form einiger Reminiszenzen das berühmte Johann-Strauss-Opus, sie bildet auch eine schöne Überleitung zu den wenig bekannten tänzerischen Kompositionen, vertreten auf der CD „Fata Morgana“. Neben einer Reihe von weiteren Raritäten stehen hier vier Ballettmusiken im Mittelpunkt: „Zigeunerfest“, „Suite de Danse“, „Chinesische Ballettsuite“ (für die 1937er Neufassung der berühmten Operette „Das Land des Lächelns“ komponiert) sowie die Charaktertänze aus der Kinderoperette „Peter und Paul im Schlaraffenland“. Auch hier erweist sich die Musik zwar als unmittelbar ins Ohr gehend, sie ist auf ihre Art aber ebenso ideenreich, farbig und überhaupt erstklassig instrumentiert wie die sinfonischen Werke: Die CD „Fata Morgana“ macht böhmisches Musikantentum und das elegant Leichte Lehárs (auf die berühmten Operetten verweisende) hörbar und bietet damit „Austrian Light Music“ in bester Qualität.

Lehárs Tonsprache steht der seiner k.u.k. Kollegen Smetana (und damit auch Franz Liszts) und in den tänzerischen Stücken natürlich auch Johann Strauss nahe. Auch Anklänge an die – Anfang des 20. Jahrhunderts hoch im Kurs stehenden – Veristen (wie Pietro Mascagni) sind spürbar und in „Fieber“ sogar ein Hauch von Zemlinsky und Korngold: Der Komponist befand sich also auf der Höhe seiner Zeit. In der reizenden Konzert-Ouvertüre „Eine Vision: Meine Jugendzeit“ (auf der CD „Symphonic Works“) bewegt er sich auf den Spuren Smetanas und dessen berühmten Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ (siehe auch „Die Moldau“[).

Titel: Franz Lehár: Symphonic Works
Erschienen: 1997

Laufzeit: 69:48 Minuten

Medium: Sampler
Label: cpo
Kennung: 999 423-2

Komponist(en):

Schlagworte:



Sampler

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Max von Schillings: Das Hexenlied

Max von Schillings

Max von Schillings (1868-1933) genoss zu Lebzeiten großen Ruhm, sein Name erklang in einem Atemzug zusammen mit dem eines Richard Strauss und Hans Pfitzner. Heute allerdings ist dieser Glanz stark verblasst, seine Musik nahezu vergessen. Ein Umstand, der wohl auch damit zusammenhängt, dass der Komponist nach 1918 kein neues Werk mehr geschaffen hat und sich bis zu seinem Tode als Dirigent und Intendant betätigt hat – seine unrühmliche antisemitische Rolle in der Anfangsphase des „1000-jährigen Reiches“ dürfte ebenfalls einen Anteil daran haben, dass nach dem zweiten Weltkrieg kaum etwas über ihn publiziert worden ist.

Schillings Tonsprache ist klar nach-wagnerisch geprägt, dabei weniger dem schwelgerischen Klang-Parfüm eines Richard Strauss verpflichtet, sondern bevorzugt im Orchesterklang gedeckte und gebrochene Farben. Eindrucksvolle Einführung in die Tonsprache dieses Komponisten sind der dramatische sinfonische Prolog zu „König Ödipus“, das idyllische „Ein Zwiegespräch“ sowie der sanft-lyrische „Tanz der Blumen“.

Den Höhepunkt der CD bildet allerdings das Melodram „Das Hexenlied“ nach einer Ballade von Ernst von Wildenbruch. Das von tonmalerisch gestalteten, stark wechselnden Stimmungen bestimmte Werk tendiert stark in Richtung Filmmusik, wobei die Werkgattung Melodram (eine Art sinfonische Dichtung für Sprechstimme und Orchester) heutzutage kaum noch geläufig ist. „Das Hexenlied“ erweist sich auch heute als zugkräftiges, geschickt auskomponiertes Stück, das manchen Filmmusikfreund überraschen dürfte.

Titel: Max von Schillings: Das Hexenlied
Erschienen: 1994

Laufzeit: 58:17 Minuten

Medium: Sampler
Label: cpo
Kennung: 999 233-2

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Necil Kâzim Akses: Violin Concerto

Necil Kâzim Akses

Einen musikalischen Blick zum östlichsten Nato-Partner, Türkei, eröffnet die cpo-Produktion des 1969 entstandenen Violinkonzerts von Necil Kâzim Akses (1908-1999). Wohl nur wenige (der Rezensent bildet hier keine Ausnahme) dürften bislang von der „Gruppe der Türkischen Fünf“ gehört haben, die als die Gründer und Pioniere einer westlich orientierten türkischen polyphonischen Musiktradition gelten. Necil Kâzim Akses genoss eine Musikausbildung in Wien und errichtete anschließend als Assistent von Paul Hindemith in Ankara das staatliche Konservatorium.

Sein Violinkonzert ist eine Art maßvoll moderner Brückenschlag zwischen der großen Tradition und der Moderne, in ihm stehen sich lyrische und dramatische Momente ausdrucksstark und farbig gehalten gegenüber. Klanglich steht es in einer gewissen Nähe zu Sergej Prokofieff und William Walton. Eine hörenswerte Begegnung, kein easy listening, aber auch nicht sperrig. Die Radio Philharmonie Hannover unter Rengim Gökmen und der türkische Solist Chat Askin bieten eine kompetente Interpretation in Form eines sehr gut eingefangenen Live-Mittschnitts – dessen Live-Eindruck erfreulicherweise nicht durch unangenehme Publikumsgeräusche getrübt wird.

Titel: Necil Kâzim Akses: Violin Concerto
Erschienen: 2001

Laufzeit: 45:13 Minuten

Medium: Sampler
Label: cpo
Kennung: 999 799-2

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Paul Hindemith: Orchestral Music

Paul Hindemith

„Hindemith, wohin damit?“ ist eine der Polemiken, die einer der eigenwilligsten modernen Künstler des 20sten Jahrhunderts, Paul Hindemith (1895-1963), herausforderte. Er gebärdete sich anfänglich als junger Wilder par excellence, verachtete die Romantik, war Revolutionär im Sinne einer im Zeichen motorischer Rhythmik stehenden, auf „neuer Sachlichkeit“ im Ausdruck bedachten herben Tonsprache. Nachdem er Das Neue durchschritten hatte„“, wurde er, wie auch andere (z. B. Prokoffief), nach und nach geläutert. Hindemith machte seinen Frieden mit der Tradition, huldigte z.B. dem Romantiker Weber in seinen „Symphonischen Metamorphosen“, begeisterte sich für alte Musik und begab sich auf die Suche nach einer neuen Schönheit im Bereich von Gotik und mittelalterlicher Mystik. Diese Entwicklung war das Resultat eines ereignisreichen Lebens, das gekennzeichnet war von starken äußeren Angriffen und Erschütterungen, wozu auch die Emigration aus Nazi-Deutschland im Jahr 1940 zählte. Paul Hindemith war einer der großen Könner, Künstler und Lehrer des vergangenen Jahrhunderts, eine markante Persönlichkeit, die auch heute nicht unumstritten ist.

cpo hat dem äußerst vielseitigen Werk Hindemiths einen umfangreichen CD-Zyklus gewidmet. Dafür, dass der Komponist kein Neutöner um jeden Preis war, liefert die hier ausgewählte CD klingendes Beispiel. Die ironisch-pfiffige Kammermusik Nr. 1 gipfelt im Finale in einem (damals aktuellen) frechen Foxtrott-Zitat sowie einem grellen Sirenpfiff. Dem Wunsch des Komponisten, Musik für Spiel-interessierte Laien zu schaffen, entstammen die 5 Stücke für Streichorchester und die „Plöner Musiktage“, die er 1932 für die Schüler des am Plöner See gelegenen Internats-Gymnasiums schuf. In der „Suite französischer Tänze“ erweist er sich als Wegbereiter für alte Musik, gespielt in historisierender Aufführungspraxis auf restaurierten Instrumenten – etwas, das heutzutage von einer Reihe etablierter Klangformationen konsequent gepflegt wird.

Die Begegnung mit dem Regisseur Arnold Fanck führte 1921 zur Begeisterung des Komponisten für Filmkomposition und zur (kostenlosen) Erarbeitung einer Musik zum Stummfilm In Sturm und Eis (Im Kampf mit dem Berg). Dies ist nicht allein eine der ersten deutschen Originalkompositionen für einen Stummfilm überhaupt, sondern zeigt auch wie undogmatisch der Künstler war. In dieser Musik pendelt Hindemith stilistisch zwischen spätromantisch gefärbten, von Melodie bestimmten Teilen, impressionistischen Klangfarben und stark tonmalerischer Untermalung geeigneter Szenen, wie Gewitter und Sturm. Die hier vertretene knapp viertelstündige Suite fasst einige der wichtigsten Teile gelungen zusammen und ermöglicht ein Hineinschnuppern in diese faszinierende (Stumm-)Filmmusik.

Titel: Paul Hindemith: Orchestral Music
Erschienen: 1997

Laufzeit: 69:17 Minuten

Medium: Sampler
Label: cpo
Kennung: 999 301-2

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 11.12.2001 | von Michael Boldhaus

Kurt Atterberg: Sinfonien 3 & 6

Kurt Atterberg

Die Musik des Komponisten Kurt Atterberg (1887-1974) gehört zu den besonders edlen Ausgrabungen in Sachen skandinavischer Musik von cpo. Seine Musik besticht durch romantischen Wohlklang. Das skandinavische Kulturleben blieb noch lange (bis in die 40er Jahre) vom zentraleuropäischen Trauma des 1. Weltkrieges unbeeinflusst und entwickelte sich kontinuierlich aus dem des 19. Jahrhunderts heraus fort. Kurt Atterbergs Sinfonien und auch die Werke für Klavier und Orchester sind beredte Beispiele für seine von kompositionstechnischer Eleganz bestimmte Musik. Der Komponist erweist sich als ein Meister in der formalen Behandlung der thematischen Arbeit. Seine klare und durchsichtige Tonsprache knüpft etwa bei der des reifen Peter Tschaikowsky an und steht auch der Musik von Richard Strauss nicht fern. Sie ist allerdings nicht derart schwelgerisch luxuriös, und, obwohl im Ausdruck sparsamer und ein Stück weniger prächtig als diese, von ausgesprochener Schönheit. Partiell ist auch ein Hauch von Impressionismus spürbar.

Für den Filmmusikfreund dürfte als Einstieg die 3. Sinfonie, „Westküsten-Bilder“, mit ihren ausgesprochen tonmalerischen Momenten besonders ansprechend sein. Aber auch die 6. Sinfonie, das von melancholisch-elegischer Grundstimmung geprägte edle Klavierkonzert, die „Rhapsodie für Klavier und Orchester“ und die auf einem schwedischen Volkslied basierende „Ballade und Passacaglia“ – und auch die anderen noch in Vorbereitung befindlichen Teile des Atterberg-CD-Zyklus – verdienen es zweifellos, entdeckt zu werden. Kurt Atterbergs schöne, klangsinnliche Musik bietet nicht allein für unverbesserliche Anhänger romantischen Wohlklanges Hörenswertes und das nicht ausschließlich für einmaligen Genuss.

Die Radio-Philharmonie Hannover des NDR unter Ari Rasilainen und Love Derwinger, Klavier, interpretieren die Stücke angemessen und nicht ohne Leidenschaft.

© aller Logos und Abbildungen bei den Rechteinhabern (All pictures, trademarks and logos are protected.)

Titel: Kurt Atterberg: Sinfonien 3 & 6
Erschienen: 1998

Laufzeit: 68:18 Minuten

Medium: Sampler
Label: cpo
Kennung: 999 640-2

Komponist(en):

Schlagworte:



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