Tristan & Isolde

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
19. Dezember 2006
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Tristan & Isolde

Anne Dudleys Komposition zur TV-Mini-Fantasy-Serie The 10th Kingdom markierte im Jahr 2000 das Cinemusic.de-Debut der Komponistin. Jetzt hat sie — wiederum auf Varèse — die klassische Gefühlstragödie um Tristan & Isolde vertont. Zwar kann ich mich an die heutzutage offenbar praktisch überall als zeitgemäß und damit als salonfähig angesehenen (wenn auch dezenten) Synthiesounds nicht recht gewöhnen, im Übrigen ist der mit keltischen Klangelementen durchsetzte, sehr elegische und melancholische Score aber schon recht solide geraten. Es gibt einige Stellen, an denen der Klang schon ein wenig an Produkte aus dem Hause Zimmer erinnert, freilich ohne dass krachende Actionrhythmik zum Zuge kommt, und ebenso zurückhaltend bleibt der Einsatz der Klangsynthetik. Ebenso bleibt das im Zimmer’schen Œuvre des Öfteren schlichtweg aufdringliche elektronische Bassfundament ausgespart. Vielmehr erklingt zum wahrhaft klassischen Liebesdrama eine meist zurückhaltende Filmmusik, die ausgeprägt auf das Orchester, bevorzugt auf die Streicher, setzt und dabei durch die dezenten Klangflächen des Keyboards sowie durch verhallte Piano-Soli häufig entrückt wirkt. In den eher schlicht ostinatohaft gestalteten Spannungsmomenten gibt’s kurzzeitig auch mal heftigere Einwürfe des Schlagwerks, beispielsweise in „Warriors Begin“.

Besonders bei mehrmaligem Hören sind in den ruhigen Adagio-Sätzen einige recht ansprechende, aber letztlich wenig prägnante thematische Einfälle erkennbar, die darum nur wenig haften bleiben. Das Gebotene entspricht dabei eher light-sinfonischen Standards, ist nett, ohne jedoch gestalterisch besondere Tiefe zu erreichen. Etwas (zu) poppig ist die „Wedding Cortege“ geraten, dafür besitzt „The Tournament“ aufgrund des verwendeten folkloristischen Instrumentariums teilweise ein recht hübsches, quasi mittelalterlich-keltisches Flair.

Unterm Strich handelt es sich um eine Musik, die zwar klar den Hörgewohnheiten eines jungen Publikums entgegenkommen möchte, aber weitgehend Balance hält: Eine, bei der die Synthese aus (Synthie-)Pop, Ethno und Sinfonik zumindest ansprechend funktioniert. Über die gesamte Albumspielzeit bleiben allerdings diverse Durchhänger kaum überhörbar. Zusammenstellen von Suiten verhilft zu individuellen Musikfassungen mit optimiertem Unterhaltungswert. „Noch“ volle drei Sterne und damit eine kleine Empfehlung erscheinen mir vertretbar.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2006.

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Mehrteilige Rezension:

Folgende Beiträge gehören ebenfalls dazu:


Komponist*in:
Dudley, Anne

Erschienen:
2006
Gesamtspielzeit:
53:00 Minuten
Sampler:
Varèse Sarabande
Kennung:
VSD-6713

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