The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
17. Dezember 2001
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

Am 19.12.2001 startet der lang erwartete erste Teil der von Regisseur Peter Jackson verfilmten Herr-der-Ringe-Saga, The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring • Der Herr der Ringe – Die Gefährten, auch in Deutschland.

J. R. R. Tolkiens erster Band des Fantasy-Romans, „Die Gefährten“, erschien bereits 1954. Das dreiteilige Roman-Epos hat seitdem Millionen von Lesern begeistert – der Rezensent hingegen hat sich mit dem Stoff nicht sonderlich anfreunden können. Eine erste filmische Adaption erschien in den US-Kinos im Jahre 1977 in Form von Ralph Bakshis Zeichentrickversion, die etwa die Hälfte des Roman-Stoffes umsetzte. Musikalisch betreute dieses Projekt – mehr als nur respektabel – Leonard Rosenman.

Peter Jackson inszenierte alle drei Teile (parallel) und Howard Shore wurde für die Musik unter Vertrag genommen. Shore, der von vielen Filmmusikfreunden wohl eher mit Thriller-Scores wie The Silence of the Lambs oder Seven und mit avantgardistischen Klangexperimenten wie in The Cell und in abgeschwächter Form in The Score identifiziert werden dürfte, hat sich dieses Mal (aus gutem Grund) für einen traditionellen Ansatz bei der Film-Vertonung entschieden. Denn was liegt näher, als für ein derartiges Fantasy-Epos – einer im Grunde klassischen Story um den Ring der Macht, verknüpft mit dem archetypischen Kampf zwischen Gut und Böse – eine leitmotivisch geprägte und tonale Kompositionsweise zu wählen? Die klanglichen Möglichkeiten der Neuen Musik, wären hingegen für einen derartigen Stoff weitgehend ungeeignet. Hinzu kommt: Tolkiens „Herr der Ringe“ ist ein „Ring-Epos“, vergleichbar angelegt wie der berühmte wagnersche Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ und damit ist auch eine – zumindest partielle – Annäherung an dessen Tonsprache durchaus zu rechtfertigen.

Ähnlich monumental wie die Story sind die eingesetzten akustischen Kräfte: ein riesig besetztes Orchester (The London Philharmonic & The New Zealand Symphony Orchestra) agiert mit entsprechender üppiger vokaler Unterstützung durch The London Voices & The London Oratory School. Wer nach musikalischen Parallelen sucht, findet diese in den choralen Passagen von Star Wars: Episode I – The Phantom Menace und im keltischen Einschlag ein wenig in den (insgesamt jedoch deutlich blasseren) The Mists of Avalon. überhaupt drängt sich bereits in der musikalischen Konzeption der Vergleich zu den Star-Wars-Filmen auf. John Williams setzte seinerzeit ebenfalls stimmig auf eine in vielem klassisch orientierte epische Kinosinfonik, wobei er allerdings erst in The Phantom Menace vermehrt Chor-Einlagen verwendet hat. Shore hat Singstimmen in Form der Chöre direkt verstärkt eingebunden und sich dadurch einer opernhaften Atmosphäre – und damit auch dem wagnerschen „Ring“ – ein weiteres Stück genähert.

Manch einem mag beim ersten Hördurchgang ein Musikstück fehlen, das der Williamsschen Star-Wars-Fanfare an Prägnanz und Kraft vergleichbar ist. Spätestens beim zweiten oder dritten Durchlauf offenbaren sich aber auch hier sehr schöne, eingängige Themen und Motive sowie deren kunstvolle Verflechtungen. Besonders prägnant sind das geheimnisvoll klingende „Ring-Motiv“, ein von Blockflöte, Fiedel und Cembalo über dem Orchester intoniertes volksliedhaftes Thema für die Hobbits sowie das warm und auch tapfer klingende Thema für „Die Gefährten“. Der Komponist vermeidet eine zu große Nähe zu den Star-Wars-Musiken von John Williams und überhaupt plattes Plagiieren. Dem Hörer entfaltet sich dadurch eine sehr abwechslungsreiche, teilweise klanglich schwelgerische und dazu ausdrucksstarke Komposition.

In zwei Tracks der knapp 72-minütigen CD hat die New-Age-Sängerin Enya ihren Auftritt. Shore hat hierzu ein rein orchestrales Klanggewand beigesteuert. Vermutlich hat dies entscheidenden Anteil daran, dass die Songeinlagen so homogen und keinesfalls als Fremdkörper wirken, sondern vielmehr als integrale Bestandteile beträchtliche Reize besitzen. Insofern dürfte „May It Be“ auch einige Chancen bei der kommenden Verleihung der Oscars haben.

Mag sich manch einer an dem (im Verhältnis zum Song-Anteil) deutlich überzogenen Enya-Rummel stören, ich denke, Shores Filmmusik dürfte dieser auf mittlere Sicht sogar nützlich sein. Zweifellos wird Enyas Beitrag die Verkaufszahlen der CD positiv beeinflussen und könnte damit mittelfristig sogar ein verstärktes Interesse breiterer Hörer-Schichten an Shores schöner Musik bewirken. Eine erweiterte Musik-Version auf zwei CDs wird damit umso schneller wahrscheinlich und verspricht tiefere Einblicke in die Gesamt-Konzeption dieser gekonnten Tonschöpfung als das jetzt vorliegende zweifellos gut geschnittene Einzel-CD-Album. Und nach dem Abschluss des Dreiteilers (voraussichtlich Weihnachten 2003) könnte dann ein überzeugendes musikalisches Pendant zur Star-Wars-Trilogie vorliegen, das zweifellos seine Liebhaber finden und ebenso einen der gehobenen Plätze in vielen CD-Sammlungen beanspruchen dürfte.

Weiterführende Links:

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Herr-der-Ringe-Specials.

Komponist*in:
Shore, Howard

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
71:29 Minuten
Sampler:
Warner/Reprise
Kennung:
9362-48110-2

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