The Film Music from MGM Musicals

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Mai 2001
Abgelegt unter:
Sampler

Score

(4/6)

Bei den großen Film-Musicals des Golden Age handelt es sich um eine Film-Gattung, die heute insbesondere dem Nachwuchs wenig geläufig sein dürfte. Bis in die späten 20er Jahre (des letzten Jahrhunderts) reichen die ersten großen Erfolge dieses Film-Genres zurück. Die Ursprünge sind zwar in der europäischen Operette zu finden, das amerikanische Produkt „Film-Musical“ entwickelte sich jedoch – aus bescheidenen Anfängen – zu einer der typischsten Schöpfungen aus Hollywoods Glanzzeit. Bereits in den noch überwiegend „Schwarz-Weißen“ 30er Jahren erreichten die verfilmten Musicals ein Höchstmaß an Perfektion und in den Vierzigern verstärkte die üppige Farbenglut des optimierten 3-Farben-Technicolor-Verfahrens nochmals den visuellen Glanz dieser auch typisch amerikanischen Leinwand-Schöpfungen.

Die Reize dieser Filme liegen nur vereinzelt in den zumeist eher simplen Plots (mit-)begründet – Gene Kelly hat diese im Prolog des ersten That’s-Entertainment-Films gelungen charakterisiert: „…Boy Meet’s Girl, He Later Marries…“. Beeindruckend sind vielmehr die hervorragend choreographierten Tanz-Szenen, eingefangen mit Hilfe einer ausgefeilten Kamera-Arbeit, dazu die oft verschwenderische Ausstattung sowie die herrlichen Farb-Kompositionen. Daher hängt in jedem Fall der Erfolg einer Matinee-Vorstellung dieser Filme in besonderem Maße auch von der Qualität des eingesetzten Kopien-Materials ab.

Wie groß die Bedeutung dieser – seit den 70er Jahren praktisch verschwundenen – Film-Gattung einmal gewesen ist, kann der Interessierte anhand der dreiteiligen Kino-Dokumentation That’s Entertainment (1974, 1976 und 1994) eindrucksvoll nachvollziehen. Regisseur Kenneth Branagh hat in Love’s Labour’s Lost • Verlorene Liebesmüh(2000) auf charmante Art an die Tradition dieser legendären Filme angeknüpft. übrigens: Jeder, der seinerzeit in Hollywood Film-Karriere machen wollte, wurde auf seine Eignung für die Film-Musicals getestet. Es ist schon sehr originell zu sehen, wie unbeholfen sich spätere Berühmtheiten – z. B. Clark Gable, Gone with the Wind – auf diesem Parkett bewegten…

Auch wenn die Faszination durch Film-Musicals inzwischen ein Phänomen vergangener Zeiten ist: Die sehr eingängige, fantasievoll gestaltete und auch beschwingte, tänzerische Musik dieser Filme hat eine Fülle melodischer Evergreens hinterlassen, die auch manch einer kennen und mögen dürfte, der Musicals ansonsten nicht ausstehen kann.

The Film Music from MGM Musicals

Den Auftakt bildet der ansprechende Chandos-Sampler „The Film Music from MGM Musicals“. Nummern aus Meet Me in St. Louis, Ziegfeld Follies und The Pirate beschwören den Glanz der Vierziger und den des Metro-Goldwyn-Mayer Studios, das auf diesem Gebiet die fulminantesten Resultate geliefert hat. Diesen stehen die Vertreter der Fünfziger, Gigi, Singin’in the Rain,The Band Wagon und Brigadoon, in ihrer Wirkung nicht nach.

Wer kennt nicht den berühmten Gene-Kelly-Song „Singin’in the Rain“, den „Trolley Song“ aus Meet Me in St. Louis oder die bekannten Walzer aus Gigi. Neben diesen ist für mich „Heather on the Hill“ aus Gene Kellys romantisch-märchenhaftem Highland-Musical Brigadoon ein persönlicher Favorit von ganz besonderem lyrischen Charm.

Das Chandos-Album ist ein Reissue von Einspielungen, die Elmer Bernstein bereits 1990 mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter Mitwirkung der Ambrosian Singers realisiert hat. Die Interpretationen und Aufnahmen sind mit versierter Hand gemacht und auch die partiell eingesetzten Solisten sind so gewählt, das sie in Stimmlage und Ausdruck ihren berühmten Vorbildern ähnlich sind. Auch sind die Original-Orchestrierungen von Conrad Salinger zugrunde gelegt worden: Dieses sehr unterhaltsame Filmmusical-Konzert ist gelungen.

Komponist*in:
Diverse

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
52:54 Minuten
Sampler:
CHANDOS MOVIES
Kennung:
7053

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