Rodgers & Hammerstein: Complete Overtures, Carousel, The King and I und Oklahoma

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Mai 2001
Abgelegt unter:
Sampler

Score

(4/6)

Die Namen Richard Rodgers (Komponist) und Oscar Hammerstein II (Librettist) stehen für eine Reihe unvergesslicher Show-Erfolge am Broadway. 1992 erwies der Dirigent John Mauceri dem Komponisten Richard Rodgers eingehend Referenz, indem er erstmalig sämtliche Musical-Ouvertüren in der originalen Instrumentierung eingespielt auf einer CD vorgelegt hat. Dem Interessierten bieten diese einen sehr schönen klingenden Einstieg in die Musical-Welt des Richard Rodgers. Sie ist aber auch eine interessante Ergänzung zu den Film-Versionen, da diese sämtlich neu arrangiert worden sind.

In den frühen 50er Jahren mussten die Studiobosse Hollywoods erkennen, dass nichts mehr war wie früher. Dem anfänglich eher belächelten Medium Fernsehen gelang es in zunehmendem Maße den Kinos das Publikum abzujagen. Die großen Studios antworteten mit einer Offensive aus vermehrt üppig ausgestatteten und technisch innovativen Produktionen: Das Golden Age erlebte seine letzte Blüte.

20th Century Fox hatte bereits 1945 eine Version des Rodgers & Hammerstein Musicals State Fair für die Kinoleinwand adaptiert. Jetzt engagierte man sich für das Breitwand-Verfahren CinemaScope. Dessen anfängliche Probleme in der Bildauflösung versuchte man durch Aufnahme auf 55 mm breitem Film-Streifen und nachträgliches Verkleinern auf das kinoübliche 35-mm-Format zu beheben (CinemaScope 55).

In dieser Form wurden Carousel (Regie: Henry King) und The King and I (Regie: Walter Lang) produziert: Beide Filme erlebten 1956 ihre Premiere. Bereits im Oktober 1955 schlug allerdings die Geburtsstunde des ersten 70-mm-Verfahrens, „Todd AO“, das anschließend (bis Anfang der 70er Jahre) das Verfahren der Centfox für großangelegte Film-Produktionen werden sollte. In der Anfangsphase von Todd-AO-70-mm wurden die Filme allerdings zusätzlich auf 35-mm-Scope-Material aufgenommen – das hier gezeigte Plakat bewirbt die letztere Fassung. Und, mit der Innovation des Normal-Bildformats, erlebte auch der Ton neue Dimensionen: er ging in die „stereophone“ Breite und Tiefe. (Dank des Innovations-Motors Kino ließ die Stereophonie für zu Hause auch nicht mehr allzu lange auf sich warten: 1958 wurde die Stereo-LP eingeführt.)

Die drei CDs des EMI-Labels Angel präsentieren jeweils die ehemaligen LP-Versionen, ergänzt mit zusätzlichem, bislang unveröffentlichtem Material. Die Tonqualität ist beachtlich: Die Aufnahmen klingen voll und auch sehr räumlich. Allerdings, da der Produktion offenbar kein reines Musik-Master, sondern eines des kompletten Filmtons zugrunde gelegt worden ist, sind neben der Musik (allerdings nur vereinzelt) auch dezente Geräusche zu hören. Insgesamt sind die drei fast randvoll bestückten CD-Alben eine wirklich runde Sache. So macht es viel Spaß, z. B. den bekannten Carousel-Walzer in der für den Film naturalistisch aufgepeppten Version zu hören, die für mich mit ihrem veredelten Rummelplatz-Flair dem sachlicheren Broadway-Original überlegen ist. Neben den Songs enthalten die drei Titel aber auch einiges an rein instrumentalen Teilen, die vielen Hörern besonders zusagen dürften.

Übrigens: bei Carousel und The King and I hatte „Big Al“ seine Hände im Spiel – hier ist natürlich nicht der gleichnamige Allosaurus gemeint, sondern Alfred Newman, seinerzeit Chef des Music-Departments von 20th Century Fox. Sehr schön eingearbeitet ist beispielsweise die klangliche Exotik in verschiedenen Stücken von The King and I. Die verblüffende Räumlichkeit des bislang unveröffentlichten, sehr originellen „The Small House of Uncle Thomas“ vermag auch moderne, digital-verwöhnte Ohren zu überzeugen. Dieses primär von exotischen Klangfarben und Rhythmen dominierte Stück ist ein Beleg für die überraschend hohe Qualität stereophoner Aufnahmen vor immerhin schon knapp 60 Jahren.

Offenbar sind die zusätzlichen Audio-Materialen der CDs vom kompletten Tonmix der Filme abgenommen, der neben der Musik auch die Geräusche enthält. Naturgemäß spielen bei Musicals Hintergrund-Geräusche eine geringe Rolle, die in den Ballett-Musiken von Carousel und Oklahoma (partiell) wahrnehmbaren Tanzgeräusche sind aber doch etwas störend. Insbesondere gilt dies für die Gewitter-Sequenz im teilweise delikat impressionistisch schillernden „Out of My Dreams“ aus Oklahoma. Die umfangreichen (30 seitigen) und informativen Booklets – jeweils mit angefügtem Plakatmotiv sogar als „fold out“ – gleichen dies aber (fast) wieder aus.

Trotz dieser kleinen Einschränkung sind die Editionen unterm Strich sehr willkommen. Für Freunde der Film-Musicals dürften die CDs wohl nahezu unverzichtbar sein, aber auch für Neugierige sind sie einen Versuch wert. Es handelt sich um schöne Unterhaltungsmusik mit Pfiff und deutlichen Hör-Qualitäten. Ganz Vorsichtige sollten mit der insgesamt besonders ansprechenden The King and I einsteigen.

Komponist*in:
Rodgers, Richard

Erschienen:
1992
Gesamtspielzeit:
66:55 Minuten
Sampler:
Philips
Kennung:
434 127-2

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