Steamboy

Steamboy
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
27. November 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(2/6)

Steamboy

Der Name des Japaners Katsuhiro Otomo steht in Europa und Übersee für japanische Comics (Manga) und japanische Zeichentrickfilme (Anime). Sein, laut Colosseum-Werbetext, neuer „Anime-Knaller“ Steamboy spielt im viktorianischen England in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum der Filmhandlung steht ein junger Erfinder, um dessen neueste Entwicklung, den so genannten „Steam Ball“, ein Kampf zwischen Gut und Böse entbrennt. Für den Film hat der aus der Media-Ventures-Schule stammende Steve Jablonsky (•1970) einen die Wurzeln seines Schöpfers nicht verleugnenden Score komponiert.

Der eröffnende Track, „Manchester 1866“, wirkt musikalisch zwar kaum britisch, stellt dafür aber eines der beiden Hauptthemen, das (ansprechendere) für den Erfinder Ray, vor. Rays Thema besitzt gewissen epischen Atem und erinnert dabei merklich an das von James Horners Raketenmann in The Rocketeer (1991) — was beim Betrachten des Covers mit dem durch die Lüfte jagenden Steamboy schon Schmunzeln lässt. Rays Thema tritt noch das für die Heroine zur Seite: Scarletts Thema ist anhörbar, aber etwas blass, was allerdings durch die hübsch eingesetzte — an dieser Stelle ungewöhnliche — Marimba etwas kaschiert wird.

Was recht nett beginnt, gerät allerdings bald (zu) sehr zu einer der üblichen, zunehmend Zimmer-typisch rhythmisierten, merklich elektronisch aufgeblähten Klangsoßen für Actionfilme. Abseits des m. E. nach wenig über 30 Minuten nur noch anstrengenden Percussions-Einerleis geschieht nicht allzu viel Nennenswertes. Die eher wenigen stärker ansprechenden, ruhigeren Tracks liegen fast ausschließlich in der ersten Hälfte des Albums. Die in den den Rest des Albumschnitts dominierenden Action-Teilen in Serie eingesetzten schlichten Ostinati (meist der Streicher) verstärken dabei die Ermüdungserscheinungen noch kräftig — der Score gemahnt hier doch arg an Fluch der Karibik.

Fazit: Der rund 61-minütige Albumschnitt ist arg lang, wirkt rasch monoton und tempo-überladen. In Gänze dürfte er allein Jablonsky- und Zimmer-Fans begeistern. Für viele Hörer dürfte eher ein radikal gekürzter, programmierter Musikschnitt von rund einem Drittel vollkommen ausreichend sein. Wertungsmäßig erscheinen mir hierfür, trotz Steampower, zweieinhalb Sterne als die absolute Spitze (!) des Machbaren.

Komponist*in:
Jablonsky, Steve

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
60:57 Minuten
Sampler:
Colosseum
Kennung:
CAS 8502.2

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