Starship Troopers 2: Hero of the Federation

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
15. Oktober 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Dieser Artikel präsentiert ein insgesamt witziges CD-Alben Trio des Duos John Morgan und William Stromberg, das für exquisite Restauration und Neueinspielung interessanter Filmmusiken des „Golden Age“ bekannt ist. Zwar mag man auf den ersten Blick eher Gemeinsamkeiten bei den Musiken zu den Kernwaffendokumentarfilmen Atomic Journeys, Nukes in Space und Trinity and Beyond vermuten, aber auch die Komposition zum hierzulande Ende Mai 2004 nur auf Video erschienenen Sequel Starship Troopers 2: Held der Föderation ist aus sehr ähnlichem Holz geschnitzt. Die Danksagung in den Album-Credits geht neben anderen Beteiligten an die berühmten Komponisten Bernard Herrmann und Max Steiner; deren Stilismen sind originellerweise sogar für alle drei hier zusammengefassten Filmkompositionen geradezu Programm. Morgan & Stromberg haben hier ihre bei Partiturrekonstruktionen dieser beiden großen musikalischen Vertreter des klassischen Kinos gewonnenen Stilkenntnisse in ihre Musik in Form von gelungenen Hommagen einfließen lassen. Dies kommt bei den Dokus zur Geschichte der nuklearen Waffentechniken bitterböser und zugleich augenzwinkernder Ironie gleich, stammen doch sowohl bei Steiner als auch Herrmann die meisten der jeweils besten Filmvertonungen gerade aus jener Zeit. So ist im Track „Newsreel“ in Trinity and Beyond die „Handschrift“ eines Max Steiner geradezu unüberhörbar. Das gilt zum einen für den Newsreel-March, aber auch für die Varianten des für die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg stehenden patriotischen Liedes „Die Wacht am Rhein“. Und Bernard Herrmann lugt fortwährend in Atomic Journeys und Nukes in Space um die Ecke, wobei zu zwei Musiken des Maestros besonders ausgeprägte Verwandtschaft spürbar wird: The Journey to the Center of the Earth (1959) und sinnigerweise auch The Day the Earth Stood Still (1951). Alle drei Alben sind übrigens sinnvollerweise mit den Moskauer Sinfonikern eingespielt worden.

Mancher wird möglicherweise das Attribut „witzig“ bei Kernwaffendokumentarfilmen, die das Selbstmörderische der atomaren Hochrüstung in den Jahren des Kalten Krieges beschreiben, als deplatziert empfinden. Hier ist diese Bezeichnung allerdings auch als „Aberwitz“ zu verstehen, bei dem sich selbiger musikalisch in Form der Groteske widerspiegelt. Dies erfolgt z. B. (dieses Mal) zeitgemäß in an Elfman erinnernde skurrile Marschrhythmen in Atomic Journeys und Nukes in Space.

Basil Poledouris komponierte die Musik zu Starship Troopers (1997), und nicht nur der das Sequel Starship Troopers 2 eröffnende Marsch knüpft in „Fed Net“ klar bei Poledouris an, das originale Starship-Troopers-Theme wird in teilweise an Steiner gemahnender Umgebung in „Battle at Z.A.“ aufgegriffen. Die Ähnlichkeit des im Score ansprechend variierten Fed-Net-Marsches zu Zimmers Backdraft ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Tribut an entsprechendes Temptracking. Insgesamt präsentiert sich hier ein handwerklich tadelloser Actionscore. Einer, der neben einigen modern-dissonant gestalteten Momenten ebenfalls augenzwinkernd mit Stilismen des Golden Age operiert und außerdem sehr farbig und effektvoll, dabei oftmals raffiniert herrmannesk orchestriert ist. Über rund 73 Minuten Spielzeit erhält der Käufer eine sehr actiongeladene Musik, die mit ihren pfiffig eingesetzten Percussions nicht einfach nur laut, sondern vielmehr recht abwechslungsreich gestaltet ist. Spätestens nach Weglassen einer individuell ausgewählten Handvoll Tracks dürfte die auch von der Lauflänge beachtliche CD für viele zum sehr unterhaltsamen Höralbum werden.

In Trinity and Beyond tritt dem Orchester noch ein gemischter Chor hinzu, dessen Verwendung wiederum ein wenig an Poledouris’ Conan the Barbarian (1981) und damit an das generelle Vorbild „Carmina Burana“ von Carl Orff erinnert. Hier erzielt das Komponisten-Duo einige besonders reizvolle Wirkungen im zum Teil furiosen Wechselspiel aus stark akzentuierten rhythmischen Einwürfen, die neben Herrmann auch an Prokofjew erinnern und in Teilen lyrische Momente, die auch mit Hilfe des Chores wirkungsvoll gestaltet sind. Neben Angst und Vernichtungskraft wird auch überzeugend die abstrakte Schönheit dieser tödlichen, vom Menschen mit besten Aussichten zur völligen Selbstvernichtung entfesselten Kräfte versinnbildlicht. Hierzu gibt es beispielsweise quasi-religiöse, an die Bibel-Epen Alfred Newmans erinnernde chorale Momente in „Hiroshima and Nagasaki Requiem“.

Ein paar Anmerkungen zu den drei wahrlich „radioaktiven“ Dokumentarfilmen vom Spezialisten für Special-Effects Peter Kuran: Trinity and Beyond ist der älteste der drei Filme und entstand bereits 1995. Der Film trägt auch den Untertitel The Atomic Bomb Movie und befasst sich mit den Anfängen der Nuklear-Waffen-Entwicklung in den 1940er Jahren bis 1963. Atomic Journeys (Welcome to Ground Zero) schildert die lange Zeit als Top Secret behandelte Geschichte der insgesamt über 900 Kernwaffentests in den USA. Nukes in Space (The Rainbow Bombs) wiederum beleuchtet unter anderem die modernsten Entwicklungen, wie anti-ballistische Raketensysteme und sonstiges im Programm für den so genannten „Sternenkrieg“.

Die Musik zu Trinity and Beyond erschien erstmalig 1996; ausnahmsweise sogar hierzulande auf Filmharmonic Records (FHR 10813), wobei diese Pressung offiziell längst vergriffen ist und allein noch auf Auktionen zu haben sein dürfte. Jüngst (Januar 2004) ist der Titel — zusammen mit dem neuen Album Atomic Journeys/Nukes in Space — bei „Visual Concept Entertainment“ (www.vce.com) wieder aufgelegt worden. Die 1995er Ausgabe zu Trinity and Beyond klingt zwar mehr als befriedigend, das Klangbild ist allerdings längst nicht derart überzeugend durchsichtig geraten wie das von Atomic Journeys und Nukes in Space. Diese Aussage bezieht sich sowohl auf die ältere Filmharmonic-Records-Edition als auch auf die Neuauflage von VCE. Zwar firmiert Letztere mit dem Attribut „remastered“, der entscheidende Unterschied zur 1996er Erstausgabe liegt allerdings in einem etwas höheren (lauteren) Pegel.

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
73:17 Minuten
Sampler:
Varèse Sarabande
Kennung:
VSD-6581

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