Trinity and Beyond

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Oktober 2004
Abgelegt unter:
DVD

Film

(4/6)

Bild

(4/6)

Ton

(4/6)

Extras

(3.5/6)

DVD: Trinity and Beyond

Trinity and Beyond, ein preisgekrönter Dokumentarfilm zur Geschichte der Atombombe, ist jetzt auch hierzulande erhältlich — erschienen auf DVD bei der in Berlin ansässigen Firma CMV Laservision (www.cmv-laservision.de).

Das Atomzeitalter begann am Morgen des 16. Juli 1945, um 5:30 Uhr, mit der zur Detonation gebrachten Trinity-Bombe, die in ihrer Explosionskraft 18,6 Kilotonnen TNT entsprach. Was folgte, waren die mit harmlos klingenden Namen versehenen Bombentypen „Little Boy“ und „Fat Man“, welche die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki in radioaktiv verstrahlte Wüsten des Grauens verwandelten. Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ließen die USA weitere Tests dieser neuen Waffengattung folgen: So erprobte man 1946 in einem spektakulären Versuch am Bikini-Atoll, dem Unternehmen „Crossroads“, die Vernichtungswirkung sowohl einer in der Luft („Able“) als auch unter der Wasseroberfläche („Baker“) detonierenden Bombe auf eine Armada ausgedienter Schiffe. Als die Sowjets im August 1949 ihre erste Atombombe zünden konnten, leitete dies letztlich den langjährigen atomaren Rüstungswettlauf ein, der die ersten beiden Dekaden der Nachkriegsgeschichte besonders geprägt hat.

Peter Kuran hat dieses frühe Geschichtskapitel der atomaren Waffentechnik, ausgehend vom Manhattan Projekt bis 1963 — als Rotchina in den Club der Atommächte eintrat —, zu einem sehenswerten Dokumentarfilm aufbereitet. Der in erster Linie als Effektspezialist bekannte Regisseur (neben anderen Filmen: The Empire Strikes Back, The Abyss und The Last Samurai) hat dazu umfangreiches, zum großen Teil für die Öffentlichkeit bislang unzugängliches Bildmaterial zusammengetragen — was möglich wurde, da die lange Zeit als geheim eingestuften Archive der US-Atombehörden mittlerweile auch für Zivilisten zugänglich sind. Als besonders markanten, noch lebenden Zeitzeugen jener Jahre lässt er verschiedentlich den Vater der Wasserstoffbombe, Edward Teller, zu Wort kommen.

Der Dokumentarfilm ist eine interessant gemachte, eher nüchterne Montage, welche den Wahnsinn dieser apokalyptischen Waffentechnik durch für sich selbst sprechenden Bilder unterstreicht: So, wenn ganze Gruppen von Besuchern, ausgerüstet mit Spezialbrillen, bequem im Sonnenstuhl posierend eine Atomexplosion quasi „genießen“. Sicherlich ist das Ganze in Teilen auch eine visuell durchaus beeindruckende, aber zugleich auch bizarre Show aneinander gereihter Atompilze, die typisch für diese Art nie zuvor von Menschenhand entfesselter zerstörerischer Kräfte sind. Kurzzeitig etwa 10 Millionen Grad Hitze sowie ein Lichteffekt, — wie Robert Jungk schrieb — heller als 1000 Sonnen, gehen einher mit einer gewaltigen Druck- und Hitzewelle. Auch ohne die Folgeschäden durch Radioaktivität zu berücksichtigen, ist dies allein schon eine Zerstörungskraft, gegen die die Wirkung herkömmlicher Sprengstoffe, wie das als Bezug dienende TNT, relativ harmlos erscheint. Im Gezeigten wird die Bildwirkung durch die geschickt auf das Bild komponierte Filmmusik von Morgan & Stromberg noch eindeutig gesteigert. Mancher mag dies zwar als Ästhetisierung werten, eine Gefahr sehe ich darin allerdings nicht, denn dafür wirkt das Gezeigte insgesamt letztlich doch allzu beklemmend.

Dies gilt auch für eine besonders verrückt anmutende Kuriosität jener Zeit: Die — auf dem Backcover der Filmmusik-CD ebenfalls posierende — „Atomkanone“. Deren Granaten detonierten in nur etwa 150 Metern Höhe und führten (wie auch der o. g. Versuch mit „Baker“) zu besonders katastrophalem radioaktivem Fallout und damit Verstrahlung des Testgebietes. Erst 1963 — im Kielwasser der Kuba-Krise — hatten die Supermächte ein Einsehen und stellten die oberirdischen Atomversuche ein. Deren radioaktiver Auswurf ist übrigens in den Knochen der seinerzeit in der Wachstumsphase befindlichen Generation — mit empfindlichen Messmethoden — noch heute (!) eindeutig nachweisbar.

Die Bildqualität ist entsprechend der unterschiedlichen Materialien (16- und 35-mm-Film in Farbe und Schwarzweiß) zwangsläufig schwankend. Dank sorgfältiger Nachbearbeitung ist das Gesamtresultat aber sehr ansehnlich. Natürlich bleiben Unterschiede in der Auflösung (Körnigkeit) der jeweiligen Vorlage bestehen, eventuelle Bildschäden wie Laufstreifen wurden fast durchweg sauber entfernt. Ebenso sehr zufrieden stellend ist der als AC3-2.0 ausgewiesene Ton. Dies entspricht sauberem „klassischem“ Dolby-Surround, bei dem hier natürlich ausschließlich die Musik mit echtem Stereo aufwarten kann.

Im wählbaren Audiokommentar des Regisseurs gibt Kuran interessante Infos zu den Quellen und auch zur Montage des verwendeten Filmmaterials. Leider fehlen hierzu als zusätzliches Hilfsmittel zum Verständnis deutsche Untertitel. Überhaupt entpuppt sich die zum Hauptfilm anwählbare Sektion „Untertitel“ (in Deutsch und Englisch) als vollständig leer: ein Produktionsfehler?

Im Bonusmaterial ist neben dem erwähnten Audiokommentar des Regisseurs die vollständige Filmmusik in einzeln anwählbaren Tracks das Wertvollste — identisch mit dem betreffenden CD-Album. Hingegen, sowohl die „unredigierte Detonation“ als auch die mit Hilfe einer beiliegenden Anaglyphenbrille in „3-D“ (in Pseudo-Schwarzweiß) präsentierten Parts sind eher enttäuschend. Die aus den Wochenschauen jener Zeit bekannten Detonationen sind um des Effekts willen natürlich getürkt — infolge des großen Betrachtungsabstandes wird der Schall in der Realität nämlich erst mit beträchtlicher Verzögerung (ca. 30 Sekunden) wahrgenommen. Hier bekommt man allerdings anstelle des charakteristischen, bassbetonten Grollens überhaupt nur ein gar schlichtes „Blob“ zu hören.

Beim Trailer sowie der mit „Hiroshima and Nagasaki Requiem“ musikalisch unterlegten Montage aus Einzelbildern im Segment „Bildergalerie“ wiederum handelt es sich um Zugaben, die wohl eher die Chance erhalten dürften, mehr als nur einmal in Augenschein genommen zu werden.

Regisseur*in:
Kuran, Peter

Erschienen:
2004
Vertrieb:
CMV Laservision
Kennung:
0217
Zusatzinformationen:
USA 1995

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