Nicholas Nickleby

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
15. April 2003
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Ein „neuer“ Portman ist da! Wirklich? Nein, leider nicht. Sicherlich ist es nicht unbedingt erforderlich, dass ein Komponist bei fast jedem Score eine außergewöhnliche Vielseitigkeit und Abwechslung in der musikalischen Gestaltung beweisen muss – was natürlich ebenso für weibliche Vertreter dieser Zunft zutrifft. Was Rachel Portman hier auffährt, erweist sich allerdings als ein recht zwiespältiges Hörerlebnis. Nur wer die Scores der Komponistin zu The Cider House Rules, The Legend of Bagger Vance oder auch Chocolat nicht besitzt, dürfte sich für das in Nicholas Nickleby zu Hörende noch am ehesten unvoreingenommen erwärmen können.

Wer jedoch diese CDs im Schrank hat und dazu vielleicht noch den Fehler begeht, alt und neu miteinander zu vergleichen, sollte (muss) sich auf eine besonders ernüchternde Feststellung gefasst machen: Auch diese neue Komposition bewegt sich nämlich ausschließlich in den nicht allein ausgetretenen, nein, sondern dazu offenbar äußerst schmalen (!) Bahnen Portmanschen Wohlklanges. Dies bedeutet: es gibt auch dieses Mal allein die gewohnten und sattsam bekannten immerzu gleich banalen pastoralen Streicherlinien mit ihren darüber gelegten Holzbläsersoli zu hören. Um Missverständnissen entgegenzuwirken: Das Problem liegt hier weniger in der im Einzelfall einfachen, aber durchaus ordentlichen Machart, sondern in der Monotonie des bisher von Rachel Portman Gebotenen. In Nicholas Nickleby ist dazu auch noch das Haupt-Thema recht schwach, was die schlichte, nach immer gleichem Schema erfolgte Bauweise noch deutlicher spürbar werden lässt.

Im Gegensatz dazu sind die (im Stil nahe stehenden) Musiken eines Georges Delerue und John Barry denn doch ein Stück vielseitiger. Deren ebenfalls eher einfachen Strickmuster sind zumindest gelegentlich mit dem einen oder anderen pfiffigen kompositorischen Einfall aufgelockert und überhaupt werden die Musiken von deutlich stärker inspirierten Themen getragen. Insbesondere Delerue bewies ja gerade bei seinen Musiken zu Kostümstoffen ein relativ starkes und überhaupt gutes Händchen. Portman hingegen spart historisierende Klänge sogar komplett aus, ja, sie schert sich nicht nur keinen Deut um die historische Epoche, sondern sie liefert allein x-fach Gehörtes. Damit vermag das hier Gebotene allenfalls gegenüber Barrys ausgelaugten Spätwerken wie Enigma (zumindest noch ein paar) Punkte zu sammeln.

Wer entsprechend kritisch hinhört, für den ist diese CD, alles in allem, wohl eher entbehrlich. Für Portman-Einsteiger oder -Anhänger hingegen ist sie eine ganz respektable Sache und taugt sicherlich auch als ganz nettes Film-Souvenir. Etwas schwierig gestaltet sich damit an dieser Stelle auch eine einigermaßen objektive Bewertung. Zweieinhalb Sterne wären bei sehr strenger Gewichtung sicher nicht übertrieben, drei ansonsten aber schon (noch) vertretbar …

Komponist*in:
Portman, Rachel

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
40:06 Minuten
Sampler:
Varèse
Kennung:
VSD-6435

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